Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Cameron droht Randalierern mit harten Strafen

Krawalle in Großbritannien in der vierten Nacht in Folge

David Cameron gibt vor seinem Amtssitz in London eine Stellungnahme zu den gewaltsamen Krawallen ab. (picture alliance / dpa / Andy Rain)
David Cameron gibt vor seinem Amtssitz in London eine Stellungnahme zu den gewaltsamen Krawallen ab. (picture alliance / dpa / Andy Rain)

Nach den erneuten Auschreitungen und Plünderungen will Premierminister David Cameron noch härter gegen jugendliche Gewalttäter vorgehen. Gestern war es erstmals auch in Manchester zu Randalen gekommen. In Birmingham starben drei Menschen. Sie wurden unter ungeklärten Umständen von einem Auto überfahren. In London blieb es dank 16.000 Polizisten vor Ort relativ ruhig.

Cameron kündigte erneut scharfe Konsequenzen für gewalttätige Randalierer an. Der Regierungschef erklärte nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in London, auch der Einsatz von Wasserwerfern sei möglich - erstmals seit dem Nordirland-Konflikt. Laut Cameron will die Regierung auch das Gefängnissystem ausbauen.

Auch in Manchester konnte die Polizei das Abfackeln von Gebäuden nicht verhindern (picture alliance / dpa / Dave Thompson)Auch in Manchester konnte die Polizei das Abfackeln von Gebäuden nicht verhindern (picture alliance / dpa / Dave Thompson)Seit am Donnerstag vergangener Woche ein Mann bei einem Polizeieinsatz im Londoner Stadtteil Tottenham erschossen wurde, kommt Großbritannien nicht zur Ruhe. In vielen britischen Städten eskalierten in den vergangenen Tagen die Proteste, ganze Straßenzüge gingen in Flammen auf. Hunderte Menschen wurden mittlerweile festgenommen, knapp 700 allein in London. Ein Demonstrant erlag gestern seinen Verletzungen.

Es gibt eine "organisierte Kriminalität" bei den jetzigen Krawallen, meint Graham Watson, Europa-Abgeordneter der Liberalen: Das unterscheide die Proteste von früheren Zusammenstößen. Watson rechnet mit weiteren Krawallen in seinem Land, wenn die bereits beschlossenen Sparmaßnahmen erst einmal umgesetzt worden sind. Allerdings sei die finanzielle Lage in Großbritannien so schlecht, dass es keine Alternative zu den Kürzungen gebe.

Kein Job, kein Geld, keine Perspektive

Die Ursachen solcher Krawalle sind weltweit die gleichen: Arbeits- und Perspektivlosigkeit in sozialen Brennpunkten entlädt sich bei vermeintlichen Provokationen durch den verhassten Staat. Die Jugendlichen geben dem System, in dem sie leben, die Schuld an ihrer Misere.Auch in London geht es nicht mehr um ethnische oder rein soziale Probleme: Es geht ums Geld.

Ein brennendes Gebäude im Londoner Bezirk Croydon (AP)Ein brennendes Gebäude im Londoner Bezirk Croydon (AP)Die britische Politik verhalte sich ignorant gegenüber der Lage der verarmten Jugendlichen, sagt so auch die in London lebende Autorin Zoe Jenny. In manchen Gegenden herrsche extremes Elend - und schon seit Jahren liege eine latente Aggression in der Luft.

Eine gerechtere, solidarischere Gesellschaft wäre die beste Verbrechensprävention, kommentiert Großbritannien-Korrespondent Jochen Spengler: Doch die sei von der Regierung Cameron nicht zu erwarten.

Der ehemalige britische Botschafter in Deutschland, Peter Torry, verteidigt den Premierminister. Die zuletzt aufgelegten massiven Sparprogramme in Großbritannien könnten nicht als Begründung für die gewaltsamen Auseinandersetzungen dienen.

Welche Rolle spielen Smartphones und Soziale Netzwerke?

Viele Medien berichten, dass die Randalierer sich mit Hilfe von Sozialen Netzwerken organisieren. Einige der betroffenen Unternehmen wollen mit den Behörden kooperieren, auch wenn die Rolle der neuen Medien bei den Ausschreitungen nicht unumstritten ist. Für den Blogger Linus Neumann ist vor allem die Bedeutung der Mobiltelefone überbewertet.

