Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bundesrat will Rehabilitierung homosexueller Männer

Distanzierung von Strafverfolgung nach 1945

Die Länderkammer will die Rehabilitierung verurteilter Homosexueller
Die Länderkammer will die Rehabilitierung verurteilter Homosexueller (AP)

"Homosexuelle Handlungen" standen in der Bundesrepublik nach dem Paragrafen 175 noch bis 1969 unter Strafe, in der DDR bis 1968. Der Bundesrat will nun, dass nach 1945 verurteilte Homosexuelle rehabilitiert werden. Insgesamt betrifft das mindestens 50.000 Männer.

Die Länder fordern eine Rehabilitierung von Schwulen und Lesben, die in der frühen Bundesrepublik wegen ihrer Homosexualität verurteilt wurden. Der Bundesrat stimmte für einen ursprünglich von Berlin eingereichten Antrag, der die Bundesregierung auffordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Unter anderem sei zu prüfen, ob Urteile aus den 50er- und 60er-Jahren aufgehoben werden und ob die Betroffenen eine Entschädigung bekommen sollen. Bislang wurden nur während der NS-Zeit Verurteilte rehabilitiert und entschädigt.

"Homosexuelle Handlungen" standen in der Bundesrepublik nach dem Paragrafen 175 noch bis 1969 unter Strafe, in der DDR bis 1968. Der Strafrechts-Paragraf geht auf das Kaiserreich zurück. Die Nationalsozialisten verschärften den auch in der Weimarer Republik geltenden Paragrafen erheblich. Homosexuelle wurden in Konzentrationslager gebracht, viele überlebten die NS-Zeit nicht.

Paragraf 175 wurde erst 1994 komplett abgeschafft

In der Bundesrepublik galt der Paragraf in der NS-Fassung fort, während die DDR die frühere Version im Gesetzbuch festschrieb. Komplett abgeschafft wurde der Paragraf in Deutschland erst 1994. Bis dahin galten ebenso wie in der DDR bis 1989 Schutzaltersgrenzen für gleichgeschlechtliche Sexualität.

Das Fortbestehen der NS-Gesetzgebung in der Bundesrepublik sei für die gesellschaftlich ohnehin ausgegrenzten schwulen Männer eine "besondere Härte" gewesen, hieß es in dem Antrag. Es gehe bei der Rehabilitierung nicht nur um finanzielle Entschädigung, sonder auch um eine Geste, erklärte die Berliner Arbeitssenatorin Dilek Kolat im Deutschlandfunk.

In der Bundesrepublik wurden den Angaben zufolge vom Kriegsende bis zum Ende der 60er Jahre rund 50.000 Männer wegen ihrer Homosexualität verurteilt. Aus der ehemaligen DDR liegen keine verlässlichen Zahlen vor. Laut einer vom Berliner Senat herausgegebenen Untersuchung sind knapp 1.300 Fälle für die Jahre 1946 bis 1959 nachgewiesen.


Mehr zum Thema:

Schwulsein in der Firma - Einzelne Unternehmen sind toleranter geworden
Triumph der Homophobie - Warum es homosexuelle Eltern in Deutschland noch immer so schwer haben
Am Rande der Legalität - Die Diskriminierung von Homosexuellen in Russland
"In jeder Klasse gibt es Homophobie" - Psychologin So-Rim Jung über die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in der Schule

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:10 Uhr Büchermarkt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Massenproteste in Hongkong"Angst vor einem Einschreiten der sogenannten Ordnungskräfte"

Der Publizist Tilman Spengler bei der Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises 2011 für Fernsehjournalismus.

Die Demonstranten in Hongkong sprechen mit ihren Forderungen für einen großen Teil der Bevölkerung, sagte der Sinologe und Autor Tilman Spengler im DLF. Derzeit gehe aber die Angst um, dass die chinesische Regierung die Proteste noch in dieser Nacht beenden wolle.

SparpolitikMit Privatanlegern gegen den Investitionsstau

Eine neue Schienentrasse

Schlechte Straßen, mangelnde Ausstattung der Bundeswehr: Spart der Staat zuviel? Nein, sagt der Volkswirtschaftler Ansgar Belke. Nicht mangelndes Geld verursache die Probleme bei der Infrastruktur, sondern fehlende Kostenkontrolle und "regionale Egoismen".

UrlaubVegetarier auf Reisen

Wenn Vegetarier verreisen kann das bisweilen ein bisschen kompliziert werden: In Argentinien zum Beispiel gibt es kaum ein Gericht ohne Rindfleisch. Besser ist man da schon in Indien unterwegs, denn die Inder essen selbst kaum Fleisch.

Dokumente der WocheDie Wende im Deutschlandfunk

Das Deutschlandfunk-Funkhaus bei Nacht.

Der Deutschlandfunk erinnert an die Umbruchzeit in Deutschland und in Europa vor 25 Jahren. In der Reihe "Dokumente der Woche" kommen DLF-Journalisten und Akteure von 1989 zu Wort.

HochgeschwindigkeitszügeEcho, Falke und Sturmwind

Ein Shinkansen fährt in den Bahnhof von Tokio ein (16 September 2013).

Am 1. Oktober 1964 wurde er in Betrieb genommen: Der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen fuhr bis zu 320 Kilometer schnell und katapultierte Japan in die Gemeinschaft der industrialisierten Länder.

MeerestiereStress lass nach

Der permanente Schiffslärm schädigt Haarzellen im Ohr von Fischen und anderen Meeresbewohnern. Dadurch werden viele dieser Tiere schwerhörig. Die Futtersucher wird dadurch schwieriger. Noch direkter sind Fische betroffen, die über Laute miteinander kommunizieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Künftiger EU-Kommissar Hill  bekennt sich zur Bankenunion | mehr

Kulturnachrichten

Literaturpreis  für Katja Petrowskaja | mehr

Wissensnachrichten

Fälschung  Jan-Hendrik Schön bekommt nicht seinen Doktortitel zurück | mehr