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Chemiewaffenkontrolleure gewinnen Friedensnobelpreis

OPCW hilft derzeit bei Lösung des Syrien-Konflikts

Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) mit Sitz in Den Haag. (AFP / Guus Schoonewille)
Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) mit Sitz in Den Haag. (AFP / Guus Schoonewille)

Der Friedensnobelpreis geht an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen. Das teilte das norwegische Nobelkomitee in Oslo mit. Mit der Verleihung des Preises an die OPCW möchte das Nobelkomitee zur Vernichtung von Chemiewaffen beitragen.

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erhält den diesjährigen Friedensnobelpreis. Das teilte das norwegische Nobelkomitee in Oslo mit. Die OPCW werde "für ihre umfangreichen Bemühungen zur Beseitigung chemischer Waffen" ausgezeichnet, begründete der Vorsitzende des Norwegischen Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, in Oslo die Entscheidung.

Komitee will zur Zerstörung von Chemiewaffen beitragen

"Entwaffnung spielt in Alfred Nobels Willen eine wichtige Rolle", führte Jagland aus. Das norwegische Nobelkomitee habe mit zahlreichen Preisen den Bedarf unterstrichen, Nuklearwaffen zu vernichten. "Mit diesem Preis an die OPCW will das Komitee zur Zerstörung von Chemiewaffen beitragen", sagte Jagland.

Die Organisation mit Sitz in Den Haag ist für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention aus dem Jahr 1997 zuständig. Sie soll die Chemiewaffenbestände der Vertragsstaaten überprüfen und deren Vernichtung kontrollieren. Experten der OPCW halten sich derzeit im Bürgerkriegsland Syrien auf, um die Zerstörung von Chemiewaffen zu beaufsichtigen. Das gesamte Waffenarsenal soll bis Mitte 2014 abgerüstet werden.

"Aktuelle Ereignisse in Syrien, wo Chemiewaffen erneut genutzt wurden, haben das Bedürfnis unterstrichen, die Bemühungen, solche Waffen zu zerstören, zu erhöhen", führte das Nobelkomitee aus.

Ahmet Uzumcu ist Generaldirektor der in Den Haag ansässigen OPCW (AFP / Martijn Beekman)Ahmet Uzumcu ist Generaldirektor der in Den Haag ansässigen OPCW (AFP / Martijn Beekman)

OPCW-Generalsekretär erfreut über Anerkennung

OPCW-Generalsekretär Ahmed Üzümcü reagierte erfreut auf die Auszeichnung, die am 10. Dezember offiziell überreicht wird und mit umgerechnet rund 900 000 Euro dotiert ist.

Der Nobelpreis würdige den Einsatz der Organisation für den Weltfrieden in den vergangenen 16 Jahren. "Aber es ist auch eine Anerkennung für die Bemühungen unserer Mitarbeiter, die jetzt in Syrien stationiert sind und die sich in der Tat sehr mutig bemühen, ihr Mandat zu erfüllen", sagte Üzümcü dem norwegischen Rundfunk NRK.

Russland reagiert mit Unverständnis

In Russland ist die Preisvergabe auf Unverständnis gestoßen. "Der Friedensnobelpreis ist zu einem Vorschuss verkommen: Zuerst an Obama für schöne Reden, aber nicht für Taten, und nun für die OPCW, die ihre Arbeit in Syrien erst begonnen hat", schrieb der einflussreiche Außenpolitiker Alexej Puschkow bei Twitter. Auch Präsident Wladimir Putin war von einer dem Kreml nahestehenden Vereinigung für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden.

Die EU-Kommission hat der OPCW derweil gratuliert. Dies sei eine Anerkennung für die wichtige Rolle der Organisation, den Einsatz von Chemiewaffen zu beschränken, teilte der Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit. "Die EU ist entschlossen, beim Zerstören des Bestands von Chemiewaffenarsenalen mitzuwirken." Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte ihre Glückwünsche: "Die OVCW leistet weltweit einen wichtigen Beitrag für die Kontrolle und Beseitigung unmenschlicher Waffen."

Frankreichs Präsident François Hollande erhofft sich von der Vergabe des Preises zusätzlichen Schub für die Arbeit der OPCW. "Ich wünsche mir, dass diese Auszeichnung sie in ihrer Aufgabe stärkt, das weltweite Chemiewaffen-Arsenal vollständig und endgültig zu vernichten."

"EU Preisträger 2012"

Im vergangenen Jahr hatte das Nobelkomitee, das sich aus fünf Vertretern norwegischer Parteien zusammensetzt, die EU mit dem Friedenspreis geehrt. Die Europäische Union und ihre Vorgänger hätten zur Förderung des Friedens und der Demokratie in Europa beigetragen, hieß es zur Begründung.

Malala Yousafzai erhält den Sacharow-Preis. (picture alliance / dpa / Facundo Arrizabalaga)Malala Yousafzai erhält den Sacharow-Preis. (picture alliance / dpa / Facundo Arrizabalaga)Favoriten und Geheimfavoriten gab es im Vorfeld zuhauf. Besonders häufig genannt wurde die 16 Jahre alte Malala Yousafzi, die sich in ihrer Heimat Pakistan gegen die Taliban für das Recht von Frauen und Mädchen auf Bildung einsetzt. Erst am Donnerstag wurde sie mit dem Sacharow-Preis des EU-Parlaments ausgezeichnet.

Weitere aussichtsreiche Kandidaten waren der kongolesische Arzt Denis Mukwege, der Ende September für seine Behandlung tausender vergewaltigter Frauen bereits mit einem Alternativen Nobelpreis geehrt wurde, und der weißrussische Menschenrechtler Ales Beljazki. Unter den bekannten Favoriten in diesem Jahr waren auch US-Whistleblower Chelsea Manning (früher Bradley Manning) - und Altbundeskanzler Helmut Kohl.

Der Friedensnobelpreis wird als einzige der mit umgerechnet rund 920.000 Euro dotierten Auszeichnungen nicht in Stockholm, sondern in Oslo vergeben. Dort wird der Preis am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, auch überreicht.

"Woche der Nobelpreise"

Die Vorderseite der Medaille des Friedensnobelpreises, die 1902 von dem norwegischen Künstler Gustav Vigeland enworfen wurde (picture alliance / dpa / Berit Roald)Die Vorderseite der Medaille des Friedensnobelpreises (picture alliance / dpa / Berit Roald)Die Verkündung bildet den Abschluss des Nobelpreisreigens in dieser Woche. Seit Montag waren Preisträger in den Sparten Medizin, Physik, Chemie und Literatur verkündet worden. Der Literaturnobelpreis ging an die Kanadierin Alice Munro. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel ("Wirtschaftsnobelpreis") wird am 14. Oktober verliehen.



"Links ins Netz:"

Zum offiziellen Internetauftritt des Nobelpreises

 

Letzte Änderung: 14.10.2013 23:11 Uhr

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