Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Castor am Ziel - Atomdebatte geht weiter

Scharfe Kritik an geplanter Castorenlieferung nach Russland

Atomkraftgegner blockieren in Gorleben die Zufahrtsstraße des Castor-Transports zum Atommüll-Zwischenlager. (AP)
Atomkraftgegner blockieren in Gorleben die Zufahrtsstraße des Castor-Transports zum Atommüll-Zwischenlager. (AP)

Kein Ende der Atomdebatte: Nach dem Atommüll-Transport nach Gorleben steht nun ein geplanter Castor-Transport nach Russland im Zentrum der Diskussionen. Er enthält 951 Brennelemente, die aus DDR-Altbständen stammen.

Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake, kritisierte im Deutschlandradio Kultur den von der Regierung geplanten Transport nach Russland. Das Abkommen über den Transport von 18 Castoren aus dem nordrhein-westfälischen Zwischenlager Ahaus ins russische Atomzentrum Majak sei "unterschriftsreif verhandelt" worden, hatte die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag berichtetet. Sie beruft sich dabei auf Informationen aus Regierungskreisen.

Wann der Transport stattfinden soll, sei bislang offen. Demnach sollen laut Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz 951 Brennelemente in die russische Atomanlage gebracht werden, aufgeteilt auf drei Transporte. Die Brennelemente sollen in Majak so behandelt werden, dass sie in Kernkraftwerken verwendet werden könnten. Danach sollen sie in Russland endgelagert werden.

Als völlig unverantwortlich bewertete dies Rainer Baake. Es handele sich dabei um Atommüll aus der DDR-Kernforschungsanlage Rossendorf. Die Brennelemente sind seit 2005 im Zwischenlager Ahaus untergebracht und sollten dort eigentlich bleiben, bis Deutschland über ein Endlager verfüge. "Jetzt wählt man offenkundig die Billigvariante und bringt sie nach Russland", kritisierte er.

Hintergrund ist ein Abkommen zwischen den USA, Russland und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Es regelt die Rückholung der einst aus der Sowjetunion für Forschungszwecke an die DDR, Polen und zahlreiche andere Länder gelieferten Brennelemente.

Der Castortransport nach Gorleben hatte am Dienstagmorgen seine letzte Etappe zurückgelegt. Zuvor hatte die Polizei die letzten von rund 3000 Demonstranten, die mit einer Sitzblockade den Transport aufzuhalten versuchten, von der Straße getragen. Wie tagesschau.de berichtete, hatte die Polizei zudem mehrere Greenpeace-Mitglieder mit Spezialwerkzeug aus einem als Bierlastwagen getarnten Lkw gelöst. Auch eine Betonpyramide, an die sich vier Menschen gekettet hatten, räumten die Beamten von der Straße.

An den Aktionen der Demonstranten in den letzten Tage äußerte Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, im Deutschlandfunk scharfe Kritik. Er bewertet die Proteste und damit die Blockade der Nachschubwege für die Beamten auch als einen Angriff auf die Polizei: "Ich weiß nicht, was es mit demokratischem Protest zu tun hat, dass die Polizisten, Einsatzkräfte nichts zu essen bekommen und nicht abgelöst werden können. Das ist doch nicht Protest, das ist gezielter Angriff auf die Funktionsfähigkeit der Polizei", sagte er.

Unterdessen gibt es auch weitere Kritik an der Erkundung des Gorlebener Salzstocks auf seine Eignung als Atommüllager. Rainer Baake warf der Bundesregierung vor, mit Gorleben an einem Standort für ein Atommüll-Endlager festzuhalten, das zu Zeiten der deutschen Teilung aus politischen Gründen festgelegt worden sei, wegen seiner Nähe zur ehemaligen DDR-Grenze: "Das ist keine Sorgfalt bei der Standortauswahl.", sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Er glaube zudem, dass diese Entscheidung eines Tages vor den Gerichten scheitern werde. Dennoch würden in Gorleben bereits Fakten geschaffen, denn es werde nicht nur erkundet, sondern faktisch ein Endlager ausgebaut. Das Bundesumweltministerium hatte zum 1. Oktober das zehnjährige Moratorium aufgehoben, mit dem die Erkundung des Gorlebener Salzstocks unterbrochen worden war.

