Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bundeskabinett bestätigt Rente mit 67

Von der Leyen verteidigt Rentenreform

Die Rente mit 67 steht vor allem bei der Linkspartei in der Kritik. (AP)
Die Rente mit 67 steht vor allem bei der Linkspartei in der Kritik. (AP)

Trotz der massiven Kritik hält die Bundesregierung an der Rente mit 67 fest. Dazu billigte das schwarz-gelbe Kabinett den Bericht von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) über die Beschäftigungssituation Älterer.

Der Bericht zeichnet eine positive Lage am Arbeitsmarkt: Für 60- bis unter 65-Jährige habe sich die Beschäftigungsquote auf zuletzt 38 Prozent erhöht und damit innerhalb der vergangenen zehn Jahre fast verdoppelt. Die Tendenz ist nach Auffassung der Regierung weiter günstig. Deshalb sei die 2012 beginnende Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre vertretbar und notwendig.

Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Partei Die Linke, zu Besuch beim Deutschlandradio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Partei Die Linke. (Deutschlandradio - Bettina Straub)Diese Darstellung wies die Vorsitzende der Linkspartei, Gesine Lötzsch, im Deutschlandradio Kultur zurück. Aus einer von der Bundesregierung selbst vorgelegten Studie gehe klar hervor, dass der Anteil der Älteren, die noch in Arbeitsverhältnissen sind, immer weiter gesunken sei. Die Rente erst ab 67 sei deshalb "nichts anderes als eine Rentenkürzung", so Lötsch.

Ähnlich äußerte sich auch ihr Kollege Klaus Ernst. Der Chef der Linkspartei sagte im Deutschlandfunk, die "Rente mit 67 ist Unfug". Insbesondere werde die Reform die heute 64-Jährigen treffen. Ernst sagte weiter, dass trotz des demografischen Wandels in Deutschland nicht länger als bisher gearbeitet werden müsse.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner (AP)FDP-Generalsekretär Christian Lindner (AP)FDP-Generalsekretär Christian Lindner unterstrich im Deutschlandfunk, dass die FDP für einen flexiblen Rentenbeginn plädiere, da die Menschen selbst entscheiden müssten, wann sie in Rente gingen. Dennoch steht die FDP weiterhin zur Rente mit 67: "In der sehr langfristigen Perspektive, auch aus dem Gesichtspunkt der Generationengerechtigkeit heraus, gibt es zu einer Verschiebung des Rentenalters nach hinten keine realistische Alternative".

Von der Leyen: Rente "demografiefest" machen

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verteidigte ihre geplante Rentenreform, die noch unter der schwarz-roten Koalition vorgeschlagen wurde. Die schrittweise Anhebung der Lebensarbeitszeit bis zum Jahr 2029 sei notwendig und auch vertretbar, sagte sie nach dem Kabinettsbeschluss in Berlin. Deutschland müsse auf die Alterung der Gesellschaft reagieren.

"Wir sind das Land des langen Lebens geworden", so von der Leyen. Die schrittweise Erhöhung sei auch eine Frage der Fairness gegenüber den jüngeren Generationen. Inzwischen kämen nur noch drei Erwerbstätige auf einen Rentner - vor 50 Jahren seien es sechs Arbeitnehmer gewesen. 2030 seien es sogar nur noch zwei, sagte die Ministerin. Alternativen wie Rentenkürzung oder höhere Beiträge lehnte sie ab. Mit der Anhebung des Rentenalters werde die Rente "demografiefest".

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen auf einer Pressekonferenz in Berlin (AP)Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen setzt auf Rente mit 67. (AP)Das Kabinett verabschiedete auch den jährlichen Rentenbericht. Sollte sich die Wirtschaft weiter positiv entwickeln, könnten die Renten danach bis 2024 um gut 29 Prozent steigen - pro Jahr im Durchschnitt um etwa 1,9 Prozent. Die sogenannte Eckrente nach 45 Jahren Durchschnittsverdienst erhöht sich nach diesen Berechnungen von derzeit 1224 Euro auf 1584 Euro.

