Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Breivik zu 21 Jahren Haft verurteilt

Norwegischer Massenmörder zurechnungsfähig

Breivik bei seiner Ankunft im Gerichtssaal in Oslo (picture alliance / dpa / Heiko Junge / Pool)
Breivik bei seiner Ankunft im Gerichtssaal in Oslo (picture alliance / dpa / Heiko Junge / Pool)

Der Attentäter Anders Behring Breivik ist vor Gericht für zurechnungsfähig erklärt worden. Die Richter verhängten die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Die Entscheidung der Osloer Richter fiel einstimmig.

Nach Ablauf der Strafe könnte die Justiz unbegrenzt eine Haftverlängerung von jeweils maximal fünf Jahren beschließen. Eine lebenslange Haft gibt es in Norwegen nicht mehr.

Die Anwälte der Opfer haben sich zufrieden mit dem Urteil gezeigt: "Dass Breivik für zurechnungsfähig erklärt wurde, ermöglicht den Familien, mit dem Geschehenen abzuschließen". "Er ist verurteilt, und niemand kann etwas anderes behaupten", sagte Emma Martinovic, die das Massaker auf der Insel überlebte.

Nach dem Urteil gegen den norwegischen Attentäter Breivik wird die Staatsanwaltschaft nicht in Berufung gehen. Die Beweisführung sei gründlich gewesen, teilte die Behörde in Oslo mit. Es gebe daher keinen Grund, den Fall weiterzutragen. Da zuvor bereits Breivik selbst angekündigt hatte, das Urteil nicht anzufechten, kann die Entscheidung jetzt rechtskräftig werden.

Breivik spricht von Notwehr

Geir Lippestad, Anwalt des geständigen Attentäter von Norwegen, Anders Behring Breivik, trifft am 16. April 2012 vor dem Osloer Gerichtsgebäude ein - dem Prozessauftakt. (picture alliance / dpa)Breiviks Anwalt: Keine Berufung (picture alliance / dpa)Die Richter hatten Breivik wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes zur Höchststrafe von 21 Jahren Haft verurteilt. Anschließend soll er in Sicherungsverwahrung bleiben. Er hat gestanden, am 22. Juli 2011 bei einem Bombenanschlag in Oslo und dem anschließenden Massaker auf der Insel Utöya an den Teilnehmern eines Jugendsommerlagers der Arbeiterpartei insgesamt 77 Menschen getötet zu haben. Dennoch plädierte er in seinem Schlusswort am 22. Juni auf Freispruch wegen "Notwehr", da er mit seinen "präventiven Angriffen" sein Volk, seine Kultur und sein Land vor einer Islamisierung habe bewahren wollen.

Die Frage der Zurechnungsfähigkeit war entscheidend

Im Fall einer Unzurechnungsfähigkeit wäre er zur psychiatrischen Behandlung in eine geschlossene Anstalt zwangseingewiesen worden, möglicherweise bis zum Ende seines Lebens. Breivik wollte um jeden Preis als zurechnungsfähig gelten, damit seine Ideen, die er auf mehr als 1500 Seiten in einem rassistischen "Manifest" darlegte, nicht als Wahnvorstellungen eines Geisteskranken abgestempelt werden.

Zunächst hatten Gutachter Breivik als Mann beschrieben, der eine paranoide Schizophrenie entwickelt habe und sich in einer Wahnwelt befinde. In einem zweiten Gutachten widersprachen Experten dieser Auffassung jedoch. Sie bescheinigten Breivik volle Zurechnungsfähigkeit und erklärten, dass er weder während der Tat noch anschließend psychotisch gewesen sei.

Der Attentäter hatte sich von Geir Lippestad als Anwalt vertreten lassen. Lippestad hatte bereits im Jahr 2002 in einem aufsehenerregenden Fall einen norwegischen Rechtsextremisten verteidigt.

Der norwegische Handels- und Industrieminister Trond Giske hat den Prozess gegen Breivik als gründliches und ordentliches Verfahren bezeichnet. Jeder habe gesehen, dass die Fakten auf den Tisch gekommen seien, nun habe das Gericht zu urteilen, sagte Giske im Deutschlandfunk. Der Minister war früher Vorsitzender der Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei. Diese hatte das Feriencamp auf der Insel Utöya veranstaltet, bei dem die meisten Opfer der Anschläge getötet wurden.

Nach dem Urteil hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) den Norwegern das "Mitgefühl Deutschlands" ausgesprochen. "Wir bewundern das norwegische Volk dafür, dass es auch in einer so schweren Zeit sich als freie und tolerante Gesellschaft behauptet hat", sagte Westerwelle bei seinem Besuch in Oslo.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Bioökonomie Der Kampf um die Böden

Ein Kanister mit Biokraftstoff steht in einem Feld in Bayern. (imago/Westend61)

Teller oder Tank - wofür soll auf den Äckern der Welt angebaut werden? Das sind Fragen, mit denen sich Bioökonomen befassen. Denn aus Pflanzen lässt sich nicht nur Nahrung machen, sondern beispielsweise auch Biosprit - ein Konflikt, angesichts der wachsenden Weltbevölkerung.

BeziehungskistenAbsturz eines Mannes

Paar im Sonnenuntergang am Strand (dpa / picture alliance / Zhang Jie) (dpa / picture alliance / Zhang Jie)

Der Niederländer Tommy Wieringa erzählt in "Eine schöne junge Frau" von einem erfolgreichen Virologen, der sich in eine Studentin verliebt. Die Schwierigkeiten beginnen, als sie ein Schreibaby bekommen.

Gesetz zur MietpreisbremseWas Mieter wissen sollten

Heute verabschiedet die Bundesregierung das Gesetz zur Mietpreisbremse: In Zukunft muss der Vermieter die Maklerprovision bezahlen. Außerdem dürfen neue Mieten für eine Wohnung nicht um mehr als 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen.

Solidaritätszuschlag"Kanzlerin ist wohl unter Druck geraten"

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD). (imago / Astrid Schmidhuber)

Die Union plant, den Solidaritätszuschlag ab 2020 schrittweise abzubauen. NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) meinte im DLF, die CDU wolle den Eindruck erwecken, sie plane, die Steuern zu senken. 

SteinzeiternährungDer Mensch ist, was er isst

Ein durchwachsenes, rohes Rindersteak, dekoriert mit einem Rosmarinzweig. (dpa / picture alliance / Marco Stirn)

Es gibt Menschen, die gönnen sich nur Lebensmittel, die es schon in der Steinzeit gab. Also Fleisch, Eier, Gemüse und Obst. Warum machen die das bloß, hat sich der Journalist Tiemo Rink gefragt.

Filmkritik zu "Still Alice"Die Kunst, Alzheimer zu spielen

Mitten in der Vorlesung fallen Professorin Dr. Alice Howland (Julianne Moore) in "Still Alice" auf einmal ein Wort nicht mehr ein, die ersten Anzeichen ihrer Erkrankung. (BSMStudio / Verleih Polyband)

Julianne Moore spielt in "Still Alice" eine an Alzheimer erkrankende Linguistik-Professorin. Ein Film, der Moore einen Oscar einbrachte - und eine immer noch gern verschwiegene Krankheit ins Licht rückt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EZB-Präsident Draghi:  Ankaufprogramm für Wertpapiere hat bereits jetzt positive Effekte | mehr

Kulturnachrichten

"Gift Horse": Hans Haacke-Skulptur in London enthüllt  | mehr

Wissensnachrichten

Zahlen  Frauen verdienen weniger als ihre Männer und sind selten im Vorstand | mehr