Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bundesregierung kooperiert mit US-Geheimdienstfirma

Computer Science Corporation (CSC) arbeitete in sicherheitsrelevanten Bereichen

Die Bundesregierung soll mit der US-Spionagefirma CSC zusammengearbeitet haben (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Die Bundesregierung soll mit der US-Spionagefirma CSC zusammengearbeitet haben (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

2009 unterschrieb die Bundesregierung nach Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" einen Rahmenvertrag mit dem privaten Sicherheits- und IT-Dienstleister Computer Science Corporation (CSC) - für Beratungsdienstleistungen in sicherheitsrelevanten Bereichen. Das US-Unternehmen arbeitet bis heute für den US-Abhördienst NSA.

Nach Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" erhielten zwischen 2009 und 2013 drei deutsche Tochterunternehmen der Computer Science Corporation genau 100 Aufträge von zehn unterschiedlichen Ministerien und dem Bundeskanzleramt.

Am Projekt "De-Mail" beteiligt

CSC testete unter anderem für das Bundeskriminalamt, ob der Quellcode der Spionagesoftware "Staatstrojaner" verfassungskonform ist. Das Justizministerium erhielt Hilfe bei der Einführung der elektronischen Akte für Bundesgerichte und den Generalbundesanwalt. Und das Innenministerium wurde von CSC bei der Erstellung des Waffenregisters und des Personalausweisregisters beraten. Außerdem war die Firma am Projekt De-Mail für den sicheren E-Mail-Verkehr beteiligt - das geht aus einem internen Papier des Innenministeriums hervor, das dem NDR und der "SZ" vorliegt.

Angeblich wusste die Bundesregierung nicht, mit welcher Firma sie vor vier Jahren einen Rahmenvertrag unterzeichnete. "Dem Bundesverwaltungsamt waren bei Abschluss der Verträge mit CSC Deutschland Solutions GmbH im Jahr 2009 keine Vorwürfe gegen deren US-amerikanischen Mutterkonzern bekannt", sagt ein Sprecher des Innenministeriums. Schon seit über zehn Jahren ist jedoch öffentlich bekannt, dass CSC für die NSA arbeitet.

Weltweit 100.000 Mitarbeiter

Computer Sciences Corporation beschäftigt weltweit annähernd 100.000 Mitarbeiter, in Deutschland sind es mehr als 3000 Menschen. Das Unternehmen arbeitet nicht nur für US-Geheimdienste, sondern auch für die US-Marine und den britischen Gesundheitsdienst. Außerdem gehören Unternehmen wie Zürich Versicherungen, Daimler Chrysler oder die Deutsche Bahn zu den Kunden.

Die Berater unterstützen Manager und Politiker im IT-Bereich, helfen beim Outsourcing von Geschäftsabläufen, schützen Kunden vor Cyberangriffen und programmieren Software. Für die NSA programmierte die Firma unter anderem die Software "Trailblazer", mit der der Geheimdienst Mobiltelefone und E-Mails ausspionieren und die gesammelten Daten auswerten konnte.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Wippl: NSA-Spionage "wird jetzt beendet" - Ex-Chef von CIA in Deutschland für Erweiterung des Five-Eyes-Spionagebündnisses
Münchner Sicherheitskonferenz in Washington zur NSA - Zwischen Schadensbegrenzung und Vertrauensverlust
"Die USA müssen an dieser Aufklärung mitwirken" - SPD-Außenpolitiker Mützenich fordert Datenschutzabkommen zwischen Amerika und der EU
"Für mich ist das Kernschmelze der Demokratie" - Bundestagsvizepräsidentin Roth über die Abhöraffäre

 

Letzte Änderung: 16.11.2013 23:10 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Kultur heute

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Tacheles

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

SprachforschungWhatsApp als Tagebuch der Postadoleszenz

Zwei Männer und ein Smartphone  (imago/Westend61)

Erst Party machen, dann prahlen. Der Sprachwissenschaftler Nils Uwe Bahlo hat sich die Kommunikation von jungen Männern genauer angeschaut und herausgefunden: Die letzte Partynacht wird im WhatsApp-Chat reflektiert.

SPD-Sonderparteitag"Es geht um die Frage der Existenz der Sozialdemokratie"

Rote Fahne der SPD im Wind auf dem Dach der Parteizentrale Willy-Brandt-Haus in Berlin. (imago / IPON)

"Es gibt Notwendigkeiten, sich zu erneuern als SPD, in der Regierung oder in der Opposition", so der SPD-Politiker Alexander Schweizer im Dlf. Es sei das "zentrale politische Projekt" der nächsten Jahre, dass die Sozialdemokratie attraktiver werde und ihre Glaubwürdigkeit wieder erreiche.

Die Irrationalität in der Ökonomie"Wir haben ein sexualisiertes, ein gläubiges Verhältnis zum Geld"

Auge mit Euo-Zeichen (imago/blickwinkel)

"Potente" Unternehmen "befriedigen" ihre Gläubiger – allein die Sprache mache deutlich, welche Rolle Sexualität und Religion in unserem Verhältnis zum Geld spielen, sagt der Philologe Jochen Hörisch. Auch die Wirtschaftswissenschaft sei höchst irrational.

GroKo – ja oder nein? Martin Schulz hat die SPD ins Abseits geführt

SPD-Bundesvorsitzender Martin Schulz (picture alliance/dpa/Foto: Michael Kappeler)

SPD-Chef Martin Schulz warnt die Genossen vor den Folgen eines Neins zur Großen Koalition. Doch der Riss innerhalb der SPD will nicht kleiner werden. Auch die Umfragewerte sinken. Alles keine guten Aussichten, meint Moritz Küpper.

Erfahrungen in den NiederlandenRekordverdächtig lange ohne Regierung

Der Schriftzug "Alles komt goed" (deutsch: Alles wird gut) ist vor dem niederländischen Parlamentsgebäude in Den Haag zu sehen.  (picture-alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

In Deutschland ist es die längste Regierungsbildung der Geschichte. Im europäischen Ausland dagegen kennt man sich damit schon besser aus. Rekordhalter ist Belgien, aber auch die Niederlande haben ihre Erfahrungen in dem Bereich gesammelt – zuletzt sieben Monate lang.

Tagebücher verfolgter JudenSo tragisch, so literarisch wie bei Anne Frank

Ein Foto von Anne Frank, entstanden um das Jahr 1941. Anne Frank war damals ungefähr 11 Jahre alt. (picture-alliance / dpa / Anne Frank Fonds Basel)

Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den bekanntesten Zeugnissen verfolgter Juden im Nationalsozialismus. Doch neben ihr schrieben Hunderte anderer junger Juden über ihre Erlebnisse.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Regierungsbildung  Nahles warnt Sondierungskritiker in SPD vor Folgen eines Nein | mehr

Kulturnachrichten

Facebook: Nutzer entscheiden über Medienqualität | mehr

 

| mehr