Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

BND soll Assad-Regime belauschen

Marineschiff vor syrischer Küste auf Aufklärungsmission

Flottendienstboot "Oker" der Marine auf Aufklärungsmission (dpa / Marine)
Flottendienstboot "Oker" der Marine auf Aufklärungsmission (dpa / Marine)

Der deutsche Geheimdienst soll laut einem Zeitungsbericht Aufständische in Syrien mit Informationen über die Regierungstruppen versorgen. Offiziell heißt es, vor der Küste Syriens und des Libanons im östlichen Mittelmeer ist ein deutsches Aufklärungsschiff im Einsatz.

Seit Wochen tobt in Syrien ein Bürgerkrieg zwischen Armee und Aufständischen. Die Opposition hat seit Beginn des Arabischen Frühlings zum Ziel, Präsident Baschar al-Assad zu stürzen. Daran beteiligt sich nach Informationen der "Bild am Sonntag" auch der deutsche Geheimdienst.

Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte den Einsatz eines Marineschiffs "in internationalen Gewässern im östlichen Mittelmeer". Es sei "richtig, dass sich ein Schiff derzeit zu einem mehrmonatigen Einsatz in der Region befindet", sagte ein Ministeriumssprecher. Es handele sich jedoch nicht um ein Spionageboot, betonte der Sprecher. Es diene vielmehr der Informationsbeschaffung. Laut Verteidigungsministerium liegt das Flottendienstboot "Oker" momentan im Hafen von Cagliari auf Sardinien, um neue Versorgungsgüter zu laden. "Zu operativen Einzelheiten des aktuellen Einsatzes werden grundsätzlich keine Auskünfte erteilt", sagte der Sprecher.

Der Einsatz ist laut Verteidigungsministerium durch bestehende Bundestagsmandate gedeckt. Dazu gehört auch jenes für die UN-Beobachtermission vor dem Libanon (UNIFIL). In dem Nachbarland Syriens soll der Waffenhandel unterbunden werden. Zudem sind deutsche Schiffe an der ständigen NATO-Flotte im Mittelmeer beteiligt.

BND-Informationen für syrische Rebellen?

Das Schiff unterstützt dem Zeitungsbericht zufolge die Aufständischen in Syrien. Das Flottendienstboot kreuzt demnach vor der syrischen Küste, um die dortigen Rebellen für ihren Kampf gegen die Truppen von Machthaber Assad gezielt mit Informationen zu versorgen. An Bord des Schiffes soll Aufklärungstechnik des Bundesnachrichtendienstes (BND) sein, mit der sich Truppenbewegungen bis zu 600 Kilometer tief in Syrien beobachten lassen. Die gesammelten Erkenntnisse über Militäraktionen der Assad-Armee werden an US- und britische Geheimdienste weitergegeben. Von dort aus gelangten auch Informationen an die syrische Befreiungsarmee, hieß es.

BND-Agent "stolz" auf Hilfe zum Sturz Assads

Blick auf den Eingang der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes am 17.Oktober 2003 in Pullach bei München (AP)Blick auf den Eingang der BND-Zentrale in Pullach bei München (AP)Die Zeitung zitiert einen BND-Agenten über die Mission mit den Worten: "Wir können stolz darauf sein, welchen wichtigen Beitrag wir zum Sturz des Assad-Regimes leisten." Ein US-Geheimdienstler sagte dem Blatt, "kein westlicher Geheimdienst hat so gute Quellen in Syrien wie der BND".

Nach Informationen der Zeitung sind zudem BND-Agenten im türkischen NATO-Stützpunkt in Adana stationiert. Von dort aus hörten sie Telefonate und den Funkverkehr aus Syrien ab. Daneben werde der informelle Kontakt zu Quellen im direkten Umfeld des Assad-Regimes gehalten.

BND-Chef Gerhard Schindler hatte Mitte August ein baldiges Aus für die syrische Führung vorhergesagt. "Es gibt viele Anhaltspunkte dafür, dass die Endphase des Regimes begonnen hat", hatte Schindler der Zeitung "Die Welt" gesagt. Die Strategie der Rebellen, "eine Art Guerillataktik", zermürbe zunehmend die Armee. Über einen ähnlichen Einsatz des Flottendienstbootes "Alster" hatte das Magazin "Der Spiegel" Anfang des Jahres berichtet.

In der arabischen Welt wird Syriens Führung zunehmend isoliert. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit hatte Syriens Mitgliedschaft in der Gemeinschaft vorläufig ausgesetzt.

Proteste gegen Assad

Präsident Assad in einer Moschee in Damaskus (picture alliance / dpa / Sana)Präsident Assad in einer Moschee in Damaskus (picture alliance / dpa / Sana)Aus Syrien gibt es unterdessen Berichte über Massenproteste. Zu Beginn der dreitägigen Feierlichkeiten zum Abschluss des islamischen Fastenmonats Ramadan protestieren tausende Menschen gegen die Regierung in Moscheen und auf Friedhöfen. Auf Videoaufnahmen, die Aktivisten ins Internet stellten, war zu sehen, wie zahlreiche Gläubige in einer Moschee in Damaskus rufen: "Es gibt keinen Gott außer Allah und Assad ist der Feind Gottes".

