Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bundestag stellt sich hinter Reform der Organspende

Gesetz sieht Aufforderung zur Entscheidung vor, aber keinen Zwang

Frank-Walter Steinmeier (SPD) macht sich bei der Debatte zur Organspende im Bundestag für Solidarität stark
Frank-Walter Steinmeier (SPD) macht sich bei der Debatte zur Organspende im Bundestag für Solidarität stark (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Künftig soll jeder Bürger ab dem 16. Lebensjahr eine Erklärung zur Organspende abgeben. Über ein entsprechendes Gesetz berät der Bundestag - die Fraktionen stellen sich hinter den Kompromiss.

"Ja, ich gestatte, dass nach der ärztlichen Feststellung meines Todes meinem Körper Organe und Gewebe entnommen werden". So steht es im deutschen Organspendeausweis. Sich für eine Organspende zu entscheiden, bleibt wohl auch weiterhin eine freiwillige Angelegenheit der Bürger. Doch angesichts der Not an transplantierbaren Organen will die Politik die Entscheidungsfreude der Bürger ankurbeln.

Alle fünf Fraktionsvorsitzenden stellten sich bei der Debatte im Bundestag in kurzen Reden grundsätzlich hinter den Gesetzesentwurf, der heute in erster Lesung im Bundestag beraten wird. "Wir werben intensiv bei den Menschen darum, dass sie Organspender sind", sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der 2010 seiner Frau eine Niere gespendet hatte, mahnte Solidarität an. "Es geht um Verantwortung, die wir übernehmen für Menschen, die unserer Hilfe bedürfen. Aus dieser Verantwortung entsteht die Erwartung an uns alle, dass wir uns entscheiden."

Der Chef der FDP-Fraktion, Rainer Brüderle, sprach sich dafür aus, dass die Politik die Bürger darauf verpflichte, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigten, warnte aber zugleich: "Die Speicherung der Daten darf nicht zum Ausgangspunkt für ein Organspenderegister werden". Auch Linken-Fraktionschef Gregor Gysi betonte hohe Anforderungen an die Datensicherheit. Für die Grünen sprach Fraktionschef Jürgen Trittin von einer insgesamt freiheitlichen Regelung.

Alle zwei Jahre Aufforderung zur Entscheidung

Der Gesetzentwurf verpflichtet die Krankenkassen, ihren Versicherten künftig alle zwei Jahre Info-Material zur Organspende und einen Spendeausweis zuzusenden. Damit verbunden ist die Aufforderung, eine freiwillige Erklärung zur Organspende abzugeben. Die Entscheidung soll auch auf der elektronischen Gesundheitskarte dokumentiert werden können, sobald diese - voraussichtlich ab 2017- technisch dazu in der Lage ist. Zudem soll jedes Krankenhaus verpflichtet werden, einen Transplantationsbeauftragten einzusetzen. Die Versicherung des Organ-Empfängers soll für alle möglichen Kosten aufkommen. Auch eine Entgeltfortzahlung an Arbeitnehmer, die ein Organ spenden, ist vorgesehen.

Die Grünen-Fachpolitikerin Elisabeth Scharfenberg kündigte einen Änderungsantrag an. Scharfenberg dringt auf den Verzicht auf eine geplante Regel, nach der die Krankenkassen die Entscheidung auf der elektronischen Gesundheitskarte speichern oder löschen können. Eine solche Speicherung verletze den Datenschutz, so Scharfenberg.

Auf die Details der sogenannten "Entscheidungslösung" hatten sich die fünf Bundestagsfraktionen Anfang März geeinigt - dem Kompromiss war ein jahrlanger Streit voran gegangen.

Deutschlandweit warten rund 11.000 Menschen auf ein Spender-Organ. Nach Schätzung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung tragen etwa 17 Prozent der Bürger einen Organspendeausweis bei sich, von einer Million Menschen spenden letztlich knapp 15 ein Organ. Damit liegt Deutschland laut Ärztezeitung international im unteren Mittelfeld - Spitzenreiter ist Spanien, wo knapp 35 Menschen ein Organ spenden. In Spanien gilt keine Entscheidungs-, sondern eine Widerspruchslösung: Wer nicht spenden will, muss aktiv widersprechen.


