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Bundesweit Bauernhöfe wegen Dioxin-Funden gesperrt

Regierung prüft, ob Regeln für Futtermittelerzeugung verschärft werden können

Von außen nicht erkennbar: Wie giftig ist das Ei? (dpa)
Von außen nicht erkennbar: Wie giftig ist das Ei? (dpa)

Nach den Dioxin-Funden in Eiern und Tierfutter wird über die Qualität der Lebensmittelsicherheit diskutiert. Das Bundesverbraucherministerium kündigte an, nach der Sperrung von mehr als 1000 Höfen schärfere Auflagen für die Hersteller zu prüfen.

Besonderes Augenmerk gelte dabei Betriefen, die sowohl Futterfette herstellen als auch technische Öle, die auf keinen Fall in Futtermittel gelangen dürften, hieß es aus dem Ministerium. Möglicherweise müsse eine Trennung solcher Betriebe erfolgen.

Hier hat eine Firma mutwillig eine Grenze überschritten. Sie hat ein industrielles Nebenprodukt, eigentlich einen giftigen Abfallstoff, in die Kette der Lebensmittelerzeugung eingeschleust, heißt es im Kommentar vom Deutschlandfunk.

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat unterdessen Ermittlungen gegen einen Futtermittelhersteller in Schleswig-Holstein eingeleitet. Das Unternehmen soll jahrelang Fettsäure aus der Biodiesel-Produktion für die Futtermittel-Herstellung verwendet haben.

Die EU-Kommission in Brüssel will von Deutschland wissen, ob belastete Produkte wie Fleisch in andere Mitgliedsstaaten exportiert wurden. Es sei aber noch zu früh, um über ein Exportverbot zu entscheiden.

Futtermittelunternehmen unzureichend kontrolliert

An der der Fleisch-, Milch- oder Eiererzeugung hat die Futtermittelindustrie einen großen Anteil. "Da geht es um Bruchteile von Cents. Und die Versuchung ist offenbar groß, die Tiere mit minderwertigen Rohstoffen zu ernähren", erläuterte Georg Ehring aus der Deutschlandfunk-Umweltreaktion in unserem Programm (mp3-Audio).

Schon in der Vergangenheit habe es Probleme gegeben, den Einsatz solcher "technischen Fette", die für Mensch und Tier ungeeignet sind, zu kontrollieren. Die Futtermittelindustrie habe sich immer wieder gegen solchen Kontrollen gesperrt - und zwar mit dem Hinweis, dass alles in Ordnung sei.

Eier im Eierhörtchen (Stock.XCHNG / Greg Olsen)Eier im Eierhörtchen (Stock.XCHNG / Greg Olsen)

Dioxin ist stark krebserregend

Dioxin, wie es jetzt in der Tiernahrung gefunden wurde, ist eines der stärksten bekannten Krebsgifte, es ist also sehr stark krebserregend. "Es ist eine gefährliche Chemikalie, bei der es keine Untergrenze gibt, ab der sie als ungefährlich eingestuft weren kann", so Ehring. Dioxine entünden zumeist bei industriellen Verbrennungsprozessen.

Laut Bundesamt für Risikobewertung ist mit einer akuten Gesundheitsgefährdung durch das verseuchte Futtermittel nicht zu rechnen. Die Verunsicherung aber bleibt - zumal nicht klar ist, wie viele Höfe das verseuchte Futtermittel eingesetzt haben.

Bundesweit wurden Bauernhöfe gesperrt, allein in Niedersachsen rund 1.000. Das giftige Fett wurde aber auch auf Höfen unter anderem in Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gefunden beziehungsweise dort an Tiere verfüttert.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium kündigte unterdessen an, es solle untersucht werden, wie die Regeln für Futtermittelhersteller schärfer gefasst werden können. Zunächst solle aber genau analysiert und die Ursache geklärt werden.

Hinweis für Verbraucher: Laut der Verbraucherzentrale Hamburg können mit Dioxin verseuchte Eier an den Erzeuger-Codes erkannt werden. Eier mit den Codes 2-DE-0350121 und 2-DE-0350372 weisen demnach eine Dioxinbelastung auf, die über dem zugelassenen Grenzwert liegt.

Programmhinweis: Im Deutschlandradio Kultur hören Sie am Mittwoch, 5. Januar, um 7.50 Uhr ein Interview mit Ulrike Höfken, stellvertretende Vorsitzende des Bundesausschuss für Ernährung und Landwirtschaft zum Thema: Dioxin-Skandal - Wie können Verbraucher besser geschützt werden? Wie können Produktionswege transparenter gemacht werden?

Mehr in unserem Programm:

Dioxin in Futtermittel entdeckt <br>Chemiker über die Ursachen und die Gefährlichkeit der Verunreinigungen

Schmierstoff gehört nicht in Tierfutter <br> Zum Dioxin-Skandal

Dioxin-Skandal: Bedeutung für die Verbraucher (Ortszeit, 4.1. 2010, DKultur)

"So schnell wie jetzt hätte man dieses Problem vor zehn Jahren nicht identifiziert" - Tiernahrungsverband nimmt Futtermittelbetriebe in Schutz

"foodwatch": Bekannte Lücken schließen - Lebensmittelorganisation fordert bessere Kontrollen

"Den gesamten Herstellungsprozess zertifizieren" - FDP-Verbraucherschutzpolitiker über Dioxin in Lebensmitteln



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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