Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bund will Gorleben-Erkundung vorerst stoppen

Vorschlag soll Endlagersuche beschleunigen

Atomkraftgegner misstrauen dem Kompromissvorschlag (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
Atomkraftgegner misstrauen dem Kompromissvorschlag (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Im Streit um die Suche nach einem atomaren Endlager hat die Bundesregierung einen Kompromissvorschlag gemacht: Im Salzstock Gorleben sollen die Erkundungsarbeiten pausieren. Grüne und Atomkraftgegner reagierten ablehnend.

Das Umweltministerium in Berlin bestätigte einen Bericht der Süddeutschen Zeitung, nach dem die Arbeiten in Gorleben noch in diesem Jahr eingestellt werden sollen. Allerdings möchte Umweltminister Norbert Röttgen den niedersächsischen Salzstock für ein Forschungslabor offen halten. Außerdem sollen Erkundgsarbeiten für einen Vergleich mit anderen Endlager-Standorten erneut möglich sein.

Röttgen möchte nach eigenen Angaben Bewegung in die Diskussion um das Standortauswahlgesetz bringen, über das Bund und Länder seit vier Monaten diskutieren. "Jeder musste und muss dabei ein Stückweit über seinen Schatten springen," sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Der Süddeutschen Zeitung, sagte er, eine Einigung sei "in greifbarer Nähe". Die Gespräche waren zuletzt ins Stocken geraten; eine für nächste Woche angesetzte Kabinettssitzung zu dem Gesetz wurde abgesagt. Strittig ist vor allem, wie nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager gesucht wird.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag warfen Röttgen vor, nur eine "taktische Pause" bei der Gorleben-Erkundung einlegen zu wollen. Damit solle der Standort "dauerhaft im Spiel gehalten werden", erklärte Fraktionschef Stefan Wenzel. Atomkraftgegner bezeichneten die Idee als "Griff in die Trickkiste" und "vergifteten Vorschlag", der die Rolle des Salzstocks als Referenzstandort zementiere.

"Gefahr, dass wir Chance verpassen"

Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner begrüßte Röttgens Vorschlag. Allerdings könne das geplante Forschungslabor nur im Einvernehmen mit den Bürgern der Region eingerichtet werden, "weil sonst sicher gleich das Misstrauen mitschwingt, dass dort heimlich weiter diskutiert wird". Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung mahnte der FDP-Politiker eine schnelle Einigung über das Standortauswahlgesetz an. "Aber ich sehe die große Gefahr, dass wir die Chance verpassen," sagte Birkner. Der Kompromiss drohe dem Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen zum Opfer zu fallen, wo Röttgen als CDU-Spitzenkandidat antritt.

Mehr zu diesem Thema:
Umwelt und Verbraucher: Stopp in Gorleben? - Bundesregierung plant vorerst keine weitere Erkundung des Atommüll-Endlagers
Das Konzept der Rückholbarkeit für atomare Abfälle
Greenpeace-Gutachten will Gorleben ausklammern
Bürger sollen mehr Einblick bei Atomendlager-Suche bekommen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 11:30 Uhr Sonntagsspaziergang

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:30 Uhr Die Reportage

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Dein Sonntag

Aus unseren drei Programmen

Kultur des TodesWenn der Friedhof stirbt

Jahrhundertelang war er der einzige Ort, um die Toten zu bestatten. Doch allmählich stirbt der Friedhof selbst. Immer mehr Menschen finden ihn als letzte Ruhestätte zu teuer und die strengen Vorgaben nicht zeitgemäß. Sie lassen ihre Asche lieber übers Meer verstreuen, sich unter einem Baum beerdigen oder neben dem geliebten Haustier.

Soziologe Khosrokhavar über Terror in EuropaWarum der Dschihadismus weiter andauern wird

Der iranisch-französische Soziologe Farhad Khosrokhavar ist Studienleiter an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. (AFP / Damien Meyer)

Seit fast 30 Jahren erforscht Farhad Khosrokhavar das Phänomen der Radikalisierung unter Moslems. Europa werde das nächste Jahrzehnt mit dschihadistischem Terror leben müssen, ist sich der iranisch-französische Soziologe sicher.

Unruhen in IndienDie Wut der Jugend von Kaschmir

Jugendliche werfen Steine auf ein indisches Polizeiauto während der Unruhen in Srinagar, der Sommerhauptstadt des indischen Teils Kaschmirs. (picture alliance / dpa / Farooq Khan)

Seit dem 8. Juli gehören Tote und Verletzte zum traurigen Alltag im indischen Teil Kaschmirs. Damals erschossen Soldaten den Kämpfer Burhan Wani. In den Augen der indischen Regierung ein Terrorist, für viele Jugendliche ein Held und Märtyrer. Seitdem gehen seine Anhänger regelmäßig demonstrieren - doch immer seltener geht es dabei friedlich zu.

Holocaust-ZeitzeugeMax Mannheimer ist tot

Der Holocaust-Zeitzeuge Max Mannheimer (dpa / picture-alliance / Andreas Gebert)

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer ist im Alter von 96 Jahren in einer Münchner Klinik gestorben. Er galt als wichtige Stimme für die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden.

Yvonne Hofstetter: "Das Ende der Demokratie"Big Data in der Politik

Blick in die Zukunft? - Was kann künstliche Intelligenz (dpa)

Die Big Data-Unternehmerin Yvonne Hofstetter warnt in ihrem neuen Buch davor, welche Konsequenzen künstliche Intelligenz für die Politik haben könnte: Es drohe das "Ende der Demokratie". Und sie zeigt Auswege an, wie eine digitale Zukunft human gestaltet werden kann.

MedizinWach, wacher, Kaffeeschock

Kaffee ist eigentlich eine Art Psychostimulanzie, die sich auf den ganzen Körper auswirkt: der Blutdruck steigt, wir können uns besser konzentrieren und sind aktiver. Nur manchmal trinken wir eine Tasse zu viel - Dr. Johannes Wimmer weiß, was dann zu tun ist.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Fußball  HSV trennt sich von Trainer Labbadia | mehr

Kulturnachrichten

Autor Nahed Hattar in Jordanien erschossen  | mehr

Wissensnachrichten

"Spectacles"  Snapchat macht jetzt Sonnenbrillen | mehr