Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Cameron bestreitet zu enge Beziehungen zum Murdoch-Imperium

Britischer Premier äußert sich vor Parlament zur Abhöraffäre

Premierminister David Cameron spricht im britischen Unterhaus über die Abhöraffäre. (picture alliance / dpa)
Premierminister David Cameron spricht im britischen Unterhaus über die Abhöraffäre. (picture alliance / dpa)

Der britische Premierminister David Cameron hat vor dem Parlament eingeräumt, "in der Rückschau" hätte er den Ex-Chefredakteur der "News of the World", Andy Coulson, nicht als Regierungssprecher eingestellt. Eine zu große Nähe zum Murdoch-Konzern bestritt er aber.

In der außerordentlichen Sitzung des Parlaments wies Cameron auch die Vorwürfe zurück, seine Regierung habe versucht, polizeiliche Ermittlungen zum Abhörskandal der "News of the World"-Journalisten zu verhindern.

Die Abhöraffäre habe das Vertrauen der Menschen in die Medien, in die Polizei und die Politik erschüttert, sagte Cameron - und schlug reihenweise Untersuchungsausschüsse vor, um dieses Vertrauen wiederzugewinnen. Das klinge sehr energisch, man müsse nur wissen, dass Untersuchungsausschüsse in Großbritannien das probate Mittel seien, um missliche Themen einfach verschwinden zu lassen, berichtet Barbara Wesel im Deutschlandradio Kultur.

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch und seine engste Vertraute, die ehemalige Vorstandschefin der Verlagsgesellschaft News International, Rebekah Brooks (AP - Ian Nicholson)Der Medienunternehmer Rupert Murdoch und die ehemalige Vorstandschefin der Verlagsgesellschaft News International, Rebekah Brooks (AP - Ian Nicholson)Nach Rücktrittsforderungen der Opposition hatte Cameron offenbar die Notwendigkeit einer öffentlichen Erklärung gesehen, eine Afrika-Reise abgebrochen und sich heute dem Parlament gestellt. Es war nicht nur Kritik daran aufgekommen, dass er den "News of the World"-Mann zu seinem Regierungssprecher gemacht hatte; Coulson musste im Januar seinen Posten aufgeben. Auch die Kontakte zur früheren Chefredakteurin des Boulevard-Blattes, Rebekah Brooks, ließen viele Fragen offen. So soll sie zur Feier seines 44. Geburtstages eingeladen worden sein. Die Einladung war von der Downing Street zunächst verschwiegen worden. Cameron werden zudem mehrfache Kontakte zu Managern der News-International-Sparte angelastet.

Rebekah Brooks hatte gestern in einer Anhörung erklärt, sie sei nicht über das Vorgehen ihrer Journalisten informiert gewesen - was Kritiker für so gut wie unmöglich halten.

Ein Mann kauft die letzte Ausgabe der britischen Boulevardzeitung "News of the World". (AP - Sang Tan)Ein Mann kauft die letzte Ausgabe der britischen Boulevardzeitung "News of the World". (AP - Sang Tan)

Murdoch will nichts von Abhörpraktiken gewusst haben

Rupert Murdoch hatte sich gestern vor einem Parlamentsausschuss für die Recherche-Praktiken bei der Zeitung entschuldigt. Er selbst habe jedoch nichts davon gewusst. Frank Esser, Medienwissenschaftler an der Universität Zürich, hat den Eindruck, dass Rupert Murdoch bei seinen Aussagen vor dem britischen Parlamentsausschuss "stark durch seinen Rechtsbeistand gesteuert war". Zugleich habe man ihn fast schon als "etwas senil" wahrgenommen.

"Es dürfte nie möglich sein, dass ein Mann wie Rupert Murdoch ein solches Imperium schaffen kann und so viel Macht ausüben kann über Politiker und Polizei", sagt der britische Europaabgeordnete Graham Watson. Er fordert ein Gesetz gegen solche Machtkonzentrationen.