Der Präsident zeigte sich erstmals seit einem Monat wieder in der Öffentlichkeit. Er war im Staatsfernsehen beim Gebet neben dem Mufti des Landes in einer Moschee der Hauptstadt zu sehen.

Leichen nahe Damaskus entdeckt

Die syrische Stadt Asas nach dem Abwurf zweier Fliegerbomben (picture alliance / dpa / Anne-Beatrice Clasmann)Die syrische Stadt Asas nach dem Abwurf zweier Fliegerbomben (picture alliance / dpa / Anne-Beatrice Clasmann)Das Blutvergießen geht derweil weiter. Nahe der Hauptstadt Damaskus wurden Aktivisten zufolge 40 Leichen entdeckt. Alle 40 seien Schussverletzungen erlegen, ihre Identität und die Täter seien nicht bekannt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit. In dem Ort hatte es zuletzt schwere Kämpfe gegeben. Vor wenigen Tagen hatten die Regierungstruppen das Gebiet wieder unter ihre Kontrolle gebracht.

Nahe der Grenze zur Türkei bombardierte ein syrisches Kampfflugzeug eine teilweise von Regimegegnern kontrollierte Kleinstadt. Acht Menschen seien bei dem Luftangriff auf Manbedsch getötet und mindestens 20 verletzt worden, hieß es. Wenige Stunden zuvor begrüßte die syrische Regierung die Ernennung des ehemaligen algerischen Außenministers Lakhdar Brahimi zum neuen Sondergesandten der UN und Arabischen Liga für Syrien. Dieser warnt die Welt vor einer Militärintervention.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Entdeckertag

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Brexit-Rede in Florenz"Theresa May will sich Zeit kaufen"

Die britische Premierministerin Theresa May verlässt ihren Amtssitz 10 Downing Street in London. (PA Wire /dpa /Stefan Rousseau)

Die britische Premierministerin Theresa May will heute eine Grundsatz-Rede über den Brexit halten. Erwartet wird, dass sie einen schrittweisen Austritt anbietet. "Für sie ist erst mal wichtig, dass wir etwas Zeit erkaufen als Briten", sagte Wera Hobhouse, britische Abgeordnete der Liberalen, im Dlf.

Vor 100 Jahren geborenHenry Ries - Fotograf der deutschen Nachkriegszeit

Eine Frau geht durch die Ausstellung des Fotojournalisten Henry Ries im Deutschen Historischen Museum in Berlin. (AFP / Barbara Sax)

Mit seinen Bildern von der Berliner Blockade 1947/48 wurde Henry Ries weltberühmt. Der jüdische Fotograf wurde vor 100 Jahren in Berlin geboren, musste dann aber nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in die USA fliehen. Während dort auch sein übriges Werk gewürdigt wurde, ist es in Deutschland bis heute kaum bekannt.

Wahlkampfreden von Literaten"Wir haben hierzulande keinen Widerpart mehr"

Ingo Schulze (Deutschlandradio / Jana Demnitz)

Autoren halten Wahlkampfreden fiktiver oder realer Figuren. Heute: Ingo Schulze. Der Autor lässt einen dankbaren aber besorgten Aktionärsvertreter zu Seinesgleichen sprechen.

Berlin vor Tegel-Referendum"Lasst diesen Flughafen offen"

Ein Flugzeug der Bundesregierung startet auf dem Flughafen Tegel in Berlin (dpa / picture-alliance / Rainer Jensen)

Am 24. September stimmen die Berliner darüber ab, ob der Flughafen Tegel geöffnet bleiben soll. Mit ihrem Votum könnten die Bürger einen politischen Aufrag erteilen, sagte Sebastian Czaja, FDP-Fraktionschef in Berlin, im Dlf. Er hält Investitionen in Tegel für sinnvoll. Dafür sprächen viele Argumente.

Start unter neuer Intendanz am Berliner Ensemble"Caligula" als Motorsäge schwingende Tyrannin

"Caligula" von Albert Camus am Berliner Ensemble in der Regie von Antú Romero Nunes. Mit Constanze Becker (als Caligula, rechts), Patrick Güldenberg, Oliver Kraushaar, Annika Meier, Felix Rech und Aljoscha Stadelmann. (picture alliance / Wolfgang Kumm/dpa)

Ein Stück über einen Diktator: Mit "Caligula" von Albert Camus eröffnet das Berliner Ensemble die erste Spielzeit unter dem neuen Intendanten Oliver Reese. Mit großem Jubel feierte das Premierenpublikum vor allem die Hauptdarstellerin Constanze Becker in der Rolle des Tyrannen.

Türkisch-syrisches KampfgebietChristen wollen ihre antiken Kirchen retten

Das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel im ostanatolischen Tur Abdin auf einem Hügel (imago stock&people)

Bald könnte es im Nahen Osten weniger Christen als Kirchen geben, denn viele fliehen in alle Welt. Aber es gibt auch Männer wie Daniel, der sich um die frühchristliche Jakobskirche in Nisibis, heute Nusaybin, kümmert. Der Ort liegt im Kampfgebiet von Türken und Kurden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Frankreich  Arbeitsmarktreform beschlossen - Macron unterzeichnet Verordnungen | mehr

Kulturnachrichten

1,4 Millionen mehr für ostdeutsche Kultureinrichtungen  | mehr

 

| mehr