Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Camminare, edificare, confessare"

Papst Franziskus verspricht geistliche Erneuerung

Papst Franziskus in der Sixtinischen Kapelle (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)
Papst Franziskus in der Sixtinischen Kapelle (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)

Gehen, Erbauen, Bekennen: Mit aktiven Verben hat sich der neue Papst an seine Anhänger gewandt. In seiner ersten Messe als Oberhaupt der Katholiken warnte Franziskus, die Kirche riskiere zu einer "barmherzigen Nichtregierungsorganisation" zu verkümmern, wenn sie die Botschaft Gottes vernachlässige.

Papst Franziskus hat in seiner Messe zum Abschluss des Konklaves eine Besinnung der Kirche auf Gott angemahnt. Zwar könne man viele Dinge erschaffen, sagte Franziskus in der Sixtinischen Kapelle vor den 114 Kardinälen, die ihn am Vortag im Konklave gewählt hatten. "Aber wenn wir die Botschaft von Jesus Christus nicht verkünden, läuft etwas falsch. Wir würden zu einer mitfühlenden Nicht-Regierungsorganisation werden und nicht eine Kirche sein, die die Braut Christi ist." Wer nicht zu Gott bete, bete zum Teufel, sagte der Papst weiter. Wer sich auf weltliche Werte stütze statt auf spirituelle, sei wie ein Kind, das Sandburgen am Strand baue. "Dann stürzt alles ein."

Franziskus' erste öffentliche Messe zum Abschluss des Konklave stand im deutlichen Gegensatz zu der von Benedikt. Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio sprach ohne Textvorlage auf Italienisch und benutzte dabei zahlreiche Anspielungen auf die Bibel und schlichte Bilder. Benedikt XVI. hatte 2005 seine Vision für die Kirche auf Latein abgelesen.

Der 266. Papst gilt als bescheiden, volksnah und theologisch konservativ. In seiner Heimat wird er auch als "Anwalt der Armen" bezeichnet, prangerte Korruption und soziale Ungerechtigkeiten an. Kritiker werfen ihm eine zu große Nähe zur Militärdiktatur in den 70er und 80er Jahren vor.

Akzente der Bescheidenheit

Abschluss des Konklaves: Messe in der Sixtinischen Kapelle mit dem neuen Papst FranziskusAbschluss des Konklaves: Messe in der Sixtinischen Kapelle mit dem neuen Papst FranziskusDer erste Arbeitstag begann mit Akzenten der Bescheidenheit, berichtete unser Korrespondent Jan-Christoph Kitzler. Zu seinem Gebet in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore sei er nicht in der Staatskarosse des Vatikans gekommen, sondern mit einem recht normalen Auto. Er nahm einen Seiteneingang statt das Hauptportal und sprach mit völlig überraschten Schülern.

Papst Franziskus, bislang Kardinal Jorge Bergoglio aus Argentinien, ist das älteste von fünf Geschwisterkindern. Seine Schwester war nach der Wahl ihres Bruders zum Pontifex maximus überwältigt. "Ich habe geweint, als ich das hörte, konnte kein Wort sagen", sagte Franziskus' jüngere Schwester María Elena Bergoglio Journalisten vor ihrem Haus. Sie habe sich vorgestellt, wie der bescheidene Jorge sich gefühlt habe, bevor er am Mittwochabend auf den Balkon des Petersdoms trat, und gedacht: "Armer Kerl".

Franziskus hat einen straffen Zeitplan bis zu seiner offiziellen Amtseinführung am Dienstag. Zu dem Gottesdienst werden Staatsoberhäupter und führende Persönlichkeiten aus der ganzen Welt erwartet. Aus Deutschland wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert nach Rom reisen. Bundespräsident Joachim Gauck befindet sich zu der Zeit auf einer Afrika-Reise. In der Messe erhält der Nachfolger von Benedikt XVI. die Insignien der päpstlichen Macht, unter anderem das Pallium und den Fischerring. Seine erste große Auslandsreise könnte für den ersten Papst aus Lateinamerika der Weltjugendtag in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro sein.