Der Fraktionvorsitzende der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, bezichtigte im Interview mit dem Deuschlandfunk die Regierung und speziell Umweltminister Norbert Röttgen in Bezug auf die Suche nach einem atomaren Endlager der Lüge. "Heute ist es so, dass Herr Röttgen sich hinstellt und behauptet, er würde in Gorleben ergebnisoffen und transparent prüfen. Der Röttgen lügt! Herr Röttgen lügt, denn dort wird gebaut auf der Basis eines Rahmenbetriebsplans aus dem Jahre 1983. Der sieht keinerlei, keinerlei Bürgerbeteiligung vor", so Trittin.

Mehr zum Thema:
Kommentar - Zurück an Absender (DKultur)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:10 Uhr Das Feature

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

HaitiHunger und politisches Chaos

Kinder und Jugendliche spielen auf einem umzäunten und ummaierten Feld  (HECTOR RETAMAL / AFP)

Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt. Noch immer leiden die Menschen unter den Folgen des Erdbebens vor sechs Jahren. Dazu kommt ein politisches Chaos: Seit Januar ist das Land ohne gewählte Regierung. Deswegen bleiben die dringenden Probleme ungelöst: Hunger, Elend und auch extreme Umweltzerstörung, die ein Grund für die Armut ist. 

Jüdische WitzeGenervt von der Übermutter

Der Kabarettist Oliver Polak aufgenommen vor neutralem Hintergrund am 28.11.2010 in Köln. (picture-alliance / dpa / Horst Galuschka)

Die Heldin jüdischer Witze ist die "Mame", die jüdische Mutter. Sie tut alles für ihre Kinder, vor allem für die Söhne. Die sollen dafür aber, bitte, erfolgreich Karriere machen – und ihre Mame genauso innig zurücklieben. Auch in den Shows des Comedian Oliver Polak taucht diese Figur auf.

Karlspreis für Papst FranziskusAusdruck eines verzagten Europas

Papst Franziskus spricht bei der Verleihung des Karlspreises. (ANGELO CARCONI / AFP)

Die Karlspreis-Verleihung an Papst Franziskus zeigt nach Meinung von Jan-Christoph Kitzler, was für ein Trauerspiel Europa derzeit ist. Die europäische Führung habe sich vom Papst aus Argentinien daran erinnern lassen müssen, dass Europa einmal eine Tradition der Humanität, der Menschlichkeit, der Fähigkeit zum Dialog und zum Miteinander hatte.  

Regierungskrise in der Türkei"Die AKP ist ganz und gar gleichgeschaltet"

der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan  (AFP / Adem Altan)

Der Rücktritt des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu stärkt die Position von Präsident Erdogan - in der Regierungspartei AKP gebe es für ihn keine Widersacher mehr, berichtet die Journalistin Luise Samman aus Istanbul. Türkische Journalisten witzelten bereits, die "Putinisierung" der Türkei sei nun abgeschlossen, sagte sie im DLF.

Frage des TagesWann kommt die Frauenwampe?

Mann mit Bauch - wie würde dieser Bauch wirken, wenn er einer Frau gehörte? (picture alliance / Stephan Goerlich)

Heute ist der internationale Anti-Diät-Tag. Männer dürfen gern einen Bauch haben, doch auf die Frauenwampe als neue Mode müsse die Welt noch ein paar Jahrzehnte warten, glaubt die Genderforscherin Stevie Schmiedel. Aber der Protest gegen den Schlankheitswahn wächst.

SAP und AppleNeue deutsch-amerikanische Partnerschaft

Eine Person tippt mit dem Finger auf ein Tablet. (imago / Jochen Tack)

Der US-Konzern Apple und der deutsche Softwarekonzern SAP wollen künftig zusammenarbeiten und zwar im Geschäft mit Firmenkunden, bisher keine Domäne von Apple. SAP kann betriebswirtschaftliche Abläufe digitalisieren, Apple ist der Spezialist für Vereinfachung und grafische Darstellung. In vielen Branchen werden verstärkt mobile Endgeräte eingesetzt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Mehrjährige Haftstrafe für regierungskritischen Journalisten Dündar | mehr

Kulturnachrichten

Neuer Dirigent für Münchner Rundfunkorchester  | mehr

Wissensnachrichten

Modesünde  Nagellack schmeckt nach Hühnchen | mehr