Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Blue Card soll ausländische Fachkräfte anlocken

Bundestag beschließt erleichterte Zuwanderung für Hochqualifizierte

Fachkräfte fehlen auch in den Naturwissenschaften (picture alliance / dpa / Jan-Peter Kasper)
Fachkräfte fehlen auch in den Naturwissenschaften (picture alliance / dpa / Jan-Peter Kasper)

Deutschland will die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland mit einer "Blue Card" erleichtern. Die Wirtschaft hofft, dass Deutschland nun für Hochqualifizierte attraktiver wird.

Der Bundestag hat mit den Stimmen der Koalition vereinfachte Zuzugsregelungen und niedrigere Verdienstgrenzen für ausländische Fachkräfte verabschiedet. Damit setzt Deutschland die Hochqualifizierten-Richtlinie der Europäischen Union um.

Für rund 60 Mangelberufe in den Sparten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik soll künftig eine Gehaltsschwelle von 33.000 Euro im Jahr gelten. Ansonsten dürfen Akademiker mit einem Gehalt von 44.000 Euro ohne Vorrangprüfung angeworben werden. Für sie gilt dann nach drei Arbeitsjahren eine unbefristete Niederlassungserlaubnis. Derzeit liegt diese Schwelle bei 67.200 Euro. Bei Jahreseinkommen von 48.000 Euro und darüber ist für die Zuwanderer von Anfang an ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht vorgesehen.

Die sogenannte Blue Card soll auch Hochschulabsolventen aus Nicht-EU-Ländern bessere Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt verschaffen. Studenten können nach den Fraktionsplänen künftig 120 ganze oder 240 halbe Tage einem Nebenjob nachgehen. Bisher liegt die Grenze bei 90 ganzen beziehungsweise 180 halben Tagen. Die Frist für die Suche nach einem Arbeitsplatz nach dem Studium soll für ausländische Studenten von zwölf auf 18 Monate hochgesetzt werden.

Opposition kritisiert Koalitions-Vorhaben

Inkrafttreten soll das Gesetz im Sommer. Allerdings muss der Bundesrat dem Gesetzentwurf noch zustimmen. Während die Koalition das Vorhaben als "Quantensprung" in der Zuwanderungspolitik lobte, kritisierten die Grünen das Vorhaben als unzureichend. SPD und Linke warfen der schwarz-gelben Koalition vor, die Gehaltsschwelle zu niedrig zu legen und Lohndrückerei Vorschub zu leisten. Ein Mindestgehalt von knapp 35.000 Euro für Berufe wie Ingenieure und Ärzte "bedeutet in diesen Branchen, auch für Berufseinsteiger, Lohndumping", sagte die SPD-Abgeordnete Daniela Kolbe.

Die Wirtschaft begrüßte die Absenkung der Gehaltsschwellen, die sie seit Jahren gefordert hatte. Aus Sicht der Arbeitgebervereinigung BDA sind die Änderungen im Zuwanderungsrecht und die niedrigeren Gehaltsgrenzen wichtig, um Deutschland für Hochqualifizierte aus aller Welt attraktiver zu machen und um die jahrelange «Abschottungskultur» zu beenden. Als Wermutstropfen kritisierte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) aber, dass die bisherige Sonderregelung für ein sofortiges Daueraufenthaltsrecht abgeschafft wird. Dies erhalten Hochqualifizierte nun erst nach drei Jahren, frühestens aber nach zwei Jahren bei Nachweis guter Deutschkenntnisse.

Mehr zum Thema:

Mit der Blue Card auf Fachkräftesuche - Was bringen die neuen EU-Regelungen für ausländische Studierende?
Ein spanischer Ingenieur im Schwabenland - Rekrutierungsprogramme sollen Fachkräftemangel lindern
Von jetzt an alles einfacher? -Neues Gesetz zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse
Portugiesen bauen auf Schwäbisch Hall -Die kleine Stadt wird zum großen Jobziel

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Weltzeit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

InternetkriminalitätDie Schattenwirtschaft

Sie sehen zwei Hände auf einer beleuchteten Tastatur im Dunklen. (picture-alliance / dpa / Silas Stein)

Über das "Darknet" werden online viele illegale Geschäfte abgewickelt. Georg Ungefuk von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main erläuterte im DLF, was das "Darknet" ist - und warum sich die Strafverfolgung mitunter als schwierig erweist.

Body ShamingWer hat Angst vorm weiblichen Geschlecht?

Eine Frauenhand sticht mit Zahnstochern in eine Voddoo-Puppe. (Imago / Paul von Stroheim)

Frauen werden oft für ihre Optik kritisiert, anstatt sich mit ihren Standpunkten auseinanderzusetzen. Besonders gern wird dabei von rechts nach links gepöbelt. Was dahinter steckt, weiß die Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach.

Neuer TerroranschlagWarum immer Frankreich?

In Nordfrankreich haben zwei Männer in einer Kirche einen Priester erstochen. Die französische Regierung vermutet einen islamistischen Hintergrund. Warum trifft der islamistische Terrorismus vor allem Frankreich?
      

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

US-Demokraten  Hillary Clinton offiziell als Präsidentschaftskandidatin nominiert | mehr

Kulturnachrichten

Geschichte der Bayreuther Festspiele vorgestellt  | mehr

Wissensnachrichten

Südseestaat Tonga  Statt Sonnen lieber Skifahren bei Olympia | mehr