Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bundeswehrverband bemängelt Ausrüstung

Bedenken gegen schnelle Eingreiftruppe für Afghanistan

Deutsche ISAF-Soldaten stehen in der deutschen Basis in Masar-e-Sharif, nördlich von Kabul. (AP)
Deutsche ISAF-Soldaten stehen in der deutschen Basis in Masar-e-Sharif, nördlich von Kabul. (AP)

Nach dem Willen der NATO und der Bundesregierung soll im Sommer eine schnelle Eingreiftruppe der Bundeswehr nach Afghanistan entsandt werden. Kritik an dem Einsatz kommt nicht nur von den Grünen und der FDP, sondern auch vom Bundeswehrverband.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, kritisierte mit Blick auf die Forderung der NATO Mängel und Nachholbedarf bei der Ausrüstung. Die deutschen Soldaten verfügten nicht über funktionierende Geräte zur Kommunikation mit ihren Verbündeten, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Auch fehlten Gefechtsfahrzeuge. Gertz verlangte von Verteidigungsminister Franz Josef Jung eine umgehende Behebung der Mängel. Zugleich forderte Gertz die Politik auf, den Einsatz als das zu bezeichnen, was er sei: "Wenn hier deutsche Soldaten aus der Gewalt der Taliban befreit werden müssten, ist das zweifellos ein Kampfauftrag".

"Dampftelefone wie vor 100 Jahren"

Auch der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, sieht "gravierende Defizite" beim Ausrüstungsstand der Bundeswehr in Afghanistan. Die Soldaten vor Ort benötigten eine umfassende Echtzeitaufklärung Tag und Nacht. Außerdem fehle ein modernes, leistungsfähiges Führungs- und Informationssystem. Zudem mangele es an schweren Waffen, um Gegner auf größere Distanzen bekämpfen zu können, sagte Kujat im Deutschlandfunk. (Text / MP3-Audio)

Klaus Reinhardt, früher Oberbefehlshaber der internationalen Truppen im Kosovo, sagte, besonders im Fernmeldebereich müssten die Deutschen besser ausgestattet werden. Er forderte im Deutschlandfunk außerdem mehr Fahrzeuge, um die Soldaten ausreichend schützen zu können. (Text/ MP3-Audio)

Der Verteidigungsexperte der Grünen, Winfried Nachtwei, sagte im ebenfalls im Deutschlandfunk, für eine angemessene Ausstattung der im Ausland eingesetzten Soldaten sei kein größerer Verteidigungsetat erforderlich. Vielmehr müsse das vorhandene Geld anders und unbürokratischer eingesetzt werden. Zur Anfrage der NATO, eine schnelle Eingreiftruppe in Nordafghanistan zur Verfügung zu stellen, meinte Nachtwei, diese dürfe auf keinen Fall der Türöffner für einen Einsatz im Süden des Landes sein. (Text MP3-Audio)

FDP fordert Konzentration auf zivilen Aufbau

Die FDP plädierte unterdessen dafür, sich beim Engagement in Afghanistan auf zivile Aufgaben zu konzentrieren. So müssten die Anstrengungen bei der Polizeiausbildung und beim Wideraufbau verstärkt werden, sagte die stellvertretende FDP-Bundestagfraktionsvorsitzende, Birgit Homburger, im Deutschlandradio Kultur. Angesichts des schlechten Ausrüstungsstands der Soldaten sei die Entsendung einer schnellen Eingreiftruppe fragwürdig. (Text/ MP3-Audio)

Der afghanische Präsident Hamid Karsai übte Kritik an der geplanten Verstärkung ausländischer Truppen in seinem Land. Der Tageszeitung "Die Welt" sagte er: "Ich bin nicht sicher, ob die Entsendung weiterer Truppen die richtige Antwort wäre".

Gestern war die seit längerem erwartete Bitte der NATO nach Entsendung einer schnellen Eingreiftruppe der Bundeswehr beim Bundesverteidigungsministerium eingetroffen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:27 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:10 Uhr Aus Religion und Gesellschaft

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Neu auf dem SmartphoneMit der App gegen Schädlinge

Kartoffelkäferlarven auf einer Kartoffelpflanze (dpa/picture alliance/Peter Kneffel)

Mit der App "Plantix" lassen sich Schädlinge im Garten bestimmen. Die Anwendung hat riesiges Potenzial. Fernziel ist eine App für sämtliche Pflanzenkrankheiten - weltweit.

Kunst in der AustastlückeBunte Bilder für den Teletext

Vom 1. bis 30. September 2016 gestaltet der britische Künstler Dan Farrimond täglich eine Seite im ARD-Teletext.  (ARD-Text)

Es ist wie Ministeck, was Dan Farrimond auf der Mattscheibe macht: Bis Ende September wird der britische Künstler täglich eine Seite im ARD-Text gestalten - einem Medium, das trotz Twitter und Facebook nicht totzukriegen ist.

Flüchtlinge und ArbeitsmarktIntegration hakt bereits am Anfang

Omar Ceesay und Schreiner Karl-Heinz Kübler arbeiten an einem Türrahmen. (dpa / Felix Kästle)

Ein Jahr ist es her, dass Kanzlerin Angela Merkel die in Ungarn gestrandeten Flüchtlinge ins Land ließ und ihren berühmt gewordenen Leitspruch formulierte: "Wir schaffen das". Doch bei dem Versuch, die neu Ankommenden auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren, hakt es oft bereits am Anfang.

Ein Jahr "Wir schaffen das""Mehr zustande gebracht, als uns zugetraut wurde"

Kanzleramtsminister Peter Altmaier spricht im Mai 2016 in Berlin. (imago / Xinhua)

Kanzleramtsminister Peter Altmaier hat eingeräumt, dass zu Beginn der Flüchtlingskrise "manche Erwartungen nicht erfüllt" wurden. Inzwischen seien auf europäischer Ebene mit dem Schutz der Außengrenzen aber Fortschritte erzielt worden, sagte er im DLF. Und Deutschland habe sich seiner "humanitären Verantwortung" gestellt.

Gülen-BewegungSchulen gründen, warum nicht?

Fethullah Gülen (dpa/picture-alliance)

Schulen gründen, die Heilige Schrift studieren, Einfluss auf die Gesellschaft nehmen: Die Bewegung des Predigers Fetullah Gülen steht dafür im Kreuzfeuer der Kritik. Für den Jesuitenpater Klaus Mertens klingen die Anliegen der Bewegung jedoch vertraut - und gar nicht anrüchig. Eine Verteidigung.

FacebookChaos bei den Trending Topics

Im Mai musste sich Facebook gegen Vorwürfe der Konservativen in den USA wehren, sie würden die Trending Topics manipulieren und Nachrichten mit ihrer Weltsicht benachteiligen. Eine Untersuchung ergab zwar keine Hinweise auf eine Verzerrung, trotzdem wurden die 15 Mitarbeiter des Trending Topics Team jetzt entlassen. Die Folge: Chaos im Newsstream.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

UNO-Sicherheitsrat  Debatte über Chemiewaffenbericht zu Syrien | mehr

Kulturnachrichten

Moses Mendelssohn Medaille für Ulla Unseld-Berkewicz | mehr

Wissensnachrichten

Skandinavien  Ehelosigkeit ist offenbar gut für die Frauenrechte | mehr