Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bundestag bewilligt mehr Geld für Kultur

Lob aus allen Fraktionen für Staatsminister Neumann

Von Jürgen König

Das Berliner Stadtschloss - eines der Projekte, die aus dem Bundeskulturetat gefördert werden (AP)
Das Berliner Stadtschloss - eines der Projekte, die aus dem Bundeskulturetat gefördert werden (AP)

Der Bundestag hat sich in seinen Haushaltsberatungen nicht nur mit Euro-Politik und Schuldenkrise befasst. Am Ende der "Elefantenrunde" gab es wie immer einen Abstecher in die Kulturpolitik. Staatsminister Neumann konnte dieses Jahr erneut seinen Etat erhöhen.

Dass über 60 Prozent der Mittel des Bundeskanzleramts für die Kultur ausgegeben werden, ist in Deutschland immer noch erstaunlich wenig bekannt. Auch in der diesjährigen Debatte über den Etat des Kanzleramts war der Haushalt des "Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien" – nach der traditionellen Generaldebatte zur Politik der Bundesregierung – nur ein Randthema. Wenn auch ein immer wieder mit Leidenschaft behandeltes. Wolfgang Börnsen, CDU:

"Was bleibt, ist die Kultur! Ob der Kölner Dom, die Volkslieder unseres Landes, der Faust von Goethe, dieser Reichstag hier – oder Beethovens Hymne an die Freude - Was bleibt, ist die Kultur! Kultur ist das Fundament unserer Gesellschaft, sie gibt Menschen Orientierung, Identität, sie schafft Lebensmut, und sie schafft Lebensfreude, deshalb ist es angemessen, die Kultur hier im Rahmen des Kanzleretats zu diskutieren. Und hier gehört sie hin!"

Vor einem Jahr schon hatte Kulturstaatsminister Bernd Neumann eine Etat-Steigerung von 2,7 Prozent erreichen können, 27 Millionen Euro, die vor allem dem Denkmalschutz zugute kamen. Nun wurde sein Haushalt, der in diesem Jahr knapp 1,15 Milliarden Euro umfasst, abermals erhöht: um 5,1 Prozent. 50 Millionen Euro bewilligte der Haushaltsausschuss zusätzlich zum ursprünglichen Ansatz der Bundesregierung, 30 Millionen davon für ein weiteres Denkmalschutz-Sonderprogramm. Rüdiger Kruse, CDU, Mitglied des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages:

"Diese 30 Millionen, die wir dort reingeben, können Sie im Prinzip mit verbuchen bei der Sozialen Stadt. Weil Denkmäler von Kommunen die Selbst-Identifizierung ermöglichen, der zweite Grund ist. Wir geben keine Denkmalmittel, wenn es nicht ein Nutzungskonzept für das Denkmal gibt. Und in aller Regel sind das soziale, kulturelle Zwecke. Das heißt, mit diesem Programm, das natürlich auch Wirtschaftsförderung gleichzeitig ist, fördern wir die Soziale Stadt."

Petra Merkel von der SPD, die Vorsitzende des Haushaltsausschusses:

"Sehr gut an diesem Programm ist übrigens, dass sich sowohl Kommunen, Länder als auch Private beteiligen und so eigentlich aus den 30 Millionen fast 60 Millionen Euro werden können. Gut investiertes Geld, denn es kommt sowohl den Regionen zugute als auch dem vor Ort tätigen Handwerk."

Reiner Deutschmann, kulturpolitischer Sprecher der FDP:

"Der Deutsche Bundestag setzt damit ein starkes Zeichen, dass der Förderung von Kunst und Kultur in Deutschland ein besonderer Stellenwert zukommt. Ich würde mir wünschen, dass eine solche Prioritätensetzung in absehbarer Zukunft auch in allen Ländern und Kommunen zum Normalfall wird."

Kulturstaatsminister Bernd Neumann wurde für seine Arbeit auch von Vertretern der Opposition gelobt, wenn auch mit Einschränkungen. Lukrezia Jochimsen von der Fraktion "Die Linke":

"Das Gebot der Stunde heißt doch: Wie machen wir die Kultur tatsächlich zu unserem Wertefundament? Und wie fördern und stärken wir die Künstlerinnen und Künstler in unserem Land, dass die Künste tatsächlich die Basis unseres Gemeinwesens bilden können."

