Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Börsentalfahrt geht weiter

DAX sinkt auf unter 6000 Punkte

DAX-Kurve am Mittag des 8. August 2011 (www.boerse-frankfurt.de)
DAX-Kurve am Mittag des 8. August 2011 (www.boerse-frankfurt.de)

Die Börsen in Asien sind mit Kursverlusten in den Tag gestartet, auch der deutsche Aktienindex DAX sank auf unter 6000 Punkte. Zwar fiel auch der Dow Jones-Index um 2,2 Prozent, zum befürchteten Crash kam es jedoch bisher nicht. Die Europäische Zentralbank kauft nun italienische und spanische Staatsanleihen auf.

In der Nacht von Freitag auf Samstag hatte die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit der USA auf AA+ herabgestuft. Erste negative Börsenauswirkungen hätten sich somit erstmals am heutigen Montag zeigen können. Das US-Finanzministerium führt die Herabstufung indes auf einen Rechenfehler von Standard & Poor's zurück. Die Ratingagentur habe sich bei der Bewertung um zwei Billionen Dollar verrechnet, so das Ministerium.

DAX fällt auf unter 6000 Punkte

Die Situation an den Finanzmärkten bleibt dennoch bedrohlich: In Frankfurt verzeichnete der Leitindex DAX ein Elf-Monats-Tief und büßte zwischenzeitlich fünf Prozent ein. Damit fiel er auf unter 6000 Punkte.

Der griechische Index fiel gar um 4,5 Prozent. Mit einem Minus von 2,2 Prozent schloss der japanische Nikkei. Zum Auftakt des Handels an der New Yorker Wall Street sank auch der Dow Jones-Index um 2,2 Prozent. Zwar scheint sich die italienische Börse von ihrem Tief in der vergangenen Woche leicht zu erholen, aber auch dort steht der Index weiterhin im Negativbereich.

Bereits am Freitag hatte Regierungschef Silvio Berlusconi schnellere Schritte gegen die Schuldenkrise angekündigt. Ebenfalls an diesem Tag hatte die Europäische Zentralbank nach einem Krisentreffen angekündigt, weitere Staatsanleihen von bedrängten Eurostaaten aufzukaufen, um die Schuldenkrise in Europa zu entschärfen. Um welche Länder es sich dabei handelt, sagte EZB-Chef Jean-Claude Trichet nicht - jedoch Frankreichs Finanzminister Francois Baroin: Spanien und Italien. Tatsächlich begann die EZB Kurz nach der heutigen Börsenöffnung damit, spanische und italienische Staatsanleihen aufzukaufen, um die Märkte zu stabilisieren.

Frank Schäffler, MdB (frank-schaeffler.de)Frank Schäffler sitzt für die FDP im Bundestag. (frank-schaeffler.de)Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler kritisierte die EZB im Interview mit dem Deutschlandfunk für diesen Schritt:

"Wenn die EZB quasi Staatsanleihen von Italien aufkauft, dann wird sie das nicht in kleinen Schritten tun, wie das bei Griechenland oder Portugal der Fall war, sondern dann wird sie ganz tief intervenieren und dann werden wir eine neue Stufe dieser Finanzkrise in Europa erleben. Und deshalb besorgt mich das sehr."

Er fordert, dass der Bundestag schnell über weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Euro berate und sprach sich für eine Sondersitzung noch in der Sommerpause aus.

Betriebswirt und Börsenkenner Pater Anselm Grün forderte von den Regierungen der Welt, den Finanzmarkt besser zu reglementieren. Gleichwohl riet er im Deutschlandfunk-Interview zu weniger Panik:

"Ich denke, alle diese Schwarzmalereien, die sagen mehr über den Schreiber aus als über die Realität der Welt. Da schreiben manche ihre Ängste einfach nach außen und meinen, das wäre die Objektivität."

"Nicht panisch verkaufen"

Die Deutschlandfunk-Wirtschaftsredakteurin Brigitte Scholtes rät privaten Anlegern, vor allem Ruhe zu bewahren und keine vorschnellen Aktienverkäufe zu tätigen. Die Herabstufung der US-Bonität betreffe deutsche Kleinanleger nur in bestimmten Fällen: Manche Lebensversicherungen investieren in amerikanische Staatsanleihen, ebenso einige Rentenfonds: In jenen Fällen könnte sich die Bonitätsabstufung also auch auf deutsche Kleinanleger auswirken, erklärt Scholtes.


