Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bremerhaven setzt auf Offshore

Die Region will von der Energiewende profitieren

Von Christina Selzer

Windräder und die Umspannstation des Offshore-Windparks "alpha ventus" in der Nordsee. (AP)
Windräder und die Umspannstation des Offshore-Windparks "alpha ventus" in der Nordsee. (AP)

In 20 Jahren sollen sich in der deutschen Nordsee etwa 4500 Windräder drehen. Die Region Bremerhaven will gut gerüstet sein, um sich ihren Anteil am Geschäft zu sichern. Sie will europäischer Marktführer werden, hat Produktionshallen und Forschungsinstitute eingerichtet.

Ein Besuch in Bremerhavens altem Fischereihafen zeigt, was sich in den vergangenen Jahren getan hat. Auf dem Areal entstehen riesige Produktionsanlagen für Offshore-Windenergie. In Hallen, die so groß wie Fußballstadien sind, werden Fundamente hergestellt, Rotorblätter und Turbinenhäuser zusammengeschweißt. Namhafte Windenergie-Produzenten wie Weserwind, Repower und Areva Wind, ein Tochterunternehmen des französischen Atomkonzerns Areva, haben sich hier niedergelassen. All das zeigt: Bremerhaven ist zu einem wichtigen Standort der Branche geworden. Ronny Meier von der Windenergieagentur, einem Branchenverband, zeigt auf die überdimensionalen Hallen:

"Wir sind im Herzen im südlichen Fischereihafen, wir haben hier die Rotorblattherstellung von Powerblades, da werden die großen Rotorblätter von 80 Metern Länge hergestellt. Auf der rechten Seite haben wir den Turbinenhersteller Repower, dahinter Areva, dahinter bekommen sie die großen Gondeln, und dahinter der Fundamentehersteller Weserwind, da bekommen sie tonnenschweren Stahlfundamente, auf denen dann die Anlagen in der Nordsee stehen werden."

Die Energiewende steht vor der Tür: In 20 Jahren sollen sich in der deutschen Nordsee rund 4500 Windräder drehen. Und Bremerhaven will gut gerüstet sein, um sich seinen Anteil am Geschäft zu sichern. Die Stadt an der Wesermündung soll europäischer Marktführer werden, so will es die Bremer Landesregierung, die vor zehn Jahren die Weichen dafür stellte. Inzwischen gibt es nicht nur die Produktionshallen, sondern auch Forschungsinstitute in Bremerhaven und Oldenburg. Ein Gesamtpaket, erklärt Ronny Meier:

"Das Besondere an der Region ist, dass sie einen kompletten Windpark bauen können. Sie bekommen hier die Fundamente, die Türme, die Rotorblätter, die Gondeln. Und wir haben die Logistik und die Hafenflächen. "

Dazu gehört auch der geplante Offshore-Terminal. Von dort aus könnten die Bauteile aus den Werkshallen direkt zu den Schiffen gebracht und verschifft werden. Denn das Konzept lautet: Zulieferindustrie und Hafen sollen an einem Ort sein. Wenn Ronny Meier vom Offshore-Standort spricht, dann spricht er immer von der gesamten Region, denn mit Cuxhaven und Emden zusammen will sich Bremerhaven als Zentrum für die Offshore-Industrie profilieren statt sich gegenseitig Konkurrenz zu machen. Die Konkurrenz sitzt im Ausland, betont auch Nils Schnorrenberger, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung:

"Wenn wir einen Wettbewerb sehen, dann sehen wir den mit der Ostküste Großbritanniens, mit Jütland, also mit der Westküste Dänemarks, und auch mit einigen Standorten am Ärmelkanal und da können wir nur gemeinsam auftreten als Unterweserregion."

Nils Schnorrenberger sieht Im Offshore-Sektor eine blühende Zukunft für Bremerhaven. Er half er mit, dutzende Unternehmen nach Bremerhaven zu holen. Nicht nur internationale Konzerne sondern auch kleine Ingenieurbüros, Firmen für Sicherheitstechnik und andere mittelständische Betriebe profitieren vom Boom der neuen Industrie:

"Die gesamte Region lebt von Offshore-Wind. Und es sind Arbeitsplätze auf allen Ebenen, das muss man auch sagen. Sie brauchen die Finanzierer, die Projektentwickler, das sind akademische Berufe. Aber wir brauchen auch die Schweißer, Monteure, Mechatroniker, Elektriker, die brauchen wir auch bei der Energiewende. Und auf allen Ebenen fehlt es an Personal."

