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Chemiecocktail aus dem Wasserhahn

Medikamentenrückstände belasten Trinkwasser in Deutschland

Trinkwasser läuft aus einem Wasserhahn in ein Glas (AP Archiv)
Trinkwasser läuft aus einem Wasserhahn in ein Glas (AP Archiv)

Sei 20 Jahren gibt es den Weltwassertag, ausgerufen von den Vereinten Nationen. Doch noch immer ist Wasser in vielen Entwicklungsländern rar. In Mitteleuropa machen hingegen Chemikalien im Abwasser Sorgen.

Arzneimittel, Pestizide, Desinfektionsmittel - viele Chemikalien landen im Abwasser und lassen sich häufig nicht mehr herausfiltern. Die Rückstände bleiben im Trinkwasser. "Vermutlich sind bereits mehrere tausend chemische Stoffe in dem vom Menschen genutzten Wasserkreislauf. Über ihre Wirkung wissen wir wenig", erkläre Klaus Kümmerer, Umweltwissenschaftler an der Lüneburger Leuphana Universität.

Der medizinische Fortschritt und die immer älter werdenden Gesellschaft in Deutschland steigern den Arzneimittelkonsum weiter - und damit die Belastung des Trinkwassers. Das Umweltbundesamt schätzt zudem, dass mehrere hundert Tonnen nicht verbrauchter Medikamente pro Jahr von Bürgern unsachgemäß über Spüle oder Toilette entsorgt werden.

Schmerzmittel und Hormone aus Antibabypillen schädigten laut Studien bereits die Fische. "Wir müssen am Beginn des Rohres ansetzen und die Stoffe reduzieren, damit man nicht am Ende aufwendig filtern muss", so Kümmerer. Weltweit fließen rund 80 Prozent des städtischen Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen oder ins Meer. In Entwicklungsländern sind es bis zu 90 Prozent.

Trinkwassersituation ist weiterhin dramatisch

Seit drei Jahren ist sauberes Trinkwasser ein UN-Menschenrecht, doch noch immer haben 900 Millionen Menschen auf der Welt keinen Zugang dazu. Für rund 2,5 Milliarden Menschen gibt es nach UN-Angaben auch keine sanitären Anlagen. Um auf die Bedeutung der Ressource Wasser aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen 1993 den Weltwassertag ausgerufen, er fällt immer auf den 22. März. Trotzdem ist die Situation vielerorts dramatisch. Nach Unicef-Angaben sterben jeden Tag rund 2000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, die fast immer durch schmutziges Trinkwasser, schwache Hygiene und fehlende Sanitäreinrichtungen verursacht werden. 99 Prozent dieser Todesfälle entfallen laut dem UN-Kinderhilfswerk auf Entwicklungsländer, vor allem Afrika und Südasien.

In Deutschland hingegen beklagen Umweltverbände den hohen Wasserkonsum. Sie fordern einen virtuellen Fußabdruck. Denn der Durchschnittsdeutsche nutzt am Tag etwa 120 Liter - zum Duschen, zum Trinken, für den Geschirrspüler. Aber das ist minimal gegenüber dem virtuellen Wasser, das unbemerkt konsumieren, etwa für Waren genutzt, die man kauft. "Ich glaube nicht, dass der Begriff des virtuellen Wassers alleine zu einer vernünftigen Wasserwirtschaft führt", verteidigte Tom Koenigs das Konzept im Deutschlandradio Kultur. Aber: "Ich glaube, das ist wichtig und notwendig, um bestimmte Prozesse bewusst zu machen."


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

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