Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bischofskonferenz zwischen Reformern und Konservativen

Zahlreiche Streitpunkte bei der Herbst-Vollversammlung der katholischen Bischöfe

Die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz bei der Herbstvollversammlung in Fulda
Die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz bei der Herbstvollversammlung in Fulda (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)

Die Deutsche Bischofskonferenz bleibt bei ihrer harten Linie im Umgang mit Kirchenaustritten. Wenn sich Menschen in einem öffentlichen Akt von der Kirche distanzierten, müsse das Konsequenzen haben, sagte der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch zum Auftakt der Herbst-Vollversammlung in Fulda.

Ein am Donnerstag veröffentlichtes und vom Vatikan bestätigtes Dekret stellt klar, dass es nicht möglich ist, aus der Kirche auszutreten und zugleich gläubiges Mitglied zu bleiben. Damit macht die katholische Kirche die Mitgliedschaft von der Zahlung der Kirchensteuer abhängig. Austrittswillige sollen demnach in einem Brief über die Folgen des Austritts informiert werden.

"Wir sind Kirche" spricht von "Drohgebärde"

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" sprach von einer Drohbotschaft an das Kirchenvolk. "Pay und Pray!" (Zahle und bete!) sei "ein völlig falsches Signal zum falschen Zeitpunkt", sagte Christian Weisner von den Reformern. Der Beschluss sei keine Motivation, der Kirche treu zu bleiben oder ihr beizutreten.

Die Kirchenbewegung glaubt, dass die deutschen Bischöfe und der Vatikan große Angst haben vor weiteren erheblichen Einnahmeverlusten bei der Kirchensteuer. 2011 sind mehr als 126 000 Menschen in Deutschland aus der Kirche ausgetreten. Fraglich sei außerdem, welche Rechtskraft das Dekret habe, kritisierte "Wir sind Kirche".

Erzbschof Zollitsch verteidigt Dekret

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ist neuer Vorsitzender der Deutschen BischofskonferenzDer Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (AP)Wenn künftig alle Ausgetretenen per Brief zum Gespräch eingeladen und über die Konsequenzen des Austritts informiert würden, handele es sich keinesfalls um eine Drohgebärde, verteidigte dagegen der Konferenzvorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, den Beschluss. Jeder Austritt sei für die Kirche schmerzlich. Die Kirche wolle klarstellen, was dieser Schritt konkret für Folgen habe.

Diskussionen über die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche

In den nächsten vier Tagen diskutiert die Deutsche Bischofskonferenz über weitere Menge strittige Themen. Bei ihrer Herbsttagung geht es etwa darum, wie weiblich die katholische Kirche sein darf – und welche Rechte Katholiken haben, die nach einer Scheidung erneut heiraten.

Für "Wir sind Kirche" ist die Sache eindeutig: "Nur wenn die deutschen Bischöfe jetzt endlich auch konkrete Reformschritte in Angriff nehmen, besteht überhaupt noch eine Chance, die akute Kirchenkrise beheben zu können", stellt die kritische Initiative vor Beginn der Herbsttagung klar.

Kommunion auch für Wiederverheiratete?

Geschiedene Menschen, die neu geheiratet haben, müssten bespielsweise nach dem Willen der Reformer unter bestimmten Umständen an der Kommunion teilnehmen dürfen. Auch arbeitsrechtlich sollte Wiederverheirateten von der katholischen Kirche kein Stein in den Weg gelegt werden - nach dem öffentlichen Dienst ist die Kirche der größte Arbeitgeber in Deutschland.

Dieser Vorschlag dürfte in der Runde der 67 Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Weihbischöfe aber ebenso für Widerspruch sorgen wie der Ruf nach mehr Einfluss für Frauen in der Kirche. Der Bischof des "Ruhrbistums" Essen, Franz-Josef Overbeck, verlangte, der Kirche "auch ein weibliches Angesicht" zu geben. Leitungsfunktionen in der Kirche könnten möglicherweise stärker von Frauen wahrgenommen werden - das Priesteramt zählte Overbeck, der zu den Konservativen gerechnet wird, ausdrücklich nicht dazu.

