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Bürger sollen mehr Strom sparen

Bundesumweltminister will so die Energieausgaben drücken

Strom soll teurer werden (picture alliance / dpa / Hans Wiedl)
Strom soll teurer werden (picture alliance / dpa / Hans Wiedl)

Im Kampf gegen steigende Strompreise setzt Bundesumweltminister Peter Altmaier auf die Bürger: Sie sollen Strom sparen und so ihren Energieverbrauch senken. Dazu will der CDU-Politiker die Energiesparberatung massiv ausweiten. Die Opposition kritisiert, dass die Privilegien der Industrie unangetastet bleiben.

Ein runder Tisch bei Umweltminister Altmaier einigte sich auf Energieberatungen für alle Bürger. Verbraucher bekämen so eine Möglichkeit, "dem Strompreis ein Schnippchen zu schlagen", so Altmeier. Einkommensschwachen Haushalten und älteren Menschen stellte Altmaier Hilfsangebote in Aussicht, die die Frage klären könnten, wie auch sie sich die Anschaffung energiesparsamer Geräte leisten könnten. Mit am Tisch saßen Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Kommunen und der Energiebranche sowie Verbraucherschützer.

Bundesumweltminister Peter Altmaier CDU (dpa / Marcus Brandt)Bundesumweltminister Peter Altmaier CDU (dpa / Marcus Brandt)Bisher sei nur etwa jeder zehnte Haushalt mit dem Angebot einer Energieberatung erreicht worden. Das sei zu wenig, um den Stromverbrauch bis 2020 um zehn Prozent zu senken. Das Umweltministerium wolle daher bestehende Angebote unterschiedlicher Organisationen wie etwa der Caritas ausweiten und dafür auch Geld in die Hand nehmen. Konkrete Vereinbarungen werde er nach einem zweiten Treffen im November vorstellen, sagte Altmaier.

Strompreise steigen 2013 deutlich

Strom wird im kommenden Jahr deutlich teurer. Davon geht die Bundesnetzagentur aus. So muss eine Familie mit vier Personen im kommenden Jahr mindestens 50 Euro mehr für Strom einkalkulieren. Ursache ist die Umlage für erneuerbare Energien. Wie hoch sie ist, geben die Stromkonzerne erst am kommenden Montag bekannt.

"Die Ökostromumlage wird für 2013 wohl über fünf Cent liegen", prognostizierte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Nicht nur die EEG-Umlage (EEG = Erneuerbare Energiengesetz) treibe die Stromrechnung nach oben, sagte Hohmann. Auch die Netzentgelte würden in Zukunft wegen der Investitionen in Stromleitungen höher ausfallen. Obwohl Strom an den Börsen billiger wird, ließen sich höhere Strompreise damit kaum vermeiden.

Grüne: Altmaier-Pläne nicht neu

Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) hat die geplante Ausweitung der Energieberatungen für Bürger als "Ablenkungsmanöver" bezeichnet. Fortschritte bei der Energieeffizienz in Deutschland werde es vor allem durch die energetische Gebäudesanierung geben, sagte er. Energieberatungen gebe es dagegen schon jetzt "auf allen Ebenen".

Bärbel Höhn, Grüne (dpa / Karlheinz Schindler)Bärbel Höhn, Grüne (dpa / Karlheinz Schindler)Auch Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn bezeichnete die Pläne des Ministers als "Scheinmanöver" und kritisierte in der "Passauer Neuen Presse" die weiterhin unangetasteten Sonderregeln für die energieintensive Industrieproduktion.

Union und FDP trieben die Strompreise der Verbraucher an, weil sie auch Hähnchenmäster und Rechenzentren von der Zahlung der Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien befreiten, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin, der von 1998 bis 2005 Bundesumweltminister war. "Rot-Grün hatte ursprünglich mal 400 Betriebe befreit. Unter Schwarz-Gelb ist das massiv ausgeweitet worden auf über 2000 Betriebe."

Paritätischer Wohlfahrtsverband warnt vor den Folgen für Arme

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, nannte es "naiv, die wachsende Armut durch steigende Energiekosten allein mit kostenlosen Energiespar-Beratungsangeboten lösen zu wollen". Ohne Ausgleich für Niedriglohn- oder Hartz-IV-Bezieher würden "schlicht noch mehr Menschen ihren Strom künftig nicht mehr bezahlen können", sagte Schneider im "Hamburger Abendblatt". Laut Mieter- und Verbraucherverbände wird die Stromrechnung deutlich höher ausfallen, als es die Bundesnetzagentur erwartet.

Fraunhofer-Institut wirbt für günstige Grundversorgung

Der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg, Eicke Weber, schlug im Deutschlandradio Kultur ein neues Strompreis-Tarifmodell vor. Die Grundversorgung mit Strom sollte für jeden Haushalt zu einem günstigen Preis angeboten werden. Alles was darüber hinaus gehe, solle deutlich teurer sein, um einen Anreiz zum Stromsparen zu setzen.

Ökonom: Großindustrie profitiert doppelt

Die Großindustrie müsse an den Kosten der Energiewende stärker beteiligt werden, sagte der Ökonom Uwe Leprich im Deutschlandradio Kultur. Die Hälfte des gesamten Industriestromverbrauchs sei entweder privilegiert oder völlig freigestellt von der Ökostromumlage. "Das kann man nicht mehr mit Wettbewerbsgründen rechtfertigen", sagte der Leiter des Saarbrücker Instituts für Zukunftsenergiesysteme.

"Die Großindustrie hat ja nicht nur eine weitgehende Befreiung von der Erneuerbaren-Energien-Umlage, sie profitiert auch von den sinkenden Strompreisen an der Börse. Durch die erneuerbaren Energien sinkt der Preis an der Börse - selbst seit Fukushima sind die Preise um rund zehn Prozent an der Börse gesunken, davon profitiert die Industrie unmittelbar, also insofern verstehe ich das zum Teil überhaupt nicht, warum da immer so stark gegen erneuerbare Energien sich aufgestellt wird."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

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