Prognosen zufolge soll es in der Windenergie bis zum Jahr 2040 bis zu 16.000 neue Arbeitsplätze geben. In Bremerhaven, wo zurzeit etwa 1500 Menschen in der Windkraft arbeiten, setzt man auch darauf, dass dadurch wieder mehr Familien in die Stadt ziehen, die wegen der schwierigen Wirtschaftslage seit den 60er Jahren geschrumpft ist. Dennoch: Immer noch gehört die Arbeitslosenquote von fast 15 Prozent zu den höchsten in einer westdeutschen Stadt. Vom Boom der Offshore-Industrie werden nur die Qualifizierten profitieren. Das sei ein großes Problem, räumt der Bremerhavener Oberbürgermeister Melf Grantz ein:

"Das Problem ist, dass von den 8000 Arbeitslosen die meisten Langzeitarbeitslose sind. Das heißt von diesen 8000 haben 6000 weder einen Schulabschluss noch einen Berufsabschluss."

Dennoch: In Bremerhaven ist die Aufbruchstimmung spürbar.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:45 Uhr UEFA EURO 2016™

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Multimedia-ReportageGrimme Online Award für Deutschlandradio Kultur

Tausende Sizilianer zogen in den 1960er-Jahren nach Solingen, um dort zu arbeiten. Was wurde aus ihrem Heimatgefühl, was aus ihren Träumen? Darum geht es in der ausgezeichneten Multimedia-Reportage.

Der Grimme Online Award geht unter anderem an eine Multimedia-Reportage vom Deutschlandradio Kultur. "Trappeto-Solingen-Trappeto" erzählt von Zuwanderern aus Sizilien, die nach Solingen kamen.

EU-Austritt Großbritanniens"Schotten könnten Unabhängigkeit vom Königreich verlangen"

Graham Watson, Vorsitzender der Liberalen-Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE) (imago stock & people)

In Schottland hat es beim Referendum eine große Mehrheit für den Verbleib in der EU gegeben. Wenn die Engländer nun auf den EU-Austritt bestünden, dann könnte es dazu kommen, dass es kein Vereinigtes Königreich mehr geben werde, sagte Graham Watson, britischer Abgeordneter der Liberaldemokraten im EU-Parlament, im DLF.

BayernVom Freistaat zum freien Staat?

Sogenannte "Schellenrührer" ziehen am beim Faschingstreiben in Mittenwald durch den Ort. Mit dem Lärm der großen Kuhglocken sollen nach altem Brauch die bösen Wintergeister ausgetrieben werden. (dpa / picture alliance /  Angelika Warmuth)

Bayern ist zwar nicht Großbritannien - doch für mehr Unabhängigkeit vom Bund sprechen sich rund 40 Prozent der Bayern aus. Folgt nach dem Brexit bald der bayerische Ausstieg?

Nach dem Brexit-Entscheid"Ein sehr bitteres English Breakfast"

Stadtbild von London (AFP / Rob Stothard)

"Ein schlechter Tag für Europa", "historisch", "ein politisches Erdbeben" - die Entscheidung der Briten, der EU den Rücken zuzukehren, bewegt die Menschen in Europa. Erste Reaktionen.

SelbststeuerungDie Auto-Autos kommen

Der Straßenverkehr steht vor einem Umbruch - mit Selbststeuerung.  (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Fahrzeuge handeln immer selbstständiger - mit Folgen für Fahrer, Umwelt und Gesellschaft. Der Straßenverkehr steht vor einem Umbruch. Nun wird versucht, die kleinen und großen Unwägbarkeiten dieses Wandels vorauszuahnen.

AlltagskunstSelfies ins Museum

Mädchen sitzt in ihrem Zimmer auf dem Boden und macht Selfies (imago / Felix Jason)

Selfies sind banal? Selfies sind Kunst! Ein renommiertes New Yorker Fotografiemuseum hat das endlich erkannt. Im International Center of Photography versöhnen sich die großen Fotografen mit den Social-Media-Fotos.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  Steinmeier: EU darf weder in Schockstarre noch in Aktionismus verfallen" | mehr

Kulturnachrichten

Brexit bereitet Studio Babelsberg Sorge  | mehr

Wissensnachrichten

Forschung  Antikörper gegen Zika und Dengue gefunden | mehr