Porträts von Zyad und Bouna, die auf der Flucht vor der französischen Polizei 2005 starben (picture alliance / dpa)Porträts von Zyad und Bouna, die auf der Flucht vor der französischen Polizei 2005 starben (picture alliance / dpa)

Erinnerungen an Krawalle in Frankreich

Die Bilder aus Großbritannien gleichen denen vom Oktober 2005 in Frankreich: Dort starben bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und Jugendlichen in Clichy-sous-Bois zwei Teenager auf der Flucht vor den Beamten. Wochenlang brannte daraufhin die Banlieue. Tausende Autos, Schul- und Polizeigebäude - die Jugendlichen fackelten alles ab, was sich ihnen in den Weg stellte.



Mehr zum Thema bei dradio.de:
Blogger: Blackberrys beherrschen keine Verschlüsselung - Linus Neumann über die Rolle der Soziale Medien bei den britischen Unruhen (Thema, DKultur)
Eliteforscher: Die britische Gesellschaft hat sich sehr verändert - Ursachen für die Jugendkrawalle in Großbritannien (Campus und Karriere, DLF)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:35 Uhr Tag für Tag

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

Debatte um europäische AnnäherungWelches Europa wollen wir?

Verschiedenfarbige Köpfe, im Hintergrund: Sterne der EU-Flagge. (imago/Ikon Images)

Während man sich in Deutschland noch in Sachen Regierungsbildung abmüht, macht Emanuel Macron Druck. Er will ein neues Kapitel in Europa aufmachen. Und das möglichst bald. Davon sollte man sich nicht beeinflussen lassen meint allerdings der Publizist und Historiker Klaus Rüdiger Mai.

Studie über KinderarmutEinmal arm, lange arm

Kinder stehen in einem Kindergarten in Hamburg. (dpa-Bildfunk / Christian Charisius)

Gut 20 Prozent aller Kinder in Deutschland leben laut einer Studie länger als fünf Jahre in armen Verhältnissen. Für weitere 10 Prozent sei Armut zumindest ein zwischenzeitliches Phänomen, heißt es in einer Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Fazit: Wer einmal arm sei, bleibe es in den meisten Fällen für lange Zeit.

Aus den FeuilletonsDer nächste US-Import: Polarisierung

Zwei Stiere verkeilt im Konflikt (imago stock&people / Copyright Marcus Butt)

Die "Welt" blickt mit Sorge auf die USA und würdigt einen Autor, der die Polarisierung des Landes beschreibt und analysiert. Die "Süddeutsche" diskutiert den aktuellen Tatort und die "FAZ" war auf einer Preisverleihung.

Asteroid in optimaler OppositionDer Iris-Planet im Widder

Der Asteroid Iris (roter Punkt) steht gerade im Sternbild Widder  (Stellarium)

Im Sommer 1847 entdeckte der Brite John Russell Hind den Himmelskörper Iris. Er war das siebte Objekt zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter – und galt in den ersten Jahren nach der Entdeckung noch als Planet.

Gelungene Opernpremiere in Stuttgart Halbe Inszenierung ohne Regisseur Kirill Serebrennikow

Die Opernsängerin Esther Dierker (Gretel) probt am 19.03.2017 im Opernhaus in Stuttgart (Baden-Württemberg) eine Neuinszenierung der Oper "Hänsel und Gretel". Die Inszenierung war von dem in Moskau in Hausarrest sitzenden Regisseur Kirill Serebrennikow geplant. Die Oper hielt trotzdem an der Neuinszenierung der Oper «Hänsel und Gretel» fest. Die Premiere der unvollendeten Arbeit ist am 22.10.2017. (zu dpa: "Oper "Hänsel und Gretel" vom 23.10.2017) Foto: Bernd Weißbrod/dpa | Verwendung weltweit (dpa)

Die Stuttgarter Oper hat die Märchenoper "Hänsel und Gretel" inszeniert. Weil aber der Regisseur der Inszenierung, Kirill Serebrennikow, in Russland unter Hausarrest steht, führte das Haus das Stück als eine Art Fragment auf und unterstützte damit die Forderung nach einer Freilassung des Künstlers.

Lage der Rohingyya in Myanmar Das Elend der Ungewollten

Das Bild zeigt muslimische Kinder im Lager Da Paing IDP bei Sittwe im Bundesstaat Rakhine.  (AFP / Hla Hla Htay)

Vor der Militärgewalt sind fast 600.000 Rohingya nach Bangladesh geflohen. Aber auch innerhalb Myanmars gibt es Flüchtlinge, die sich zu Tausenden in die Lager bei Sittwe gerettet haben. Hungernd, lethargisch und gehasst inzwischen auch von der buddhistischen Bevölkerung warten sie auf Hilfe.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

WerteUnion  Konservative CDU-Politiker fordern neue Parteispitze | mehr

Kulturnachrichten

Osnabrück: Friedensfilmpreis für Leonardo di Costanzo | mehr

 

| mehr