Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Breites Bündnis ruft nach neuen NSA-Enthüllungen zur Demo in Berlin auf

Berichte über Ausspähen verschlüsselter Informationen durch US-Geheimdienst sorgen für Empörung

Haben Geheimdienste ungehinderten Zugriff auf die internationale Internetkommunikation? (Stock.XCHNG / Steve Woods)
Haben Geheimdienste ungehinderten Zugriff auf die internationale Internetkommunikation? (Stock.XCHNG / Steve Woods)

Emails verschicken. Online-Banking. Eine sichere Angelegenheit, dachten bislang viele. Doch laut "Guardian" und "New York Times" hat die NSA die Verschlüsselungen vieler Programme geknackt. Die immer neuen Enthüllungen sorgen für immer mehr Spannungen - weltweit.

<p>In Deutschland haben mehrere Oppositionsparteien, Gewerkschaften und Bürgerrechtsgruppen anlässlich der jüngsten Berichte über die Entschlüsselungsprogramme des US-Geheimdienstes NSA zur Teilnahme an der Demonstration unter dem Motto "Freiheit statt Angst" für heute in Berlin aufgerufen. <br /><br />"Ein starkes Zeichen für Bürgerrechte" sei wahrscheinlich noch nie so wichtig gewesen wie jetzt, erklärte die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, in Berlin. Die Organisatoren der Protestveranstaltung für einen besseren Datenschutz rechnen nach Angaben einer Sprecherin mit mehreren 10.000 Teilnehmern.<br /><br /></p><p><strong>"Bundesregierung sitzt Probleme aus"</strong></p><p>Auch die Linke und die Piratenpartei riefen dazu auf, an der Demonstration teilzunehmen. "Die Bundesregierung hat seit Wochen nichts Besseres zu tun, als die massiven Grundrechtsverletzungen auszusitzen", erklärte die politische Geschäftsführerin der Piraten, Katharina Nocun.<br /><br /><div style="margin:0 10px 10px 0; padding: 1em; background-color: #BDCCD6; text-align:left"><b> Die NSA liest Emails oder Online-Banking mit</b><br /> <br />Was denken Sie über diese Nachricht? Diskutieren Sie mit auf der <papaya:link href="https:www.facebook.com/deutschlandfunk/posts/616489601715683" text="Deutschlandfunk-Facebook-Seite." title="Deutschlandfunk-Facebook-Seite." target="_blank" /></i></div>Der Grünen-Abgeordnete Constantin von Notz bezeichnete die Vorgänge als Kernschmelze der Rechtsstaatlichkeit. "Es bedeutet, dass sich die Befürchtung bewahrheitet, dass die Überwachung im Netz total ist", <a class="link_audio_beitrag" href=" http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/09/06/dlf_20130906_0825_3ee99a0e.mp3" title=" Interview Konstantin von Notz, netzpolitischer Sprecher B90/Grüne, zu NSA (MP3-Audio)"> sagte er Deutschlandfunk. </a> Zudem sieht er die Hauptverteidigungslinie der Bundesregierung in sich zusammenbrechen. Die Argumente, "es gäbe kein Problem und man möge sich selber schützen, sind nun als falsch und zynisch entlarvt." Kanzleramtsminister Ronald Pofalla hatte die NSA-Affäre jüngst für beendet erklärt. Am Freitag betonte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums, bei den neuesten Enthüllungen handele es sich um völlig unbewiesene Behauptungen.<br /><br /></p><p><strong>"Grundrechte müssen auch vor dem Ausland beschützt werden</strong></p><p>Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, rief Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Handeln auf. Frau Merkel müsse endlich anfangen, die Grundrechte auch vor Angriffen aus dem Ausland zu schützen. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gernot Erler, sieht in den jüngsten Entwicklungen eine "neue Dimension". "Die letzte Illusion geht verloren, dass man sich mit technischen Möglichkeiten schützen kann", <a class="link_audio_beitrag" href=" http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/09/06/dlf_20130906_0720_99217041.mp3" title="Interview Gernot Erler, SPD-Fraktionsvize und ehemaliger Staatssekretär im Auswärtigen Amt (MP3-Audio)"> sagte er im Deutschlandfunk. </a><br /><br /><papaya:media src="b222d913963740fb049b48ca2f7ef1f0" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff" popup="yes" />Brasiliens Regierungschefin Dilma Rousseff überlegt eine Reise nach Wasghington zu streichen. Über Twitter teilte sie mit, dass ihr Besuch in Washington davon abhänge, wie US-Präsident Barack Obama die politischen Gegebenheiten gestalte. Dieser habe ihr versprochen, die Spähaktivitäten bis Mittwoch zu erläutern. Ihre Reise ist für Ende Oktober angesetzt. Dabei soll es auch ein Staatsdiner geben – das einzige, das die US-Regierung für dieses Jahr geplant hat. Medienberichten zufolge sollen amerikanische Geheimdienste Rousseffs direkte Kommunikation belauscht haben.