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Biosprit: Günstig, aber umstritten

E10 erhitzt erneut die Gemüter

E10-Zapfpistole an einer Tankstelle (picture alliance / dpa)
E10-Zapfpistole an einer Tankstelle (picture alliance / dpa)

Wer E10 tankt, nimmt Menschen die Nahrung weg - mit dieser Argumentation wirbt Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) für die vorübergehende Abschaffung von Biosprit. Die Reaktionen auf den Vorschlag reichen von Begeisterung bis Bissigkeit.

Der stellvertretende Vorsitzende des Umwelt-Ausschusses im Bundestag, Horst Meierhofer, unterstützt die Forderung Niebels. Es könne nicht sein, dass die Ärmsten der Welt unter der Energiewende leiden müssten, sagte er dem Deutschlandfunk. Teure Preise würden stets nach unten weitergereicht. Der FDP-Politiker wies jedoch auch darauf hin, dass an anderer Stelle versucht werden müsse, die Klimaziele zu erreichen und CO2 einzusparen.

Hilfsorganisationen fordern E10-Stopp

Auch mehrere Hilfsorganisationen sprachen sich für die Abschaffung von E10 aus. "Es ist ungerecht und verantwortungslos, dass Menschen hungern müssen, damit wir mit einem scheinbar reinen Gewissen unsere Autos tanken können", sagte der Sprecher des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt", Rainer Lang, der "Westdeutschen Zeitung. Die Welthungerhilfe begrüßte den Vorstoß. "Die Ethanol-Beimischquote sollte eingefroren werden", forderte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Jamann.

Dirk Niebel hatte sich angesichts der weltweit stark gestiegenen Lebensmittelpreise für einen Verkaufsstopp des Biosprits ausgesprochen.

Hoppe: "Das wirkt ein bisschen populistisch"

Zwar könne man die "Konkurrenz zwischen Tank und Teller" nicht abstreiten, sagt der Grünen-Politiker Thilo Hoppe. "Aber jetzt, wie gesagt, nur auf Biotreibstoffe sich zu fokussieren und die sehr viel größere Flächenkonkurrenz zwischen dem Anbau von Futtermitteln und Nahrungsmitteln auszublenden, das ist doch recht populistisch", betonte der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestages im Deutschlandradio Kultur.

Wenig Akzeptanz bei Verbrauchern, viel Kritik von Umweltverbänden

Ein Auto fährt bei Landau in der Pfalz an einem blühenden Rapsfeld vorbei (picture alliance / dpa / Marius Becke)Raps wird in Deutschland zu Herstellung von Biosprit verwendet (picture alliance / dpa / Marius Becke)Der Superkraftstoff E10 mit zehn Prozent Bioethanol-Anteil muss in Deutschland seit Anfang 2011 angeboten werden. Mit der Einführung will die EU den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid verringern und unabhängiger vom knapper werdenden Erdöl werden. Bisher meiden rund zwei Drittel der Autofahrer den Sprit, obwohl ihm mehrfach Unbedenklichkeit für die Motoren bescheinigt wurde. Nach dem drastischen Anstieg der Benzinpreise ist Biosprit mittlerweile billiger als Treibstoff aus Erdöl.

E10 wird aus Weizen, Rüben, Raps, Palmöl, Soja und Mais gewonnen. Der größte Teil des in Deutschland eingesetzten E10 wird nach Informationen des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Deutschland und Europa hergestellt.

Umweltverbände wie Greenpeace lehnen den Sprit u.a. wegen des hohen Bodenverbrauchs zu seiner Herstellung ab. Eine Studie der EU bestätigte nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im Februar, dass in Entwicklungsländern viele Bauern für ihre Getreidefelder neue Regenwaldflächen abbrennen oder Feuchtgebiete trockenlegen, wenn ihre bisherigen Felder für den Anbau von Energiepflanzen verwendet werden.

Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:

Teller oder Tank: Zusammenhang zwischen Biosprit und Hunger - Dürre in den USA lässt Getreidepreise zusätzlich steigen (DLF)

Biosprit kann umweltschädlich sein - Vorsitzender des Umweltausschusses im EU-Parlament über Nachteile von Biokraftstoffen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

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