Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bush kritisiert russische Militäroffensive

Truppen rücken offenbar erneut nach Gori vor

Eine Frau vor einem zerstörten Haus in Gori, Georgien (AP)
Eine Frau vor einem zerstörten Haus in Gori, Georgien (AP)

US-Präsident George W. Bush hat sich besorgt über die russischen Militäraktionen in Georgien geäußert und Moskau aufgefordert, den vereinbarten Waffenstillstand einzuhalten. Russland müsse seine Truppen zurückziehen, sagte Bush in Washington.

Er reagierte damit auf Meldungen, nach denen sich russische Panzer bis auf 50 Kilometer der Hauptstadt Tiflis genähert hätten. Die georgische Regierung beschuldigte Russland, auch heute die Stadt Gori nördlich von Tiflis bombardiert zu haben.

Die EU-Außenminister zeigten sich zur Entsendung von Beobachtern in die abtrünnigen georgischen Provinzen Südossetien und Abchasien bereit. Allerdings strebe man zuvor ein entsprechendes Mandat der Vereinten Nationen an, erklärte der französische Außenminister Bernard Kouchner (Robert Baag berichtete in den "Informationen am Abend" im Deutschlandfunk über die Situation in GeorgienMP3-Audio).

Zuvor zeigten sich die EU-Staaten uneins in der Bewertung des Konflikts. Der britische Außenminister David Miliband warf Russland eine offene Aggression vor. Die Europäische Union müsse nun prüfen, ob und wie die Partnerschaft mit Moskau weitergeführt werden solle, meinte Miliband vor einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte dagegen vor übereilten Schuldzuweisungen. Er sprach sich für ein verstärktes Engagement der EU bei der Stabilisierung der Lage in der Konfliktregion aus.

Ähnlich äußerte sich Finnlands Außenminister Alexander Stubb. Nötig sei ein internationales System der Friedenssicherung in den abtrünnigen georgischen Provinzen, meinte Stubb.

Friedensplan zwischen Russland und Georgien

Nach fünf Tagen Krieg im Südkaukasus hatten Russland und Georgien sich auf eine Waffenruhe geeinigt. Beide Länder stimmten einem von der EU vermittelten Friedensplan zu. Das Abkommen sieht vor, dass beide Seiten auf Gewalt verzichten, ihre Truppen zurückziehen und Helfern den Zugang zu den Opfern ermöglichen.

Der französische Präsident und EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy hatte den Plan zuerst in Moskau und dann in Tiflis verhandelt. Auf georgischen Wunsch wurde eine Formulierung gestrichen, die eine internationale Diskussion über den künftigen Status der abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien vorsah.

Sarkozy betonte, die Sorge um die territoriale Einheit Georgiens sei in dem Friedensplan enthalten. Zugleich zeigte sich der EU-Ratspräsident stolz, dass die Europäische Union eine führende Vermittlerrolle in der Krise eingenommen habe.

"Es hat keinen georgischen Einmarsch in Südossetien gegeben"

Der Botschafter Georgiens in Deutschland, Levan Duchidze, hat jede Verantwortung seines Landes für den Krieg im Kaukasus zurückgewiesen. Russland sei es um viel mehr gegangen als um den Schutz der eigenen Staatsangehörigen, sagte Duchidze im Deutschlandfunk. Das habe sich daran gezeigt, dass die Moskauer Truppen weit über Südossetien und Abchasien hinaus nach Georgien eingedrungen seien. (Text / MP3-Audio)

Am Dienstag hatte der russische Präsident Dmitri Medwedew das Ende der Kampfhandlungen im Südkaukasus angeordnet. Der "Aggressor" sei bestraft worden, sagte Medwedew. Trotz der Ankündigung kam es auch gestern zu einzelnen Feuergefechten in der Krisenregion. (Korrespondent Robert Baag berichtet, MP3-Audio)

Der ehemalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium Walther Stützle geht davon aus, dass Georgien nicht die vollständige Herrschaft über Südossetien zurückerhalten wird. Verlierer sei aber auch die Europäische Union, weil im Vorfeld das Prinzip der gemeinsamen Sicherheit völlig in Vergessenheit geraten sei, sagte Stützle im Deutschlandfunk.