<br /><br /></p><p><strong>NSA knackt angeblich Verschlüsselungen im Internet</strong></p><p>Sie tragen Namen wie BitLocker, aborange Crypter und ClickCrypt, und sie werden millionenfach genutzt: Programme die E-Mails, Dokument und Online-Banking verschlüsseln sollen, sind nach Medienberichten von der NSA geknackt worden. Mit Hilfe von Supercomputern sei es dem US-Geheimdienst NSA und dem britischen GCHQ gelungen, die Mehrheit der bekannten Technologien zu entschlüsseln oder zu umgehen, heißt es in der <papaya:link href="http://www.nytimes.com/2013/09/06/us/nsa-foils-much-internet-encryption.html?hp&_r=0" text="&quot;New York Times&quot;" title="&quot;New York Times&quot;: &quot;N.S.A. Able to Foil Basic Safeguards of Privacy on Web&quot; (englischsprachiger Link)" target="_blank" /> und dem <papaya:link href="http://www.theguardian.com/world/2013/sep/05/nsa-gchq-encryption-codes-security" text="&quot;Guardian&quot;" title="&quot;The Guardian&quot;: &quot;NSA and GCHQ unlock privacy and security on the internet&quot; (englischsprachiger Link)" target="_blank" /> . Die Zeitungen berufen sich dabei auf Dokumente des <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="259871" text="Whistleblowers Edward Snowden." alternative_text="Whistleblowers Edward Snowden." /> <br /><br />Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/09/06/dlf_20130906_1242_b4894087.mp3" title="Interview mit Lars Klingbeil (MP3-Audio)">sagte im Deutschlandfunk</a>, er habe "keine Zweifel" an den neuesten Enthüllungen. Vergangene Veröffentlichungen Snowdens hätten dies gezeigt. Deshalb rate er jedem Bürger, misstrauisch zu sein. In Sachen Aufklärung sieht Klingbeil nun die "staatliche Seite" in der Pflicht. <br /><br /></p><p><strong>Reding: EU braucht Reform in Sachen Datenschutz</strong></p><p><papaya:media src="3d52f33a1b808bcf6838843f37bfbd56" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="EU-Justizkommissarin Viviane Reding" popup="yes" />EU-Justizkommissarin Viviane Reding forderte die Staaten der Europäischen Union auf, schnell eine wirksame Regelung für den Datenschutz zu verabschieden. "Auch die letzten Zweifler haben jetzt verstanden, dass mit unserem Schutz der Daten etwas nicht stimmt", erklärte Reding in Berlin. Mit jedem Tag werde die Gefahr größer, "dass andere vor uns handeln und auf globaler Ebene Datenschutzstandards setzen, die niedriger sind als unsere". Die EU-Kommissarin appellierte an die Staaten und an das EU-Parlament, noch vor den Europawahlen im Mai 2014 einer entsprechenden Reform zuzustimmen.<br /><br />Die NSA soll für das Knacken der Programme seit dem Jahr 2000 jährlich rund 250 Millionen Dollar ausgegeben haben. Das Geld sei unter anderem für den Bau von Großrechnern verwendet worden, heißt es in den Zeitungsberichten. Das NSA-Programm mit dem Codenamen Bullrun gehört demnach zu den größten Geheimnissen der Behörde. Nur sehr wenige Mitarbeiter hätten Zugang zu den Top-Secret-Informationen - und nur die Partnerbehörden in Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland wüssten davon.<br /><br /></p><p><strong>Auch Briten offenbar erfolgreich beim Code-Knacken</strong></p><p>Zudem sei durch Einflussnahme auf die Software-Industrie eine Vielzahl der Codierungen entschlüsselt oder umgangen worden. In Zusammenarbeit mit Herstellerfirmen seien Sicherheitslücken in Kryptoprogramme eingebaut worden, um der NSA einfacheren Zugriff auf Daten zu ermöglichen. Gängige Verschlüsselungstechniken seien für den Geheimdienst kein Hindernis mehr. <br /><br />Auch der britische Geheimdienst GCHQ sei beim Code-Knacken sehr erfolgreich. Seine Experten hätten es zuletzt besonders auf Ziele wie Google, Yahoo, Facebook und Microsoft abgesehen.<br /><br /></p><p><strong>Algorithmen zur Verschlüsselung</strong></p><p>In der Informationstechnologie wird Verschlüsselung eingesetzt, um vertrauliche Inhalte vor dem unbefugten Zugriff anderer zu schützen. Dabei werden Informationen mit Hilfe komplexer mathematischer Formeln verschlüsselt. Je länger ein solcher Schlüssel ist, desto mehr Sicherheit bietet er. Die sichersten Verschlüsselungen zu knacken, erfordert eine Rechenleistung, die selbst moderne Rechenzentren nicht bieten können.<br /><br /><br /><em>Mehr zum Thema auf dradio.de:</em><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="256892" text="Verschlüsselung im Netz wird populär" alternative_text="Verschlüsselung im Netz wird populär" />- Wie Internetnutzer auf die Überwachung reagieren <br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="243774" text="Lücken bei Internet-Verschlüsselungen" alternative_text="Lücken bei Internet-Verschlüsselungen" />- Computersicherheitsexperten sind zunehmend alarmiert</p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:17 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Spielraum