Modellprojekte würden nicht ausreichen, sagte sie, eine "echte Bildungskampagne" müsse her. Das "unerkannte Treiben von Rechtsterroristen in unserem Land" sei Ausdruck nicht nur einer Krise der Behörden, sondern auch eine geistige, eine kulturelle Krise. Ein – wie sie es neben anderen Beispielen nannte - "pompöser Schlossbau" in Berlin samt einem Freiheits- und Einheitsdenkmal – dies sei dafür nicht das richtige Mittel. Lukrezia Jochimsen:

"Kulturelle Bildung unserer Kinder. Und zwar Bildung gegen Rassismus und Gewalt von früh an für alle unsere Kinder, wohlgemerkt, und diese kulturelle Bildung muss einen neuen Stellenwert in unserem Land erhalten und damit in der Kulturpolitik. Kinder und Jugendliche dürfen den braunen Verführern nicht länger zur Beute werden."

Es war eine kurze Debatte zur Kultur – mit kritischen Tönen, aber überwiegend von Anerkennung und von Aufbruchsstimmung getragen. Es schien, als hätte es sich langsam herumgesprochen, dass zum Beispiel die Kultur- und Kreativwirtschaft – also die Architekten, Designer, Autoren und Journalisten, Filmemacher, die bildende Künstler, die Medienkünstler, die Musiker, Schauspieler, Tänzer, Radiomacher, Softwareentwickler, Spiele-Entwickler, Webdesigner, Werbegrafiker – dass die Kultur- und Kreativwirtschaft mit einem Jahresumsatz von zuletzt 65 Milliarden Euro inzwischen mit den großen Industriesektoren wie Fahrzeug- oder Maschinenbau vergleichbar ist. Viele sangen das Hohelied auf die Kultur: Allein von einem "Bundeskulturminister" war heute nicht die Rede. Aber was ist nicht ist, kann ja noch werden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:10 Uhr Informationen am Abend

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:05 Uhr Nachspiel. Feature

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Dortmund Die einzig wahre Bierstadt

Bierkrüge, Flaschen und Gläser werden im Brauerei-Museum in Dortmund in einer Vitrine präsentiert. (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Dortmund besinnt sich auf seine Tradition - die größte Bierstadt Europas zu sein. Das war sie einmal. Das Ende der Zechen und Stahlhütten läutete auch das Ende der Dortmunder Biere ein. Heute kehrt das Bier nach Dortmund zurück.

HörsaalIch zitiere mich mal selbst

Wer sich selbst zitiert, der kann damit noch lange keine wissenschaftliche Arbeit verfassen. In der Antike freilich war das alles einmal ganz anders. Und auch über das Mittelalter hinaus bis in die Neuzeit hinein musste sich die rechte und richtige Kunst des Zitierens erst noch entwickeln. 

RotterdamEine Markthalle als überdimensionales Hufeisen

Blick in die Markthal von Rotterdam. (picture alliance / dpa / Jerry Lampen)

Die Markthal im niederländischen Rotterdam ist 40 Meter hoch, 60 Meter breit und 100 Meter tief. Sie bietet 100 internationalen Ständen Platz und auch 230 Wohnungen. Und durch ihre Hufeisenform ist sie ein echter architektonischer Hingucker.

Die Dichterin Marie NoëlDer erloschene Himmel

Als die Sonne verschwand, blickte die Band nicht an den Himmel - sie spielte (NASA)

"Ich habe mich nie erholt von dem Anruf Gottes", schrieb die französische Dichterin Marie Noël. Ihr ganzes sprachmächtiges Werk pendelte zwischen den Polen, sich ihm nah oder auch sehr fern zu fühlen.

GrünstreifenWie HopHop Battles

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk auf der einen Seite, Privatsender auf der anderen. Unseren New Yorker Jim Kavanaugh erinnert das an den HipHop-Streit Eastcoast gegen Westcoast. Nur ohne Waffen.ich-gegen-privat

Sommer, Sonne, RegenschauerWenn die Seele baumelt

Touristen aus dem spanischen Barcelona stehen am 13.06.2015 vor dem Brandenburger Tor in Berlin bei Temperaturen um die 30 Grad im Regen. Foto: /dpa (picture-alliance / dpa / Stephanie Pilick)

Ob Regen oder Sonnenschein, Hagelschauer oder sanfte Brise, den Sommer lassen wir uns nicht nehmen - komme er, wie auch immer er wolle. Um eine Jahreszeit als seelischen Zustand dreht sich diesmal alles im Rätselmagazin "Sonntagmorgen".

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Italien  Erneut hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet | mehr

Kulturnachrichten

Britische Sängerin Cilla Black ist tot  | mehr

Wissensnachrichten

Burn-Out  Keine Gefahr bei Hang zu gesundem Perfektionismus | mehr