"Eile mit Weile"

Kardinal Karl Lehmann blickt zurück auf das Zweite Vatikanische Konzil (promo)Kardinal Karl Lehmann (promo)Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat den ersten Auftritt des neuen Papstes als "starken Anfang" bezeichnet. Franziskus habe sich kurz nach seiner Wahl den Menschen im schlichten weißen Talar und ganz natürlich präsentiert, schrieb Lehmann in einer Stellungnahme. "Bald werden wir mehr wissen, was er damit konkret für Kirche und Welt meint und vorhat. Er wird wohl damit nicht lange zögern. Sein Alter drängt ihn neben vielem anderem zur Eile. Aber, es ist eine Eile mit Weile."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:10 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 08:20 Uhr Frühkritik

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 07:00 Uhr Early Bird

Aus unseren drei Programmen

Deutschland und Visegrad-Gruppe"In der Flüchtlingspolitik treffen zwei Ansätze aufeinander"

Treffen in Warschau: Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo (von rechts), Bundeskanzlerin Angela Merkel und der slowakische Ministerpräsident Robert Fico. (PAP)

Der Osteuropa-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Kai-Olaf Lang, wertet es als sinnvolles Signal, dass Bundeskanzlerin Merkel in Warschau mit der sogenannten Visegrad-Gruppe zusammenkommt. In der Flüchtlingspolitik wollten diese Länder ebenso wie Deutschland eine europäische Lösung, sagte Lang im Deutschlandfunk. Ihr Ansatz sei allerdings ein anderer.

ErnährungDick und krank durch Sojaöl

Eine dicke Frau sitzt am Strand. (Matt Cardy / Getty Images)

Soja ist gesund, das Öl aus der "Wunderbohne" gilt als "gutes Fett". Doch eine US-Studie legt nun den Verdacht nahe, dass Sojaöl womöglich viel schädlicher für die Gesundheit ist als andere Fette.

TextverarbeitungDrucker aus: Word ist tot

Druckt ihr noch - und nutzt ihr dafür Word? Wir glauben, Word ist tot. Wenn wir lange Texte schreiben, dann wollen wir die doch online veröffentlichen. Und genau dann macht uns Word irre.

Französischer Abgeordneter ApparuBurkiniverbot ist "gerechtfertigt"

Der französische Parlamentsabgeordnete Benoist Apparu von der Partei Les Républicains. (AFP / Francois Guillot)

Der französische Parlamentsabgeordnete Benoist Apparu von der Partei Les Républicains hat Verständnis für ein Burkini-Verbot. Er sagte im Deutschlandfunk, mit Blick auf die aktuellen Spannungen in Frankreich bestehe das Risiko, dass Burkinis die öffentliche Ordnung störten. 

Aus den FeuilletonsErzwungener Striptease für die Freiheit?

Eine Frau mit Kopftuch und T-Shirt badet am 21.07.2016 am Strand von Norddeich (Niedersachsen) in der Nordsee.  (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)

Vier bewaffnete Männer umstehen am Strand von Nizza eine Frau – und zwingen sie einen Teil ihrer Verhüllung abzulegen. Ein schreckliches Bild, schreibt darüber Andreas Rosenfelder in der "Welt": Darin ein Symbol unserer Freiheit zu sehen, will ihm nicht gelingen.

KonfliktforscherKaum Chancen für Frieden in Syrien

Eine große Rauchwolke über einigen Gebäuden in einer Wüstengegend.  (AFP / BULENT KILIC)

Nach dem Willen der internationalen Gemeinschaft sollen Verhandlungen den Krieg in Syrien beenden. Deren Aussichten schätzt der Konfliktforscher Wolfgang Schreiber skeptisch ein: Derzeit seien die Bedingungen für einen Frieden in Syrien einfach nicht gegeben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlinge  Grüne fordern Altfall-Regelung für hunderttausend Asylbewerber | mehr

Kulturnachrichten

"Lange Nacht der Museen" in Berlin wirbt mit über 700 Veranstaltungen  | mehr

Wissensnachrichten

Urheberrecht  Streit um Affen-Selfie geht in zweite Runde | mehr