Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Blatter will bleiben

Politiker drohen mit Entzug des Verdienstkreuzes

FIFA-Präsident Joseph Blatter schließt einen Rücktrtitt aus
FIFA-Präsident Joseph Blatter schließt einen Rücktrtitt aus (picture alliance / dpa / Walter Bieri)

FIFA-Chef Blatter hat Forderungen nach seinem Rücktritt erneut eine Absage erteilt. Doch wegen der Schmiergeldaffäre beim Weltfußballverband FIFA haben führende Politiker aus Europaparlament und Bundestag verlangt, ihm das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen. Bundespräsident Gauck solle die Entziehung der Auszeichnung prüfen.

Der Präsident ist in Erklärungsnot. Selbst Mitstreiter aus der Exekutive sind mittlerweile von dem Schweizer abgerückt. Doch Blatter will nicht gehen - nach einer Anhörung im Exekutiv-Ausschuss des Fußball- Weltverbandes betonte er in Zürich, dass er treibende Kraft im notwendigen Reformprozess bleiben wolle. Über Schmiergeldzahlungen der Marketingfirma ISL an andere FIFA-Funktionäre wisse er nichts.

Doch auch die gesamte FIFA gerät unter Druck. Eine neue Ethik-Kommission soll eingesetzt werden. Das Exekutiv-Komittee der Fifa ernannte den Münchner Richter Eckert sowie den US-Staatsanwalt Garcia zu Vorsitzenden der beiden Kammern der neuen Ethik-Kommission zur Bekämpfung der Korruption bei der FIFA. "Ich bin ein glücklicher Präsident, weil unserer Reformprozess weitergeht. Ich als Präsident werde diesen Reformprozess weiter begleiten", sagte Blatter.

Umstrittene Ordensverleihung

FIFA-Präsident Blatt hatte 2006 das Bundesverdienstkreuz erhaltenFIFA-Präsident Blatt hatte 2006 das Bundesverdienstkreuz erhalten (dpa / Roberto Pfeil)2006 war die Welt zu Gast bei Freunden. Unter diesem Motto fand in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Im Taumel der Freude erhielt FIFA-Präsident Sepp Blatter zwei Tage vor dem FIFA-WM-Finale das Große Verdienstkreuz. "Die FIFA hat durch die Vergabe der WM ein großes Vertrauen in uns Deutsche gesetzt", hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) damals gesagt. "Dafür möchte ich mich bedanken. Deshalb habe ich im Auftrag von Bundespräsident Horst Köhler Herrn Blatter das Bundesverdienstkreuz verliehen."

Schon damals war die Verleihung des Ordens umstritten. Schon damals soll es Unregelmäßigkeiten bei der WM-Vergabe an Deutschland gegeben haben, deutete Blatter in einem Interview am Wochenende an. Diese Äußerung sei ein "Armutszeugnis", sagte Sylvia Schenk von Transparency International im Deutschlandradio Kultur. Inzwischen ermittelt die Schweizer Staatsanwaltschaft auch gegen den 76-Jährigen wegen Schmiergeldzahlungen des Sportvermarkters ISL an ranghohe FIFA-Funktionäre.

Und so sprach der Abgeordnete der Schweizerischen Volkspartei, Roland Büchel, von einem "sehr dummen Ablenkungsmanöver". "Entweder ist das eine unglaubliche Verleumdung, oder sonst war es eine Selbstanklage, weil wenn es so wäre, dann hätte Herr Blatter das seit zwölf Jahren gewusst und nichts getan", sagte Büchel im Deutschlandfunk. "Die 142 geschmierten Millionen Franken an Sportfunktionäre, das ist jetzt endlich bekannt und auf amtlichen Papieren belegt".

Aberkennung "zwingend geboten"

Reinhard Bütikofer, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die GrünenReinhard Bütikofer, Grünen-Sprecher im Europaparlament (Deutschlandradio / Bettina Straub)Vor diesem Hintergrund fordern führende Politiker, Blatter die Auszeichnung wieder abzuerkennen. "Sepp Blatter steht für endemische Korruption bei der FIFA. Nachweislich", sagte der Sprecher der Grünen im Europaparlament, Reinhard Bütikofer, der Zeitung "Die Welt". "Deshalb sollte ihm das Bundesverdienstkreuz wieder entzogen werden." Auch Wolfgang Neskovic, Justiziar der Linke-Fraktion und ehemaliger Richter am Bundesgerichtshof, sagte, er halte "eine Entziehung der Auszeichnung für zwingend geboten".