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Einstand

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Britische Kulturszene nach Brexit"Der richtige Kater kommt erst noch"

Ein Blick in die Ausstellung 'Michael Landy. Out of Order' in Basel (picture alliance / dpa - Georgios Kefalas)

Den heutigen Tag eins nach dem Brexit werde man nicht so schnell vergessen, sagte der Leiter des Victoria and Albert Museums in London, Martin Roth. Seine Mitarbeiter seien zum Teil in Tränen gewesen.

EU-Austritt Großbritanniens"Schotten könnten Unabhängigkeit vom Königreich verlangen"

Graham Watson, Vorsitzender der Liberalen-Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE) (imago stock & people)

In Schottland hat es beim Referendum eine große Mehrheit für den Verbleib in der EU gegeben. Wenn die Engländer nun auf den EU-Austritt bestünden, dann könnte es dazu kommen, dass es kein Vereinigtes Königreich mehr geben werde, sagte Graham Watson, britischer Abgeordneter der Liberaldemokraten im EU-Parlament, im DLF.

BayernVom Freistaat zum freien Staat?

Sogenannte "Schellenrührer" ziehen am beim Faschingstreiben in Mittenwald durch den Ort. Mit dem Lärm der großen Kuhglocken sollen nach altem Brauch die bösen Wintergeister ausgetrieben werden. (dpa / picture alliance /  Angelika Warmuth)

Bayern ist zwar nicht Großbritannien - doch für mehr Unabhängigkeit vom Bund sprechen sich rund 40 Prozent der Bayern aus. Folgt nach dem Brexit bald der bayerische Ausstieg?

Nach dem Brexit-Entscheid"Ein sehr bitteres English Breakfast"

Stadtbild von London (AFP / Rob Stothard)

"Ein schlechter Tag für Europa", "historisch", "ein politisches Erdbeben" - die Entscheidung der Briten, der EU den Rücken zuzukehren, bewegt die Menschen in Europa. Erste Reaktionen.

SelbststeuerungDie Auto-Autos kommen

Der Straßenverkehr steht vor einem Umbruch - mit Selbststeuerung.  (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Fahrzeuge handeln immer selbstständiger - mit Folgen für Fahrer, Umwelt und Gesellschaft. Der Straßenverkehr steht vor einem Umbruch. Nun wird versucht, die kleinen und großen Unwägbarkeiten dieses Wandels vorauszuahnen.

AlltagskunstSelfies ins Museum

Mädchen sitzt in ihrem Zimmer auf dem Boden und macht Selfies (imago / Felix Jason)

Selfies sind banal? Selfies sind Kunst! Ein renommiertes New Yorker Fotografiemuseum hat das endlich erkannt. Im International Center of Photography versöhnen sich die großen Fotografen mit den Social-Media-Fotos.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  Steinmeier: EU darf weder in Schockstarre noch in Aktionismus verfallen" | mehr

Kulturnachrichten

Brexit bereitet Studio Babelsberg Sorge  | mehr

Wissensnachrichten

Forschung  Antikörper gegen Zika und Dengue gefunden | mehr