Bei den fünf Tage währenden Kämpfen sind nach russischen Angaben etwa 2000 Menschen ums Leben gekommen. Auch mehrere ausländische Journalisten wurden getötet. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk rechnet damit, dass ungefähr 100.000 Menschen auf der Flucht sind.

Baberowski: Georgienkonflikt ist kein neuer Kalter Krieg

Der Historiker Jörg Baberowski hält nichts davon, den Georgienkonflikt einen neuen Kalten Krieg zu nennen, wie einige US-Kommentatoren. Schließlich sei dies keine Auseinandersetzung zwischen zwei Systemblöcken. Der Konflikt sei von russischer Seite lange vorbereitet worden, indem an die Bevölkerung russische Pässe verteilt wurden. Seit Jahren finde eine systematische Destabilisierung der Region statt, sagte Baberowski im Deutschlandradio Kultur.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:30 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:35 Uhr Tag für Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:07 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Malawi zwischen Dürre und FlutHunger im Land der Wetterextreme

Menschen erhalten am 15.3.2016 an einem Verteilungspunkt des UN World Food Programme nordwestlich von Lilongwe, Malawi, Lebensmittelhilfe. (picture alliance / dpa / Unicef / Chipiliro Khonje)

Im April hat die Regierung in Malawi wegen der Hungerkrise den Notstand ausgerufen: Derzeit sind mehr als acht Millionen Menschen in dem afrikanischen Land von Lebensmittelhilfe abhängig. Diszipliniert stehen sie in der brennenden Sonne Schlange.

RaumfahrtWeltraumbahnhof, teilmöbliert, in ruhiger Lage zu vermieten

Spaceport America. Das klingt nach Raumfahrt, Rakten, Weltall. Die Raumfahrtsache im ganz großen Stil. Tatsächlicher aber warten und hoffen sie dort auf irgend wen, der den Spaceport nutzen will. Für den Flug ins All, als Partylocation oder auch als Filmkulisse. Hauptsache Geld kommt rein.

Kriminalität im PflegesystemGut gepflegt - oder gepflegt betrogen?

Krankenhaus (imago/Gerhard Leber)

Rund 14.000 ambulante Pflegedienste gibt es in Deutschland, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zu alten oder kranken Menschen ins Haus und pflegen sie dort. Doch nicht immer wird geleistet, was bezahlt wird. Der Abrechnungsbetrug ist so lukrativ, dass sich schon die organisierte Kriminalität dafür interessiert. Eine Gesetzesänderung soll Abhilfe schaffen.

WirtschaftRussland spürt die Brexit-Folgen schon

Ein Skateboardfahrer fährt an der Anzeigetafel einer Wechselstube in Moskau vorbei. Im Hintergrund moderne Hochhäuser. (EPA/SERGEI ILNITSKY)

Angesichts der drohenden wirtschaftlichen Folgen hat Russlands Präsident Wladimir Putin zurückhaltend auf das britische Referendum reagiert. Doch russische Kommentatoren sind sich sicher, das britische Nein zur EU hat im Kreml für Hochstimmung gesorgt. Denn viele meinen: Erst zerfällt die EU, dann die NATO.

Niederländische Leseclubs in BerlinTanzen, trinken, diskutieren

Die niederländische Schriftstellerin Bregje Hofstede beim MAG-Festival am 24.6.2016 in Berlin (Deutschlandradio / Gesa Ufer)

Mit ihrer Kombination aus Party, Lesung und Gespräch sind die Lesefestivals des MAG-Verlags in den Niederlanden eine Legende. In der vergangenen Woche fand auch in Berlin ein solches Lesefestival statt.

Fußball-TaktikNationaltrainer denken vor allem defensiv

Joachim Löw (3. von rechts) spricht während des Trainings in Ascona mit den Spielern der deutschen Nationalmannschaft. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Tore sind Mangelware. Diese Europameisterschaft ist bisher alles andere als ein Offensivspektakel. Taktikexperte Tobias Escher erklärt, warum das so ist und wieso die DFB-Elf eine Ausnahme darstellt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brüssel  EU-Gipfel befasst sich mit britischer Brexit-Entscheidung | mehr

Kulturnachrichten

Marcel Beyer erhält Georg-Büchner-Preis  | mehr

Wissensnachrichten

Brexit  Viele Briten wollen noch schnell irischen Pass beantragen | mehr