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte der Zeitung: "Wenn es dabei bleibt, dass Herr Blatter keine echte Aufklärung der Schmiergeldaffäre will, sollten wir über eine Aberkennung des Bundesverdienstkreuzes nachdenken." Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon rief Bundespräsident Joachim Gauck auf, die Entziehung der Auszeichnung "eingehend" zu prüfen.

Die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), sagte, sie sei überzeugt, dass der Fall Blatter "sich der aufmerksamen Beobachtung durch das Bundespräsidialamt sicher sein" könne. Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte der "Welt", er gehe davon aus, "dass die Berichterstattung über die Korruptionsvorwürfe bei der FIFA auch im Präsidialamt gelesen" werde.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

RusslandAbrechnung mit alter Heimat

Yuriy Gurzhy (l) und der Autor Wladimir Kaminer haben die Reihe Russendisko gegründet.

Handelsbeschränkungen hätten noch nie etwas zum Positiven in der Welt gewendet, kritisiert der russischstämmige Autor Wladimir Kaminer. Die Katastrophe in der Ukraine sei einer "Kette von politischen Fehlentscheidungen" Putins geschuldet.

SiemensEin Riese vor dem Umbau

Schild mit Aufschrift "Siemens" auf einem Gebäude

Siemens steht vor einem massiven Umbau. Vorstandschef Joe Kaeser will die Struktur des Industriekonzerns zerschlagen, das Unternehmen schlanker machen, das angekratzte Image aufbessern. Doch die Mitarbeiter sind verunsichert. Denn von dem Umbau sollen laut IG Metall Tausende Stellen betroffen sein.

Katharina Wagner"Kann ich nicht kommentieren"

Die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, bei einer Pressekonferenz vor Beginn der Bayreuther Festspiele im vergangenen Jahr.

Wie fast jedes Jahr sorgen die Bayreuther Festspiele für kontroverse Diskussionen. Die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt und reagiert gelassen auf persönliche Vorwürfe.

PolenStreit über Kulturboykott gegen Russland

Der polnische Premier Donald Tusk (r) und der damalige Ministerpräsident Russlands, Wladimir Putin, während einer Pressekonferenz am 1.9.2009

Die Absage des polnischen Kulturjahres 2015 in Russland hat in Polen eine Debatte über die Sinnhaftigkeit eines Kulturboykotts ausgelöst. Rechtskonservative zeigen sich mit dem Schritt zufrieden, linksliberale Kritiker sehen darin ein Eigentor der Polen.

Frage des TagesBringt das Netz den deutschen Antisemitismus ans Licht?

Ein Hakenkreuz und ein durchgestrichener Davidstern sind am 09.06.2013 an einer Gedenkstätte am Nordbahnhof in Berlin zu sehen.

In Online-Foren hierzulande sorgt der israelische Gazafeldzug für Aufregung. Artikel darüber werden heftig diskutiert, häufig gemischt mit Israel-Hass und Antisemitismus. Die Linguistin Monika Schwarz-Friesel erforscht das Phänomen.

DDR-MusikVon AG.Geige bis Zwitschermaschine

Die Schallplatte "Silly - Bataillon D'Amour" des VEB Deutsche Schallplatten Berlin "Amiga", erschienen 1986

Bands wie Karat, Silly oder Pankow sind auch heute noch vielen Menschen ein Begriff, auch einigen, die nicht in der DDR aufgewachsen sind. Wer es genauer wissen will, kann in Götz Hintzes "Rocklexikon der DDR" nachschlagen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Gazakonflikt: Kritik an Beschuss  von UNO-Schule | mehr

Kulturnachrichten

Reporter ohne Grenzen:  Russland behindert mit Internetgesetz Medien | mehr

Wissensnachrichten

Pilotprojekt  Briten können ab 2015 fahrerlose Autos testen | mehr