Leidenschaftliche Debatten erwartet

Ein Gesprächsforum in Hannover hatte schon einen Vorgeschmack auf die in Fulda zu erwartenden Debatten geliefert. Teilnehmer berichteten von streckenweise emotionalen Auseinandersetzungen. Dafür, dass Themen wie die Sexualmoral oder der Umgang mit Schwulen und Lesben zumindest besprochen werden, gab es Anerkennung, etwa vom grünen Bundestagsabgeordneten Josef Winkler, Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken: "Nirgendwo auf der Welt stellen sich Bischöfe einem derartigen Dialog auf Augenhöhe", so Winkler.

Bei ihrer Herbst-Vollversammlung werden sich die Bischöfe auch mit dem Religionsunterricht an Schulen beschäftigen. Zu den weiteren Programmpunkten zählt der Abschlussbericht einer bundesweiten Telefonseelsorgenummer speziell für ehemalige Heimkinder. Das Beratungsangebot ist für Menschen gedacht, die zwischen 1945 und 1975 in katholischen Einrichtungen geschlagen, gedemütigt oder missbraucht wurden. Große Hoffnungen setzen die Bischöfe in ein neugestaltetes Internetportal. Unter katholisch.de will die Kirche regelmäßige Videobotschaften ins Netz stellen.

Mehr auf deutschlandradio.de:

"Keine Kommunion für Wiederverheiratete ist Exkommunikation" -Katholische Priester fordern schnelle Kirchenreformen
(Keine) Diakonin, Pfarrerin, Priesterin - Welche Rolle Frauen in den christlichen Kirchen spielen
Eine zukunftsfähige katholische Kirche? - 98. Deutscher Katholikentag in Mannheim

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:35 Uhr Kultur heute

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Daniel BahrVom Minister zum Manager

Daniel Bahr, hier bei einer Kabinettssitzung 2013, arbeitet nun für eine Krankenversicherung

Im letzten Jahr lobte der damalige Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sich noch selbst für seinen "Pflege-Bahr", eine Zusatz-Pflegeversicherung, die unter anderem die Allianz anbietet. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik wird er nun just bei dieser Versicherung führender Manager.

Genschers Balkon-RedeEndlich! Ausreise!

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) steht am Mittwoch (30.09.2009) auf dem berühmten Balkon der Deutschen Botschaft im tschechischen Prag.

Es waren rund 4000 Menschen, die sich in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag verschanzt hatten und auf ihre Ausreise in den Westen warteten. Dann trat der Außenminister der Bundesrepublik, Hans-Dietrich Genscher, auf den Balkon.

Russland und UkraineDie Ukraine mauert

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk lässt eine Mauer bauen - an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland. Die Mauer soll verhindern, dass russische Kämpfer und illegale Waffen über die Grenze transportiert werden.

EU-Kommissar OettingerDer "Faktenstaubsauger" will sich das Neuland erobern

Günther Oettinger mit ernstem Blick. Sein Gesicht wird halb verdeckt von einer Europa-Flagge. 

Mit Günther Oettinger soll ein Mann EU-Digitalkommissar werden, dem viele den Job nicht zutrauen. Im EU-Parlament stellte er sich den kritischen Fragen der Abgeordneten und musste sich dabei auch Spott von Satiriker Martin Sonneborn anhören.

SchlagerstarTräumen und weinen mit Udo Jürgens

Udo Jürgens am Klavier 

"Ich war noch niemals in New York" oder "Merci Chérie" – Generationen hat der gebürtige Österreicher Udo Jürgens mit seiner Musik begleitet und begeistert. Manche halten seine Texte für schlichte Wahrheiten. Aber können Millionen von Fans weltweit irren?

AllzweckmittelTotal Banane

Lecker Banane gefällig? Die gelbe Frucht kann aber noch viel mehr als nur gut schmecken.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundesinnenminister de Maiziere  skeptisch zu Asylgipfel | mehr

Kulturnachrichten

Achenbachs Ehefrau  will Kunstwerke zurück | mehr

Wissensnachrichten

Filmbranche  Netflix will Kinofilm mitproduzieren | mehr