Die Bundestagsdebatte zur Reform der Organspende und zu anderen Themen können Sie bis ca. 13:30 Uhr im dradio-Livestream mithören.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:17 Uhr Andruck - Das Magazin für Politische Literatur

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

StudieEU-Binnenmarkt = Mehr Shopping

Durch den gemeinsamen Markt in der EU haben die Deutschen jedes Jahr 37 Milliarden Euro mehr in der Tasche. Das hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben: In den vergangenen 20 Jahren hat die Bundesrepublik das reale Bruttoinlandsprodukt jedes Jahr durchschnittlich um 37 Milliarden Euro gesteigert. 

Internationale KonflikteDer Abstieg der Vereinten Nationen

Der Präsident der Europa-Universität Viadrina, Gunter Pleuger

Die Vereinten Nationen haben zu wenig Spielraum, um die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten zu schlichten, meint Ex-UN-Botschafter Gunter Pleuger. Er sei nicht sehr optimistisch, dass die Appelle des Generalsekretärs gehört werden.

MexikoKampf gegen ungesühnte Frauenmorde

Angehörige demonstrieren am 25.11.2003 mit Pappfiguren als Symbole für die getöteten Frauen in Ciudad Juarez. Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez erlangte international Berühmtheit - zwischen 993 und 2007 wurden hier 393 Frauen ermordet. "Welthauptstadt der Frauenmorde" ist deshalb das Image, das der Stadt weltweit anhängt.

In Mexiko werden immer mehr Frauen Opfer von Gewaltverbrechen, von "Feminicido". Zwar unterstützen Organisationen diese Frauen. Aber selbst Morde bleiben ungesühnt: Die Aufklärung wird verhindert durch Korruption sowie Überlastung - und durch die allgegenwärtige Macho-Kultur.

Wendezeit"Die Fenster aufgestoßen"

Berlin erlebt am 4. November 1989 die größte Demonstration für eine andere DDR. Eine halbe bis eine Million Demonstranten ziehen durch die Innenstadt, vorbei am Palast der Republik mit dem Sitz der Volkskammer und am Staatsratsgebäude zu einer Abschlusskundgebung auf dem Alexanderplatz. "Wende", "Wer ewig schluckt stirbt von Innen" oder "Krenzmann" steht auf Transparenten der Demonstranten.

Berlin, 4. November 1989, Alexanderplatz. Die größte Wende-Demonstration und wohl auch die bunteste. Demonstranten überreichten Blumen an Polizisten, Transparente mit Sprüchen und Forderungen bestimmten das Bild.

SpanienImmer mehr Familien von Armut bedroht

Ein Bettler sitzt am 07.06.2013 in Palma de Mallorca auf der Mittelmeerinsel Mallorca (Spanien). Spanien gehört zu den Ländern Europas mit der höchsten Armutsgefährdungsquote und den größten Einkommensunterschieden, wie das Statistische Bundesamt ermittelte.

Spaniens Sozialpolitik vernachlässige den Nachwuchs, kritisiert die UNICEF und zeigt in einer neuen Studie, dass bereits 27 Prozent der Kinder des Landes unterhalb der Armutsgrenze leben. 

Leitungswasser Ohne Filter

Kran statt Supermarkt, das scheint die bessere Wahl zu sein, wenn es um Trinkwasser geht. Aber sollten wir das kühle Nass vorher noch durch einen Filter jagen? Lieber nicht, sagt ein Experte von der Verbraucherzentrale.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Israel  erwartet langen Kampf in Gaza | mehr

Kulturnachrichten

Bauhaus Dessau  bekommt Briefe des Bauhausmeisters Muche | mehr

Wissensnachrichten

Sprachentwicklung  Vorschulkinder können sich gegenseitig positiv beeinflussen | mehr