Arbeitsmarktforscher rechnen für die kommenden Jahre mit deutlich größeren Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer. Ausreichende Arbeitsmöglichkeiten für Ältere sind eine Voraussetzung für die beschlossene Einführung der Rente mit 67 im Jahr 2012. Das Bundeskabinett wird dazu an diesem Mittwoch den ersten Bericht über die Beschäftigungssituation Älterer verabschieden.

Mehr zum Thema:
Länger leben, länger arbeiten - Die Rente mit 67
"Viele schaffen es nicht, bis 65 zu arbeiten"
"Die Zahl 67 ist sehr klug gewählt"
BMW-Generationenprojekt 2017

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:50 Uhr Kulturpresseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 07:30 Uhr Kakadu für Frühaufsteher

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Cityleaks Urban Art FestivalMeine, Deine - unsere Stadt

Beim Cityleaks Urban Art Festival bespielen internationale Streetart-Künstler den Kölner Stadtraum. Zum Festival gibt es einen Kongress, der sich damit beschäftigt, wie im Zuge von Urban Gardening, spontanen Interventionen oder Bürgerinitiativen die Stadt "von unten" mitgestaltet wird.

HeidenauDie hässliche Fratze des Mobs bekämpfen

Polizeikräfte kesseln am 28.08.2015 in Heidenau (Sachsen) etwa 100 Rechte ein. Diese hatten sich am Abend, nach einem friedlichen Willkommensfest für Flüchtlinge, gegenüber dem Notquartier für Asylsuchende an einem Supermarkt versammelt. (dpa / picture-alliance / Sebastian Willnow)

So beschämend die ausländerfeindliche Hetze in einigen sächsischen Orten auch ist - die Empörung dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Asylpolitik der letzten Jahre erhebliche Versäumnisse gegeben habe, kommentiert der Chefredakteur der Dresdner Neuen Nachrichten, Dirk Birgel.

Aus den FeuilletonsJonathan Franzen verschlägt es in die DDR

Jonathan Franzen (Imago)

Alle werden irgendwie überwacht: In seinem neuen Roman "Purity" bringt Jonathan Franzen die DDR und das Internet zusammen. Und Dresden leidet wegen Pegida an einem Besucherrückgang. Das und mehr in unserer Kulturpresseschau.

Eine Recherche in acht FolgenMehr als ein Mord – Das Ende einer Flucht aus Eritrea

Flüchtlinge, Migranten und Deutsche demonstrieren am 17.01.2015 in der Innenstadt in Dresden (Sachsen), um auf den gewaltsamen Tod von Khaled Idris Bahray aus Eritrea aufmerksam zu machen. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Der 20-jährige Asylbewerber Khaled Idris Bahray überlebt die Flucht aus Eritrea. Vier Monate nach seiner Ankunft wird er im Januar 2015 in Dresden ermordet. Der Fall hat die Journalistin Jenni Roth nicht losgelassen.

Ungesundes JoggenDicke Luft in deutschen Städten

Wer glaubt, etwas für seine Gesundheit zu tun, indem er mitten durch unsere Städte joggt, erweist sich damit einen Bärendienst. Durch das tiefe Einatmen passiert so allerhand im Körper, nur nicht das, was sich vermeintlich gesundheitsbewusste Jogger davon versprechen. 

KurdenkonfliktKollateralschaden: Die Kultur der Aramäer

Das Kloster Mor Gabriel im Südosten Anatoliens ist das geistige Zentrum der aramäisch sprechenden christlichen Minderheit. Auch in dem Dorf Kafro sollen sakrale Bauten in neuem Glanz erstrahlen. (dpa / picture alliance / AKTION MOR GABRIEL)

Das christliche Volk der Aramäer, das seine Heimat in Südostanatolien hat, lebt heute überwiegend in Deutschland. Im letzen Jahrzehnt hatte eine Rückkehr der Aramäer in ihre historische Heimat begonnen. Doch die Hoffnung auf Frieden ist durch die erneute Eskalation des Kurdenkonflikts in der Türkei zerstört.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Afghanistan  Steinmeier in Kabul eingetroffen | mehr

Kulturnachrichten

Filmfest in Venedig ohne Scorsese  | mehr

Wissensnachrichten

Lernen  Vier-Tage-Woche bringt bessere Noten | mehr