Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bundestag streitet über Stammzellforschung

Vorschläge reichen von deutlicher Liberalisierung bis zum Stopp

Eine Biologin zeigt einen Behälter mit Stammzellen im Labor des National Institute for Biological Standards and Control in England. (AP)
Eine Biologin zeigt einen Behälter mit Stammzellen im Labor des National Institute for Biological Standards and Control in England. (AP)

Derzeit darf in Deutschland nur an embryonalen Stammzelllinien geforscht werden, die im Ausland vor dem 1. Januar 2002 aus befruchteten Eizellen gewonnen wurden. Forscher fordern eine Lockerung der Stichtagsregelung. Sie argumentieren, das vorhandene Zellmaterial sei zu knapp und zu alt. Gegner warnen vor dem Verbrauch menschlicher Embryonen für die Forschung.

Schon bei einer Anhörung im Mai vergangenen Jahres verlangten die Wissenschaftler eine Gesetzesänderung, im Mittelpunkt dabei: eine Abschaffung der Stichtagsregelung (Deutschlandfunk, Forschung Aktuell, 9.5.2007).
Auch im Nationalen Ethikrat fand sich eine Mehrheit für diese Position (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 16.7.2007). Vertreten wird diese Linie unter anderen vom Vorstandsvorsitzenden der Charité Universitätsmedizin Berlin, Detlev Ganten (Deutschlandradio Kultur, Tacheles, 21.7.2007).

Bundestag in vier Gruppen gespalten

Jenseits der Parteigrenzen gibt es derzeit im Bundestag vier Positionen. Eine Gruppe von 92 Bundestagsabgeordneten plädiert für die Streichung des Stichtags. Durch eine derartige Regelung würden deutsche Forscher Zugang zu fast allen Stammzelllinien in der Welt erhalten. Die Abgeordneten argumentieren mit einer "Ethik des Heilens". Darüber hinaus verweisen die Antragsteller um die FDP-Abgeordnete Ulrike Flach auf die Forschungsfreiheit. (Deutschlandfunk, Forschung Aktuell, 15.11.2007) Während die Mehrheit der FDP-Fraktion hinter der Abschaffung des Stichtags steht, findet dieser Vorstoß bei SPD und Union nur wenige Unterstützer.

Die meisten Unterstützer hat ein Gesetzentwurf der Abgeordneten René Röspel (SPD), Ilse Aigner (CSU) und Thomas Rachel (CDU). Sie plädieren für eine einmalige Verschiebung des Stichtags vom 1. Januar 2002 auf den 1. Mai 2007. Damit hätten die deutschen Forscher Zugriff auf bis zu 500 Stammzelllinien. Auch Professor Otmar Wiestler, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums, empfiehlt eine "vorsichtige Öffnung" der Stichtagsregelung (Deutschlandradio Kultur, Interview mit Otmar Wiestler, 13.02.2007).

Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gewann die ethisch-politische Debatte im November vergangenen Jahres noch einmal an Fahrt: Forschern aus den USA und aus Japan ist es offenbar gelungen, embryonale Stammzellen aus reifen Körperzellen herzustellen. (Deutschlandfunk, Forschung Aktuell, 21.11.2007). Doch auch diese Rückprogrammierung wirft juristische und ethische Fragen auf (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 21.11.2007), und letztlich blieb umstritten, welche Schlussfolgerungen man aus diesem Experiment ziehen soll (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 21.11.2007).

Eine Gruppe um die Bundestagsabgeordneten Priska Hinz (Grüne), Julia Klöckner (CDU) und Herta Däubler-Gmelin (SPD) argumentiert allerdings unter anderem mit den Chancen alternativer Forschung an umprogrammierten Erwachsenenzellen. Die Abgeordneten fordern in ihrem Antrag, den Stichtag nicht anzutasten (Deutschlandfunk, Interview mit Julia Klöckner, 19.9.2007).

Auch eine Gruppe um den CDU-Abgeordneten Hubert Hüppe verweist auf die Alternative der Forschung an adulten Stammzellen, die aus Nabelschnurblut oder Fruchtwasser gewonnen werden. Sie verlangt einen Stopp und das Ende des Imports sowie der Forschung an embryonalen Stammzellen. (Deutschlandfunk, Interview mit Hubert Hüppe, 22.11.2007)

Beiträge zur Forschung an Stammzellen

Neben der politischen Debatte hat sich Deutschlandradio auch umfassend mit den wissenschaftlichen Aspekten der Stammzellforschung befasst. Eine Auswahl von Beiträgen:

Kontroverse Positionen - Wissenschaftler und Politiker streiten um embryonale Stammzellen (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 13.02.2008)