Links zum Thema:

Interview mit dem Philosophen und Fondsmanager Georg von Wallwitz

Die Supermacht will Sprit sparen (Tagesthema bei DRadio Wissen)

Hintergrund vom 8. August 2011

Gespräch mit Felix Lincke aus dem Börsenstudio in Frankfurt (DRadio Wissen, Agenda)

Gespräch mit Wirtschaftsredakteurin Brigitte Scholtes

Interview mit FDP-Finanzexperte Frank Schäffler

Interview mit Börsenkenner Pater Anselm Grün

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 12:50 Uhr Internationale Presseschau

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:30 Uhr Schlaglichter

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Endlich Samstag

Aus unseren drei Programmen

Philosoph zur BundestagswahlWer taktisch wählt, handelt unverantwortlich

Eine Briefwählerin macht ein Kreuz auf einem Wahlzettel für die Bundestagswahl 2017.  (dpa / picture alliance / Sebastian Gollnow)

Am Sonntag wird gewählt, und es gibt viele, die noch unentschieden sind und sich fragen: Soll man das Kreuz auf dem Wahlschein getreu seiner Überzeugung machen – oder strategisch vorgehen? Für den Philosophen Dieter Thomä liegt die Antwort auf der Hand: Wer taktisch wählt, handelt fahrlässig.

Gemeinsam starkSammelklagen in Europa

Justitia, die Symbolfigur der Gerechtigkeit vor der europäischen Flagge (imago/Westend61)

In Deutschland haben Verbraucher bisher kaum Möglichkeiten, ihr Recht gegenüber Großkonzernen geltend zu machen. Allerdings werden entsprechende Verfahren gerade diskutiert. In Frankreich und Österreich ist man da weiter: Dort gibt es bereits Beispiele, die auch als Modell für eine deutsche Lösung dienen könnten.

Theresa Mays Brexit-Rede Der Anfang ist gemacht

Großbritanniens Premierministerin May in Florenz (22.9.17) (AFP PHOTO / POOL / Jeff J Mitchell)

Mit ihrer Grundsatzrede zum Brexit habe Premierministerin Theresa May den Hardlinern in ihrem Land einiges zugemutet, kommentiert Friedbert Meurer. Der Brexit werde faktisch um zwei Jahre verschoben. Wie es danach weitergehe, sei zwar noch unklar, aber deshalb sollte Brüssel den Briten jetzt nicht die kalte Schulter zeigen.

Protest gegen Stahlkonzern-FusionAus Angst wird Wut

Mitarbeiter von Thyssenkrupp demonstrieren am 22.09.2017 in Bochum (Nordrhein-Westfalen) vor einem Werkstor. (dpa /Marcel Kusch)

Die Fusion der Stahlkonzerne ThyssenKrupp und Tata Steel stößt bei den deutschen Beschäftigten auf deutlichen Widerstand. Sie fühlen sich vom Vorstand hintergangen. Dabei ist die Frage, wie es in Zukunft um ihre Arbeitsplätze steht, nur ein Grund für die Proteste, zu denen sich Tausende in Bochum versammelten.

Wahlkampfreden von Literaten"Wir haben hierzulande keinen Widerpart mehr"

Ingo Schulze (Deutschlandradio / Jana Demnitz)

Autoren halten Wahlkampfreden fiktiver oder realer Figuren. Heute: Ingo Schulze. Der Autor lässt einen dankbaren aber besorgten Aktionärsvertreter zu Seinesgleichen sprechen.

Nick Cave wird 60Arbeitstier im schwarzen Anzug

Der australische Sänger Nick Cave mit seiner Band "Nick Cave and the Bad Seeds" 2013 während eines Konzerts in Wien (picture alliance / dpa / Herbert P. Oczeret)

Schauspieler, Songwriter, düsterer Romantiker, Literat und bestgekleideter Mann im Musikgeschäft: Nick Cave hat viele Gesichter, die ein mystisches Gesamtbild ergeben. Wer steckt hinter der Fassade? Wir haben ihn aus Anlass seines 60. Geburtstags in seinem Büro besucht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Wahlkampf  Parteien werben auf Abschlusskundgebungen | mehr

Kulturnachrichten

Tank mit 750 Litern Urin in New Yorker Galerie  | mehr

 

| mehr