Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bundesregierung lehnt Eurobonds weiterhin ab

SPD-Chef Gabriel erwidert: Gemeinsame Anleihen können Sicherheit schaffen

Kritiker sehen in Eurobonds den Beginn einer europäischen Transfer-Union. (picture alliance / dpa - Uli Deck)
Kritiker sehen in Eurobonds den Beginn einer europäischen Transfer-Union. (picture alliance / dpa - Uli Deck)

Die Diskussion um die Vor- und Nachteile von Eurobonds hält an. Bundeswirtschaftsminister Rösler hat sich erneut dagegen ausgesprochen. In der CDU hingegen fordern mehrere Politiker mittlerweile ein ergebnisoffenes Abwägen.

Der CDU-Abgeordnete Johann Wadephul sagte dem Handelsblatt, es ergebe keinen Sinn, eine Schwarz-Weiß-Diskussion zu führen. Auch Armin Laschet, Mitglied des CDU-Bundevorstandes, forderte eine offene Diskussion.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sagte im Deutschlandfunk, durch Eurobonds könne Sicherheit auf den Finanzmärkten entstehen. Ohne Eurobonds werde es laut Gabriel am Ende teurer für Deutschland. Ebenfalls im Deutschlandfunk widersprach Bundeswirtschaftsminister Rösler dieser Ansicht. Um die Krise zu bewältigen sprach er sich für einen Schuldenbremse in den Verfassungen aller Euro-Länder ein.

Bundesregierung und Opposition diskutieren über die Vor- und Nachteile gemeinsamer Staatsanleihen, die der italienische Finanzminister Giulio Tremonti gefordert hatte. Französische Medien berichteten, dass die Eurobonds ein Thema bei dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Dienstag sein würden. Regierungssprecher Steffen Seibert dementierte dies.

Es soll bei dem Gespräch in Paris ausschließlich um bessere Arbeitsmethoden und ein verbessertes Krisenmanagement in der Euro-Zone gehen, berichtet Andreas Baum in den Informationen am Abend des Deutschlandfunks. (Audio-Beitrag)

Führende Mitglieder der Bundesregierung, darunter Finanzminister Wolfgang Schäuble und Wirtschaftsminister Philipp Rösler, sind strikt gegen die Einrichtung der Eurobonds. Zustimmung für die Bonds kommt dagegen unter anderem von SPD-Chef Sigmar Gabriel und vom Grünen-Vorsitzendem Cem Özdemir.

Auch der CDU-Politiker Peter Altmaier sieht in gemeinsamen Staatsanleihen nicht den richtigen Weg aus der Schuldenkrise. Er sagte im Deutschlandfunk jedoch auch, dass man mit kategorischen Festlegungen vorsichtig sein müsste.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Reinhard Selten hat sich im Deutschlandradio Kultur ebenfalls gegen Eurobonds ausgesprochen. Seiner Meinung nach sei die Schuldenkrise keine Krise des Euros, stattdessen forderte er von den EU-Ländern mehr Haushaltsdisziplin.

Schon mit dem Rettungsfonds seien falsche Anreize gesetzt worden, doch mit einer Einführung von Eurobonds wären "Hopfen und Malz verloren", prophezeit Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen. Im Deutschlandradio Kultur warnte er vor dem "Prinzip Verantwortungslosigkeit", das mit der Einführung von Eurobonds gelten würde.

Für den Volkswirt Jakob von Weizsäcker dagegen könnten die Bonds "ein ganz wichtiger Baustein" gegen die Schuldenkrise sein. Er hat das Modell der europäischen Gemeinschaftsanleihen mitentwickelt.

Als Eurobonds bezeichnet man gemeinsame Anleihen aller Euro-Staaten. Der Zinssatz bei diesen Anleihen wäre für alle Länder gleich. Dadurch könnten hochverschuldete Länder günstigere Kredite erhalten. Bisher vergibt jedes Land ausschließlich eigene Staatsanleihen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:10 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 06:05 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Vinyl-Box: "The Beatles: The Christmas Records"Weihnachtsgrüße der Beatles

Die Beatles 1967 (imago/ZUMA/Keystone)

Von 1963 bis 1969 verschickten die Beatles an die Mitglieder ihres Fanclubs Weihnachtsbotschaften, die die Bandgeschichte erzählen: vier junge Musiker starten voller Elan, haben überraschend Erfolg und werden sich schließlich fremd.

Radikalisierung in DeutschlandWenn aus Nazis Islamisten werden

Der Angeklagte Sascha L. kommt am 20.09.2017 in Handschellen zum Prozessauftakt in die Staatsschutzkammer des Landgerichts Braunschweig (Niedersachsen). Dem Hauptangeklagten wird die Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat sowie der unerlaubte Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen vorgeworfen. Die drei weiteren Angeklagten sind wegen Beihilfe angeklagt. (Angeklagte auf Anweisung des Gerichts unkenntlich gemacht)  (dpa / Swen Pförtner)

Im Hass vereint: Die Radikalisierung von Islamisten und Rechtsextremen scheint ähnlichen Mustern zu folgen. Ein Fall in Braunschweig lässt aufhorchen: Dort ist ein mutmaßlicher Islamist angeklagt, der vor drei Jahren noch zur rechtsextremen Szene gehört haben soll.

Anita Rée-Ausstellung in Hamburg Die Menschen-, die Frauen-Malerin

"Selbstbildnis" der Malerin Anita Rée  (picture alliance/dpa/Foto: Georg Wendt)

Die Künstlerin Anita Rée stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie, zeitlebens wehrte sie sich aber dagegen, dass ihre Arbeiten als jüdische Kunst gelte. Ihre sensiblen Portraits sind noch bis Februar in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

Germanistin Sandra Richter"Deutschsprachige Literatur wird global wahrgenommen"

Eine junge Frau betrachtet im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar eine Porträtbüste von Johann Wolfgang Goethe. (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)

Rockstars und Jeansdesigner nutzen Rilke-Verse als Kontext. Und es gibt viele weitere Bespiele für den weltweiten Einfluss deutscher Literatur. Die Germanistin Sandra Richter hat ein Buch über deren Weltgeschichte veröffentlicht – "eine Geschichte des kulturellen Austauschs".

Antisemitismus in Deutschland"Wir brauchen eine gesellschaftspolitische Offensive"

Volker Beck (Grüne) spricht am 03.06.2016 im Deutschen Bundestag in Berlin. (dpa)

Auf Demonstrationen in Berlin wurden kürzlich israelische Flaggen verbrannt. Volker Beck von den Grünen fordert deswegen mehr Aufklärung über Antisemitismus. Allein mit ordnungspolitischen Maßnahmen ließe sich das Problem nicht lösen, sagte er im Dlf.

80 Jahre Bunker in WünsdorfNazis, Russen und Touristen

Ein Bunker im Wald nahe dem brandenburgischen Ort Wünsdorf. (Philipp Buder/Thomas Klug)

1937 wurde im brandenburgischen Wünsdorf mit dem Bau streng geheimer Bunker begonnen – das Oberkommando der Wehrmacht sollte von dort den Zweiten Weltkrieg dirigieren. Die Bunkeranlagen sind mittlerweile ein Mahnmal und locken viele Touristen an.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

US-Steuerreform  Republikaner gehen auf Kritiker zu - Erleichterungen für Familien | mehr

Kulturnachrichten

Peter Jackson gibt Interview zum Fall Weinstein | mehr

 

| mehr