Induzierte Stammzellen - Wie man Körperzellen verjüngt(Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 25.11.2007)

Potenziale und Probleme - Wo steht die Forschung an adulten Stammzellen? (Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 06.05 2007)

Stammzellen gegen alles - Klinische Versuche der mit embryonalen Stammzellen (Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 06.05 2007)

Stammzellen, einmal anders - Wie lässt sich die 'Kraft' embryonaler Stammzellen auf andere Zellen übertragen (Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 06.05 2007)

Embryonale Stammzellen abseits der Therapie (Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 06.05 2007)

Stammzellforschung in Deutschland - Standpunkt aus der Wissenschaft von Hans R. Schöler (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 20.03 2007)

Alternative Stammzellgewinnung könnte ethische Bedenken ausräumen (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 16.05 2006)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:27 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr JazzFacts

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

ItalienBeppe Grillos Jagd auf den Killer-Journalismus

Beppe Grillo, der Anführer der "5-Sterne"-Bewegung, wirbt am 2. Dezember 2016 in Turin für ein "Nein" beim Referendum über eine Verfassungsreform in Italien. (dpa / picture alliance / ANSA / Alessandro Di Marco)

Roms Bügermeisterin Virginia Raggi war angetreten, die Regierungsfähigkeit von Beppo Grillos Fünf-Sterne-Bewegung zu demonstrieren. Doch stattdessen sorgt sie fast täglich für schlechte Presse. Grillo macht dafür einen Killer-Journalismus verantwortlich. Nun stellt er besonders verhasste Medienvertreter gezielt an den Pranger.

Zur Merkel-Kritik von Walter Kohl"Man schaut in einen fürchterlichen Abgrund"

Der Unternehmer und Coach Walter Kohl ist der älteste Sohn von Altkanzler Helmut Kohl. (dpa/picture-alliance/Inga Kjer)

Walter Kohl beschuldigt die Kanzlerin Angela Merkel, Anteil am Tod seiner Mutter zu haben. Der älteste Sohn von Hannelore und Helmut Kohl kritisiert Merkels Umgang mit der CDU-Parteispendenaffäre. Unser Kollege Stephan Detjen sieht die Aussagen als Ausdruck zerrütteter Familienverhältnisse.

KorruptionsregisterEin Gesetzentwurf ohne große Chancen

Bauarbeiter errichten ein Stahlgeflecht in Brandenburg.  (dpa-Bildfunk / Patrick Pleul)

Das Bundeswirtschaftsministerium will Unternehmen, die durch Korruption und andere Delikte auffällig wurden, von öffentlichen Aufträgen ausschließen. Das soll über ein Wettbewerbsregister geschehen. Volker Finthammer meint: Angesichts der vielen Parallelen mit früheren Versuchen liege die Vermutung nahe, dass auch dieser Vorstoß ins Leere laufe.

Lohme auf RügenBürgermeister kämpft für ein zweites Sylt

Der Bürgermeister der Gemeinde Lohme auf Rügen, Matthias Ogilvie: Er und seine Mitstreiter wollen einen Investor im Ort ein Hotel mit "Medical Spa" bauen lassen. Außerdem Appartements, Wohnhäuser und  (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)

Ein großartiger Blick von der Steilküste - der lässt sich doch vermarkten! In dem hoch verschuldeten Dorf Lohme auf Rügen tobt der Streit um ein neues Wellness-Zentrum, das Touristen in Massen anlocken soll. Wird sich der Bürgermeister aus dem Westen durchsetzen können?

Themenreihe Mittelpunkt MenschLehrer und blind

(Deutschlandradio / Jan Lehmann)

Martin Park erkennt jeden seiner Schüler an der Stimme. Denn sehen kann er sie nicht: Der Französisch- und Erdkundelehrer ist blind. Dass er trotz seiner Behinderung an einem Gymnasium unterrichten kann, verdankt er seinem Biss - aber auch Menschen, die ihm etwas zugetraut haben. Für ihn bedeutet Inklusion daher: Fordern, aber auch gefordert werden.

KARNEVAL UND FASCHINGFest für Herpes und Geschlechtskrankheiten

Heute beginnt in den Faschings-, Fastnachts- und Karnevalshochburgen die ganz heiße und sündige Zeit: Es wird gesoffen, geknutscht und gefummelt. Doch Vorsicht: Auch Herpesviren und Geschlechtskrankheiten lieben die tollen Tage.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Präsidentschaft  Französischer Grünen-Kandidat verzichtet auf Kandidatur | mehr

Kulturnachrichten

Neues Kulturzentrum in Athen eröffnet  | mehr

Wissensnachrichten

Artenschutz  Hunde spüren Geparden auf | mehr