Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Breivik erwähnt weitere "Zellen" im Ausland

Geständiger Attentäter will Kontakt zu Gleichgesinnten gehabt haben

Der mutmaßliche norwegische Attentäter Anders Behring Breivik in einem gepanzerten Polizeiwagen. (AP - Jon-Are Berg-Jacobsen)
Der mutmaßliche norwegische Attentäter Anders Behring Breivik in einem gepanzerten Polizeiwagen. (AP - Jon-Are Berg-Jacobsen)

Anders Behring Breivik sieht sich offenbar als Teil eines anti-islamischen Netzwerkes. Nach Angaben seines Anwalts spricht der mutmaßliche Attentäter von zwei Zellen in Norwegen und weiteren im Ausland. Die Justiz erwägt unterdessen, Breivik wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuklagen.

Der mutmaßliche Attentäter von Norwegen hat nach eigenen Angaben Verbindungen zu Gleichgesinnten im Ausland. Anders Behring Breivik habe erklärt, es gebe weitere Zellen außerhalb Norwegens, sagte sein Verteidiger Geir Lippestad. Weiter sagte Lippestad, er halte seinen Mandanten für geisteskrank und wolle damit auch vor Gericht argumentieren.

Die norwegischen Ermittler erwägen unterdessen, Breivik wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuklagen. In diesem Fall drohen dem mutmaßlichen Attentäter maximal 30 Jahre Haft. Zur Anwedung könnte hierbei Paragraf 102 des norwegischen Strafgesetzbuches kommen, der unter anderem die Verfolgung von Menschen aus politischen Gründen umfasst. Bislang hatten die Behörden die Tat als einen Terroranschlag eingestuft. Darauf steht in Norwegen eine Höchststrafe von 21 Jahren.

Breivik hat den Bombenanschlag im Zentrum Oslos und das Massaker auf der Insel Utoya gestanden. Nach jüngsten Erkenntnissen wurden dabei 76 Menschen getötet. Trotz des Geständnisses plädierte Breivik vor dem Untersuchungsgericht am Montag auf "nicht schuldig". Er habe ein "starkes Signal" geben und Norwegens sozialdemokratischer Partei größtmöglichen Schaden zufügen wollen, da sie für die Masseneinwanderung von Muslimen verantwortlich sei.

Gegen den 32-jährigen Breivik wurden acht Wochen Untersuchungshaft verhängt. Vier davon muss er in vollständiger Isolation verbringen, er darf keinen Besuch empfangen und keine Briefe schreiben oder erhalten.

Norweger trauern um die Toten der Anschläge (AP)Norweger trauern um die Toten der Anschläge (AP)Am Montagabend bekundeten Hunderttausende Norweger bei Trauerveranstaltungen ihre Anteilnahme mit den Angehörigen der Opfer. Allein in Oslo sollen 200.000 Menschen teilgenommen haben. Norwegens Kronprinz Haakon und Ministerpräsident Jens Stoltenberg riefen die Menschen zum Einsatz für Demokratie und Toleranz auf.

Norwegens Regierung verteidigt unterdessen die Polizei des Landes gegen Kritik. Justizminister Knut Storberget stellte sich demonstrativ hinter die Sicherheitskräfte, die Polizei habe ihre Aufgaben sehr gut erfüllt. Nach den Anschlägen waren Vorwürfe laut geworden, die Polizei habe zu lange gebraucht, um das Töten auf der Insel Utoya zu stoppen.


Mehr zum Thema bei dradio.de:

Angriff auf den skandinavischen Traum: Norwegen will auch künftig ein offenes Land bleiben

Der Schriftsteller Peter Henning analysiert die Norwegen-Attentate mit Blick auf die skandinavische Kriminalliteratur

Der Norwegische Politikwissenschaftler Stein Kuhnle über die möglichen Ursachen der Anschläge

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Kultur heute

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Tacheles

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

SprachforschungWhatsApp als Tagebuch der Postadoleszenz

Zwei Männer und ein Smartphone  (imago/Westend61)

Erst Party machen, dann prahlen. Der Sprachwissenschaftler Nils Uwe Bahlo hat sich die Kommunikation von jungen Männern genauer angeschaut und herausgefunden: Die letzte Partynacht wird im WhatsApp-Chat reflektiert.

SPD-Sonderparteitag"Es geht um die Frage der Existenz der Sozialdemokratie"

Rote Fahne der SPD im Wind auf dem Dach der Parteizentrale Willy-Brandt-Haus in Berlin. (imago / IPON)

"Es gibt Notwendigkeiten, sich zu erneuern als SPD, in der Regierung oder in der Opposition", so der SPD-Politiker Alexander Schweizer im Dlf. Es sei das "zentrale politische Projekt" der nächsten Jahre, dass die Sozialdemokratie attraktiver werde und ihre Glaubwürdigkeit wieder erreiche.

Die Irrationalität in der Ökonomie"Wir haben ein sexualisiertes, ein gläubiges Verhältnis zum Geld"

Auge mit Euo-Zeichen (imago/blickwinkel)

"Potente" Unternehmen "befriedigen" ihre Gläubiger – allein die Sprache mache deutlich, welche Rolle Sexualität und Religion in unserem Verhältnis zum Geld spielen, sagt der Philologe Jochen Hörisch. Auch die Wirtschaftswissenschaft sei höchst irrational.

GroKo – ja oder nein? Martin Schulz hat die SPD ins Abseits geführt

SPD-Bundesvorsitzender Martin Schulz (picture alliance/dpa/Foto: Michael Kappeler)

SPD-Chef Martin Schulz warnt die Genossen vor den Folgen eines Neins zur Großen Koalition. Doch der Riss innerhalb der SPD will nicht kleiner werden. Auch die Umfragewerte sinken. Alles keine guten Aussichten, meint Moritz Küpper.

Erfahrungen in den NiederlandenRekordverdächtig lange ohne Regierung

Der Schriftzug "Alles komt goed" (deutsch: Alles wird gut) ist vor dem niederländischen Parlamentsgebäude in Den Haag zu sehen.  (picture-alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

In Deutschland ist es die längste Regierungsbildung der Geschichte. Im europäischen Ausland dagegen kennt man sich damit schon besser aus. Rekordhalter ist Belgien, aber auch die Niederlande haben ihre Erfahrungen in dem Bereich gesammelt – zuletzt sieben Monate lang.

Tagebücher verfolgter JudenSo tragisch, so literarisch wie bei Anne Frank

Ein Foto von Anne Frank, entstanden um das Jahr 1941. Anne Frank war damals ungefähr 11 Jahre alt. (picture-alliance / dpa / Anne Frank Fonds Basel)

Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den bekanntesten Zeugnissen verfolgter Juden im Nationalsozialismus. Doch neben ihr schrieben Hunderte anderer junger Juden über ihre Erlebnisse.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Drei Michelin-Sterne  Französischer Koch Paul Bocuse gestorben | mehr

Kulturnachrichten

Facebook: Nutzer entscheiden über Medienqualität | mehr

 

| mehr