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Buback-Mord: Becker schweigt im Prozessauftakt

Suche nach Mörder von Generalbundesanwalt

Ein 1975 von der Polizei herausgegebenes Foto zeigt die frühere RAF-Terroristin Verena Becker. (AP)
Ein 1975 von der Polizei herausgegebenes Foto zeigt die frühere RAF-Terroristin Verena Becker. (AP)

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker hat ihre Aussage im Prozessauftakt um den Mordanschlag auf den früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback verweigert. Bis heute ist nicht geklärt, wer die tödlichen Schüsse vor 33 Jahren abgab.

Seine Mandantin wolle "weder zur Person noch zur Sache derzeit weitere Angaben machen", erklärte einer von Beckers Anwälten vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart.

Bei der Verlesung der Anklageschrift warf Bundesanwalt Walter Hemberger Becker vor, gemeinschaftlich mit anderen handelnd "aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch drei Menschen getötet zu haben".

Keine Zeit für Reue

Der Vorsitzende Richter Hermann Wieland verlas am Donnerstag Notizen der ehemaligen RAF-Terroristin, die sie am Jahrestag der Ermordung Siegfried Bubacks im April 2008 geschrieben hatte. Sie habe überlegt, ob sie für Buback beten solle; die "Zeit für Reue und Schuld ist noch nicht da", es sei "noch ein weiter Weg", zitierte Wieland aus den Notizen.

Wer erschoss Siegfried Buback?

Ein Ermittler untersucht am 7. April 1977 im Bundeskriminalamt in Wiesbaden das sichergestellte Motorrad, das bei der Ermordung des damaligen Generalbundesanwalts Siegfried Buback benutzt wurde. (AP)Ein Ermittler untersucht das sichergestellte Motorrad, das bei der Ermordung des damaligen Generalbundesanwalts Siegfried Buback benutzt wurde. (AP) Wer die tödlichen Schüsse auf Buback abfeuerte, ist bis heute ungeklärt. Christian Klar, Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt wurden in den 80er-Jahren unter anderem wegen gemeinschaftlichen Mordes an Buback und seinen Begleitern zu lebenslanger Haft verurteilt. Es blieben allerdings Zweifel, ob die drei Verurteilten tatsächlich auch diejenigen waren, die auf dem Motorrad, von dem aus die tödlichen Schüsse abgefeuert wurden, beziehungsweise in dem Fluchtauto gesessen hatten.

Becker ist wegen Mittäterschaft beim Mordanschlag auf Buback und zwei seiner Begleiter am 7. April 1977 in Karlsruhe angeklagt, obwohl die Bundesanwaltschaft nicht davon ausgeht, dass die damals 24-Jährige selbst am Tatort war. Laut Anklage soll Becker maßgeblich an der Planung für den Mordanschlag und der Verbreitung der Bekennerschreiben mitgewirkt haben.

Im Mai 1977 wurden Verena Becker und Günter Sonnenberg in Singen festgenommen. Bei der Festnahme setzten sich beide zur Wehr und schossen auf Polizisten. Nachdem beide überwältigt wurden, fand man im Wagen der beiden die Waffe, mit der Buback erschossen wurde. Wegen versuchten Mordes an sechs Polizisten wurden beide zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Verfahren gegen Sonnenberg wurde 1982 eingestellt, weil er wegen der Folgen eines Kopfschusses als nicht verhandlungsfähig galt.

Blick auf den Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses in Stuttgart-Stammheim (AP Archiv)Blick auf den Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses in Stuttgart-Stammheim (AP Archiv) Nach zwölf Jahren Haft in Stuttgart-Stammheim wurde Verena Becker von Bundespräsident Richard von Weizsäcker begnadigt. Sie sei in der Haft vom Terrorismus abgerückt, hieß es. Das Ermittlungsverfahren gegen sie wegen des Buback-Mordes wurde bereits am 31. März 1980 mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Am 30. November 1989 verließ sie das Gefängnis, genau an dem Tag, an dem die RAF ein Bombenattentat auf den Chef der Deutschen Bank Alfred Herrhausen verübte.

Wiederaufnahme des Falls

Im Juni 2008 leitete die Bundesanwaltschaft ein neues Ermittlungsverfahren gegen Becker ein. An einem damaligen Bekennerschreiben der RAF entdeckten die Ermittler im August 2009 DNA-Spuren von Becker. Nach der Verhaftung in Berlin gab der Bundesgerichtshof im Dezember 2009 einer Haftbeschwerde Beckers wegen fehlender Fluchtgefahr statt. Sie wurde aus der Untersuchungshaft entlassen.

Michael Buback hält Verena Becker für die Mörderin seines Vaters. Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts und Nebenkläger will im Laufe des Prozesses dafür Indizien präsentieren.

Die Nachfahren der Opfer oder der ehemaligen Terroristen geben sich mit Legenden nicht mehr zufrieden. Die Generation der Kinder hat akribisch die Aufgabe der Rekonstruktion übernommen, sagt Politikwissenschaftlerin Claire-Lise Buis Deutschlandradio Kultur.


Programmhinweis:
Mit dem Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker befasst sich auchDRadio Wissen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

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