Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bundestag verringert Truppenstärke in Afghanistan

Einsatz wird mit reduzierter Soldatenzahl verlängert

Bundeswehrsoldaten beobachten eine Landstraße am Stadtrand von Kunduz in Afghanistan (AP)
Bundeswehrsoldaten beobachten eine Landstraße am Stadtrand von Kunduz in Afghanistan (AP)

Ab Februar werden maximal 4900 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz sein: Der Bundestag hat das Mandat verlängert und zugleich damit begonnen, die Truppenstärke zu reduzieren. Bis 2014 sollen alle deutschen Kampftruppen das Land am Hindukusch verlassen haben.

Das Afghanistan-Mandat war vor wenigen Wochen vom Bundeskabinett beschlossen worden: Es wurde jetzt bis Ende Januar 2013 mit großer parlamentarischer Mehrheit bestätigt und damit verlängert. 424 Abgeordnete stimmten für das neue Mandat, 107 dagegen. 38 Parlamentarier enthielten sich.

Die Bundesregierung schreibt auf ihrer Webseite: "Die Reduzierung der Präsenz wird durch die positive Entwicklung im Lande möglich. Ziel der Bundesregierung ist es, zum Ende des Mandatszeitraums eine weitere Reduzierung auf bis zu 4.400 Soldatinnen und Soldaten vorzunehmen. Das geht aber nur, soweit die Lage dies erlaubt. Weder unsere Truppen noch die Nachhaltigkeit des Übergabeprozesses dürfen dadurch gefährdet werden."

Verteidigungsminister Thomas de Maiziére (CDU) sicherte im ZDF Afghanistan auch über 2014 hinaus Unterstützung zu. Soldaten, Polizisten und Experten sollen beim Aufbau des Landes und der Ausbildung von Sicherheitskräften noch über Jahre Unterstützung anbieten.

"Der Grünen-Politiker Tom Koenigs äußerte sich im Deutschlandradio Kultur zufrieden über die in dem neuen ISAF-Mandat enthaltene Abzugsperspektive. Zugleich sei es schwer, dem Mandat zuzustimmen, "wenn man so stark auf Menschenrechte und zivile Unterstützung aus ist".

Osama bin Laden in Khost, Afghanistan, 1998 (AP)Osama bin Laden 1998 (AP)

Jagd nach Osama bin Laden war der Auslöser

Die NATO rief 2001 nach den Attentaten in den USA vom 11. September 2001 erstmals in ihrer Geschichte auf Drängen der USA den Bündnisfall aus und besiegelte damit den Militäreinsatz in Afghanistan. Dort wurden die Drahtzieher der Anschläge vermutet, darunter der Chef des Al-Kaida-Netzwerks, Osama bin Laden. Er wurde im Mai 2011 von US-Spezialtruppen getötet.

Die damalige rot-grüne Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) stand wegen des Militäreinsatzes vor einer Zerreißprobe, doch die deutsche Beteiligung an der internationalen Schutztruppe ISAF (International Security Assistance Force) wurde letztlich beschlossen. Lange wurde das Wort "Krieg" im Zusammenhang mit dem Einsatz jedoch vermieden. Jahrelang wurden die deutschen Truppen als "Brunnenbauer" belächelt - bis die ersten Soldaten durch Anschläge oder in Kampfhandlungen getötet wurden. 54 deutsche Soldaten sind seit Beginn des Einsatzes ums Leben gekommen. 2011 wurde schließlich der Abzug vom Hindukusch geplant. Er soll bis 2014 abgeschlossen sein.

Warum ist Deutschland in Afghanistan?

Im Fragen- und Antwortkatalog der Bundesregierung zum Afghanistan-Einsatz heißt es zum "Warum" der Bundeswehrbeteiligung: "Deutschland engagiert sich als Teil der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan, um zu verhindern, dass Afghanistan wieder zum Rückzugsraum internationaler Terroristen wird. Die verheerenden Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington mit fast 3000 Opfern plante El Kaida unter dem Schutz der Taliban-Regierung in Afghanistan."


Mehr zum Thema:
bundeswehr.de - Afghanistan-Einsatz
Standpunkt der Bundesregierung zur Mandatsverlängerung Afghanistan-Einsatz
Rückfall in alte Muster
Gegner oder Gesprächspartner?
Strategien für Kundus
Hintergrund: Ein weiteres Jahr in Afghanistan
Niebel sieht Fortschritte in Afghanistan
Westerwelle: Afghanistan-Abzug soll 2011 beginnen
"Es ist nicht alles gut in Afghanistan" - Außenminister Westerwelle erklärt den deutschen ISAF-Einsatz am Hindukusch
Die Bilder im Kopf bleiben

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Marktplatz

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Islamexperte Ahmad Mansour"Antisemiten sind selbstbewusster geworden"

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)

Der Islamexperte Ahmad Mansour fordert ein nationales Konzept für den Umgang mit Antisemitismus. Judenfeinde seien selbstbewusster geworden und hätten weniger Hemmungen sich zu äußern, sagte der Psychologe im Dlf. Den aktuellen Antisemitismus hält er für herkunftübergreifend.

Vor 30 Jahren Warum ein Verkehrsunfall zur Gründung der Hamas führte

Anhänger der Hamas demonstrieren am 14.12.2016 in Gaza-Stadt. (dpa / EPA / Mohammed Saber)

Ein tragischer Verkehrsunfall und Gerüchte waren der Auslöser für die Gründung der Hamas am 14. Dezember 1987. Seitdem kämpft die radikal-islamische Bewegung für das palästinensische Volk und "seine Freiheit, seine Rückkehr und seine Unabhängigkeit im Namen Gottes".

Anke Engelke über "Sowas wie Angst"Gefühle sind stärker als Statistiken

Die Schauspielerin und Autorin Anke Engelke schaut 01.12.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) nach einem dpa-Gespräch im die Kamera. (zu dpa «Anke Engelke: «Habe mich als Kind schon supergern verkleidet»» vom 03.12.2017) Foto: Henning Kaiser/dpa | Verwendung weltweit (dpa)

In einer WDR-Dokumentation macht sich die Schauspielerin und Moderatorin Anke Engelke auf die Suche nach der Angst in unserer Gesellschaft. Sie sagt, die Kriminalstatistik könnte einem eigentlich die Angst nehmen, aber bei Vielen seien die Gefühle eben stärker.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Piketty-Studie  Einkommensverteilung wie 1913 | mehr

Kulturnachrichten

Tenor Bruce Rankin verstorben  | mehr

 

| mehr