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BND: Assad sind die Nerven durchgegangen

Weitere Hinweise zu Chemiewaffeneinsatz in Syrien

Die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Pullach bei München (AP)
Die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Pullach bei München (AP)

Immer mehr westliche Geheimdienste sehen in Präsident Baschar al-Assad den Schuldigen für den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Laut einem Medienbericht hat auch der deutsche Bundesnachrichtendienst entsprechende Informationen abgefangen.

Wie "Spiegel Online" berichtet, hat Bundesnachrichtendienst-Präsident Gerhard Schindler gestern ausgewählte Bundestagsabgeordnete in geheimer Sitzung über ein abgehörtes Telefonat zwischen einem Funktionär der libanesischen Hisbollah-Miliz mit der iranischen Botschaft unterrichtet. Dabei soll der Hisbollah-Vertreter gesagt haben, Assad seien die Nerven durchgegangen. Mit dem Befehl zum Giftgaseinsatz habe er jedoch einen Riesenfehler gemacht.

Ein Teilnehmer des halbstündigen Gesprächs zwischen Schindler und den Abgeordneten bestätigte den Bericht in der Tendenz gegenüber unserem Hauptstadtstudio, berichtet unsere Korrespondentin Gudula Geuther. Auch der Sicherheitsexperte und Leiter des Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik in Essen, Rolf Tophoven, sagte im Deutschlandfunk, er glaube, dass der BND in Damaskus und Beirut sehr gut aufgestellt sei. Der BND habe offenbar schlüssige Beweise und veritable Ergebnisse zutage gebracht.

Auch die französischen Geheimdienste zweifeln inzwischen nicht mehr an einer Täterschaft des Assad-Regimes. Laut einem Bericht, den die französische Regierung im Internet veröffentlicht hat, heißt es, "der Angriff vom 21. August kann nur vom Regime angeordnet und ausgeführt worden sein." Die Rede ist von einem "massiven und koordinierten" Einsatz von Chemiewaffen "gegen die Zivilbevölkerung". Den Rebellen würden dazu "Erfahrung und Wissen" fehlen. Frankreichs Regierungschef Jean-Marc Ayrault sagte angesichts des Geheimdienstberichts, "dieser Akt kann nicht ohne Antwort bleiben."

Assad warnt den Westen vor einem möglichen Angriff

Frankreichs Staatschef Francois Hollande versucht nach den Worten Ayraults bereits, "so schnell wie möglich eine Koalition" für ein gemeinsames Vorgehen gegen die syrische Führung zu bilden. Das Parlament in Paris soll am Mittwoch über eine mögliche Intervention in Syrien beraten. Ayrault betonte jedoch, es werde keine Abstimmung über einen Einsatz geben. In Frankreich entscheidet laut Verfassung einzig der Präsident über solche Militäreinsätze.

Syriens Präsident Baschar al-Assad hat Frankreich im Fall eines Militärschlags mit Konsequenzen gedroht. In einem vorab veröffentlichten Interview der Zeitung "Le Figaro" kündigte er negative Folgen an, sollte sich Paris zu einem Einsatz entschließen. Der Nahe Osten sei ein Pulverfass. "Alle werden die Kontrolle über die Lage verlieren, sobald das Pulverfass hochgeht", warnte Assad. Jeder der zur finanziellen oder militärischen Stärkung von Terroristen beitrage, werde zum Feind des syrischen Volkes, drohte Assad und bezog sich damit auf Frankreichs Unterstützung der syrischen Oppositionstruppen seit Beginn des Aufstandes vor zweieinhalb Jahren.

Obama wirbt für seinen Syrien-Kurs

US-Präsident Barack Obama bemüht sich unterdessen in Washington um Unterstützung für seinen Syrien-Kurs. So habe er mit mehreren Mitgliedern von Senat und Repräsentantenhaus telefonisch darüber gesprochen. Bei einem Geheimtreffen sollen seine Sicherheitsberater den Abgeordneten Geheimdienstinformationen zu Syrien erläutert haben.

Die Ankündigung Obamas, vor einer Intervention die Zustimmung des Kongresses einzuholen, war international mit Überraschung aufgenommen worden. Der Oppositionsverterter Sadiqu al-Mousllie, der in Deutschland lebt und Mitglied des Syrischen Nationalrats ist, sagte im Deutschlandfunk, der Streit über die Fehler, die in der Vergangenheit bei den Militäreinsätzen im Irak und Afghanistan begangen worden seien, würden nun auf dem Rücken den Syrer ausgetragen. Jeder Tag des Zögerns koste die syrische Bevölkerung aber hunderte Menschenleben. Mousllie betonte zugleich, ein militärisches Eingreifen könne die Anhänger von Staatschef Assad weiter mobilisieren, wenn es nicht effektiv ausfalle. Der Militärschlag solle mit der bewaffneten Opposition in Syrien koordiniert werden.

Mehr zum Thema bei dradio.de:

Sturz des Regimes würde Syrien in einen vertieften Bürgerkrieg stürzen"- Nahostexperte fordert politische Lösung
"Viele Syrer sind für den Angriff, ich bin dagegen" - Schriftsteller Rafik Schami zur Situation in seinem Heimatland Syrien

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

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