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Bundeswehr baut gigantische Übungsstadt

Europaweit einmaliges Gelände für Auslandseinsätze

In der Übungsstadt sollen Bundeswehr-Soldaten für den Auslandseinsatz trainieren (dpa / Peter Endig)
In der Übungsstadt sollen Bundeswehr-Soldaten für den Auslandseinsatz trainieren (dpa / Peter Endig)

Eigentlich will die Bundeswehr im Zuge ihrer Reform viel Geld sparen. Nun fanden sich noch knapp 100 Millionen Euro für den Bau einer Übungsstadt mit eigenem Bahnhof, Industriegebiet und Elendsviertel. Das europaweit einmalige Trainingsgelände für den Häuserkampf entsteht in Sachsen-Anhalt.

Deutsche Soldaten sollen bald in Schnöggersburg für ihren Auslandseinsatz trainieren. Den Ort gibt es eigentlich nicht mehr: Die Wehrmacht hatte das Dorf in der Colbitz-Letzlinger Heide abgerissen, um einen Truppenübungsplatz zu bauen. Die karge Landschaft gilt als größtes zusammenhängendes Heidegebiet in Mitteleuropa und das größte unbewohnte Gebiet Deutschlands.

Die Bundeswehr will dort nun einen Ort mit mehr als 500 Gebäuden aus dem Boden stampfen. Dazu gehören Straßen, Kanalisation, ein 22 Meter breiter Fluss, eine Altstadt, eine Hochbausiedlung, ein Industriegebiet, ein U-Bahn-Tunnel und ein Elendsviertel. Das ganze Projekt kostet rund 100 Millionen Euro, davon sind 62 Millionen Euro bereits bewilligt. Die Bauarbeiten beginnen im Herbst. Diese Übungsstadt soll den Namen Schnöggersburg tragen.

Tausend Soldaten im Training

Ein Offizier zeigt auf entstehende Flächen in der Übungsstadt (dpa / Peter Endig)Ein Offizier zeigt auf entstehende Flächen in der Übungsstadt (dpa / Peter Endig)In der Übungsstadt sollen ab 2017 bis zu 1500 Soldaten für Gefechte jenseits der Idylle nördlich von Magdeburg trainieren. Der Leiter des Gefechtsübungszentrums, Dieter Sladeczek, begründete den Bau mit einer besseren Vorbereitung der Bundeswehr-Soldaten auf Einsätze zum Beispiel in Afghanistan oder im Kosovo. Sladeczek beschrieb als Beispiel einen Panzergrenadier, der durch die Straßen einer Stadt fahre: "Die Gefahr lauert in der Kanalisation, auf Häuserdächern, in Gebäuden. Attentäter verstecken sich in Menschenmengen. Darauf müssen die Soldaten vorbereitet sein, damit sie sich schützen und verteidigen können." Das Ziel sei, "so realistisch wie möglich zu üben", sagte Sladeczek.

Neben der Bundeswehr sollen auch niederländische Streitkräfte hier Einsätze üben dürfen. An nahezu 250 Tagen im Jahr wird in dem größten geschlossenen Lindenwald Europas trainiert - bislang Rückzugsort für viele Tiere. Eine Bürgerinitiative kämpft seit Jahren für eine zivile Nutzung der Heide.

Umstrittene Standortschließungen

Eine militärisches Übungsgebiet dieses Ausmaßes gibt es nach Darstellung der Bundeswehr in Europa bisher nicht. Es wird etwa sechs Quadratkilometer groß sein, also etwa dreimal so groß wie Monaco. Deutlich kleinere Varianten befinden sich in Frankreich und Großbritannien.

Die Bundeswehr will im Zuge ihrer Reform 32 Standorte schließen, 90 werden drastisch verkleinert. Am härtesten trifft es dabei das Saarland, Schleswig-Holstein und Bayern. Kasernen aus Sachsen-Anhalt stehen dagegen nicht auf der Streichliste. "Es gab keinen Wettbewerb oder etwas ähnliches", sagt Sladeczek. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) will den größten Teil der Bundeswehr-Reform bis Ende 2013 umgesetzt haben. Gerade gegen die Schließungen von Standorten hatten die betroffenen Kommunen heftig protestiert.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

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