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Blut-Handys: Der Rohstoff Tantal nährt Kriege

Serie "Industriemetalle – Achillesferse der deutschen Wirtschaft ?" Teil 4

Von Antje Diekhans

Soldaten in der ost-kongolesischen Stadt Bukavu (AP)
Soldaten in der ost-kongolesischen Stadt Bukavu (AP)

Mobiltelefone, Laptops, Digitalkameras enthalten Tantal. Ein Rohstoff, der auch Bürgerkrieg nährt. Im Osten des Kongos finanzieren sich mehrere Rebellenarmeen unter anderem aus dem Tantal-Verkauf. Doch es gibt Ansätze, die illegalen Handelswege auszutrocknen.

Eine Mine im Kongo. Mühselig schlagen Arbeiter Brocken für Brocken aus dem Gestein – auch Kinder sind unter ihnen. Sie suchen Coltan, ein Mischerz, aus dem das Metall Tantal gewonnen wird. Es ist ein wichtiger Rohstoff für die Elektronikbranche. In mehr als zwei Milliarden Handys weltweit ist Tantal verbaut, außerdem in Spielekonsolen, Laptops und Autoelektronik. Ein blühendes Geschäft, bei dem die Arbeiter in den Minen die Verlierer sind. Die Männer und Kinder schuften wie Sklaven, sagt der Kongolese Charles Chalondakwa:

"Sie buddeln praktisch nackt, es gibt keine Schutzkleidung, keine Helme, keine Handschuhe und als einziges Werkzeug Hammer und Meißel. Oft stürzen Minen ein und begraben Arbeiter unter der Erde. Überhaupt ist Atmen ein Problem: In den winzigen Stollen gibt es kaum Luft. Die Zustände sind unvorstellbar."

Chalondakwa arbeitet für die Vereinten Nationen, die den Osten des Landes befrieden wollen. Seit Jahrzehnten herrscht hier Bürgerkrieg; etwa eineinhalb Millionen Menschen flohen vor den ständigen Auseinandersetzungen. Nicht zuletzt der Handel mit Tantal hält den Konflikt am Laufen.

"Wer an den Verkäufen verdient, ist doch klar: Es sind die Kriegstreiber, die Kommandeure der Rebellengruppen und Politiker. Von den Erlösen werden Waffen gekauft. Diese Leute machen wirklich viel Profit."

Menschenrechtler sprechen in Anlehnung an die berüchtigten Diamanten aus Sierra Leone schon von Blut-Coltan beziehungsweise Blut-Tantal. Doch der Handel hat deswegen nicht nachgelassen. Etwa die Hälfte des auf dem Weltmarkt benötigten Tantals stammt aus Zentralafrika, vor allem aus dem Kongo. Zwar wird das Metall auch in Australien oder Brasilien gewonnen – doch hier kostet es mehr, sagt Gudrun Franken von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe:

"Die Produktion in Australien ist rund doppelt so teuer wie die Produktion in Afrika. Insofern kaufen natürlich Händler großteils in Afrika ein. Man könnte sich auch vorstellen, dass Tantal ersetzt werden kann. Das ist im Prinzip möglich, es gibt Kondensatoren aus Aluminium, aus Niob, aus Keramik. Allerdings sind die nicht ganz so leistungsfähig und im Prinzip ist Tantal im Moment in einigen auch besonders speziellen Anwendungen kaum zu ersetzen."

Auch deutsche Unternehmen verdienen am Tantal. Beispielsweise die H.C. Starck-Gruppe mit Sitz im niedersächsischen Goslar, die lange im Kongo aktiv war. Die Firmengruppe importiert inzwischen nur noch Tantal aus dem Nachbarland Ruanda.

Diese Handelswege sollen nun mit einem neuen Verfahren besser nachvollziehbar sein. Proben aus Minen wurden gesammelt, um Lieferungen mit ihnen zu vergleichen. So lässt sich feststellen, woher das Tantal stammt – und ob Blut an ihm klebt. In den USA ist ein ähnlicher Nachweis für Firmen, die Geschäfte mit dem Kongo machen, schon vorgeschrieben. In Deutschland sind die Überprüfungen noch freiwillig – Interesse daran haben meist nur die unmittelbaren Abnehmer, meint Gudrun Franken.

"Ein bisschen anders sieht es aus natürlich mit der Elektronik- und Autoindustrie, die sind ja relativ weit am Ende der Handelskette. Aber ich denke auch da sind im Moment Überlegungen im Gange: 'Wie können wir das auffangen?' Die haben auch jetzt Methoden entwickelt, wie sie ihre Lieferkette überprüfen können. Also ich denke, durch den internationalen Druck werden auch diese Unternehmen, selbst wenn es kein deutsches Gesetz gibt, sich beteiligen müssen, an dieser Nachverfolgbarkeit und Zertifizierungsinitiativen."

Für den Verbraucher gilt weiterhin: Das Blut am Tantal ist für ihn unsichtbar. Er kann kaum nachvollziehen, was in seinem Handy, der Spielekonsole oder im Auto verbaut ist. Bis die neuen Verfahren greifen, funktioniert die Elektronik darin wohl weiterhin häufig mit Tantal aus dem Kongo - abgebaut in mühseliger Handarbeit, Tag für Tag, vom frühesten Morgengrauen an.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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