In der britischen Medienlandschaft herrsche eine "eine ziemlich brutale und zynische Kultur", sagt der frühere Großbritannien-Korrespondent Peter Bild. Praktisch alle Politiker hätten mehr oder weniger alles gemacht, um Murdoch-Zeitungen auf ihre Seite zu bringen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:30 Uhr Tag für Tag

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Verhältnis zwischen AfD und Christen"Das Christentum in Geiselhaft genommen"

Ein Mann mit einem AfD Poloshirt und einer Kette mit Kreuz um den Hals. (imago  /Jens Jeske)

Für manche konservative Christen ist die AfD attraktiv – etwa in der Abtreibungsfrage. Wiederum helfen die Kirchen Flüchtlingen, suspekt für die AfD. Ein Gespräch mit dem Publizisten Wolfgang Thielmann über sein Buch "Alternative für Christen?" und wie die Kirchen mit der Partei umgehen sollten.

Sommerreihe: Die Qual der Wahl"Heute ist es ohne Weiteres möglich, nicht gläubig zu sein"

Ein steinernes Kreuz an der Kreuzung der Calle de Toledo und der Calle de los Cuchilleros im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid. (imago / Mangold)

Wer heute gläubig sei, sei sich dessen voll bewusst, dass er oder sie genauso gut auch nicht gläubig sein könnte, meint der Sozialphilosoph Hans Joas. In die Attraktivität von Religionsgemeinschaften fließe auch immer ein, wie sie sich zu zentralen politischen Fragen wie sozialer Ungleichheit stellten.

Flüchtlinge aus Gambia in Oberschwaben"Die werden behandelt wie alle anderen auch"

Oberschwaben (Deutschlandradio / Ellen Häring)

Als Ende 2014 Flüchtlinge in ganz Deutschland verteilt wurden, kamen 24 Gambier ins schwäbische Oberzell. Heute arbeiten 19 von ihnen in Vollbeschäftigung und sozialversicherungspflichtig. Damit ist Oberzell Spitzenreiter bei der beruflichen Integration von Zuwanderern.

Der Fall Doğan Akhanlı Ein Missbrauch internationaler Verträge

Auftritt des türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Tempodrom in Berlin. Der Premier sprach 2014 vor tausenden Anhängern auf der von den European Turkish Democrats (UETD) organisierten Veranstaltung. (imago - Christian Mang)

Der eigentliche Grund für die Festnahme des türkischstämmigen Schriftstellers Doğan Akhanlı in Spanien dürfte dessen Beschäftigung mit dem türkischen Völkermord an den Armeniern sein, meint Kemal Hür. Dass der türkische Präsident Erdoğan aber inzwischen so weit gehe, Kritiker auch im europäischen Ausland zu verfolgen, sei ein Skandal.

Religion in ComputerspielenDaddeln und trauern

Logo von World of Warcraft. (imago / Ina Fassbender)

In World of Warcraft gibt es auf einer Insel einen Gedenk-Hain für den verstorbenen Schauspieler Robin Williams. Und auch in anderen virtuellen Welten wird immer öfter an real existierende Weggefährten erinnert oder religiöse Symbole tauchen auf.

Publizist Michael Naumann über Rassismus"Amerika hat sich seit Martin Luther King sehr langsam verbessert"

Michael Naumann (dpa / Robert Schlesinger)

In den USA gebe es noch immer einen "kulturellen Rassismus", sagt der Publizist und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das Hauptproblem des Landes aber sei, dass auch dem US-Präsidenten Donald Trump "rassistische Attitüden" nachgewiesen werden können.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Urlaubsinsel Ischia  Mindestens ein Toter bei Erdbeben, zahlreiche Vermisste | mehr

Kulturnachrichten

Keine Konföderierten-Denkmäler an Uni Texas | mehr

 

| mehr