Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Chile bejubelt die geretteten Bergleute

Alle 33 Kumpel wieder an der Erdoberfläche

Der letzte gerettete Kumpel Luis Urzua neben dem chilenischen Präsidenten Sebastián Pinera (AP)
Der letzte gerettete Kumpel Luis Urzua neben dem chilenischen Präsidenten Sebastián Pinera (AP)

Die spektakulärste Rettungsaktion der Bergbau-Geschichte ist zu Ende: Alle 33 verschütteten Kumpel haben den Stollen verlassen. Auch die sechs Retter sind wieder über Tage.

Als Letzter stieg gegen drei Uhr unserer Zeit der Vorarbeiter aus der Kapsel im Notschacht. Angehörige, Helfer und Präsident Sebastián Pinera empfingen ihn und die anderen Bergleute mit großem Jubel.

Die Minenarbeiter waren 69 Tage in mehr als 6000 Metern gefangen. Die Rettungsaktion dauerte insgesamt über 22 Stunden. Die Bergleute waren mit einer Spezial-Kapsel durch einen eigens gebohrten Schacht geholt worden.

Der dritte Gerettete, Juan Andres Illanes Palma, winkt in die Menge. (AP)Der dritte Gerettete, Juan Andres Illanes Palma, winkt in die Menge. (AP)Die Reihenfolge, in der die Bergleute nach oben transportiert wurden, wurde lange zuvor festgelegt. Dabei ging es nach Alter, Gesundheitszustand und anderen Faktoren. Dabei ging es nach Alter, Gesundheitszustand und anderen Faktoren.

Der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, lobte die Rettungsaktion als "Geschichte von Hoffnung und Erfolg". "Heute feiern wir die Lust am Leben", erklärte der Politiker.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle freute sich über die Rettung. Es sei ein "Tag der Freude mit den Bergleuten, ihren Familien und ganz Chile", sagte der FDP-Politiker.

Mehr zur Rettungsaktion:

tagesschau.de: Alle Kumpel sind gerettet
tagesschau.de: Chronologie des Minenunglücks

Den Medienrummel rund um die Kupfermine beschreibt Chile-Korrespondent Thomas Nachtigall.

Der evangelische Pfarrer Friedemann Bauschert hält die Berichterstattung über die Rettung für ein Spektakel. Der Leiter der Auslandsgemeinde in Santiago de Chile kritisierte im Deutschlandfunk, dass dabei die eigentlichen Probleme des Landes etwas zu kurz kommen.

Der Traumaforscher Edmund Neugebauer rechnet unterdessen damit, dass weniger als die Hälfte der chilenischen Bergarbeiter wieder in ihrem Beruf arbeiten kann. Viele werden nach dem Eingeschlossensein mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen haben: "Ein Großteil davon braucht jahrelang psychologische Betreuung."

Peter Walschburger, Psychologe und Stressforscher [/url] an der Freien Universität Berlin, wies im Deutschlandradio Kultur darauf hin, dass sich in der Gruppe der Eingeschlossenen schnell eine Struktur herausgebildet habe. Walschburger betonte, die wahrscheinlich schwierigste Zeit für die Bergleute seien die ersten gut zwei Wochen gewesen, als noch kein Kontakt zur Erdoberfläche bestand. In dieser Zeit könnten zumindest einige aus der Gruppe schwer traumatisiert worden sein. Es sei zu erwarten, dass ein Teil der Geretteten nach einer gewissen Pause Probleme bekomme.

Wie es damals war, beim Grubenunglück im niedersächsischen Lengede, erzält Siegfried Ebeling. Ihm stünden die Haare zu Berge, wenn er die chilenischen Kumpel bei so guter Laune sähe. Der ehemalige Bergmann war zehn Tage bei 14 Grad eingeschlossen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

Bundeswehreinsatz im InnernErst mal sehen, was realistisch ist

Soldaten bergen während einer Übung einen Kameraden, der einen verletzten Soldaten simuliert, und transportieren ihn in ein gepanzertes Transportfahrzeug. (dpa)

Vor der für Februar geplanten Übung von Polizei und Bundeswehr müsse erst über Szenarien nachgedacht werden, die realistisch seien, meint Falk Steiner. Dabei müsse geklärt werden, wie die Bundeswehr tatsächlich helfen könne. 

Historiker Martin Sabrow "Die Bedeutung wächst mit der Zeit"

Das Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel "Wir schaffen das!" steht auf einem wolkenförmigen Schild beim Rosenmontagszug in Köln im Februar 2016. (imago/Chai von der Laage)

"Wir schaffen das": Dieser Satz, vor einem Jahr von Angela Merkel gesprochen, wurde zum geflügelten Wort und hat viele Vorgänger. Er weckt Assoziationen an Obamas "Yes we can" oder Brandts "Mehr Demokratie wagen". Was braucht es zu einem Satz für die Ewigkeit?

Kapitulation der KünsteDer Reiz des Scheiterns

Tocotronic im April 2015 in Hamburg (picture alliance / dpa / Foto: Henrik Josef Boerger)

Der Soziologe Richard Sennett hat Scheitern als ein Tabu der Moderne bezeichnet. Erfolg und Karriere sind heute mehr denn je gefragt. Doch ist das Scheitern nur Misslingen? Oder kann sich aus der scheinbaren Niederlage nicht zugleich etwas ungeahnt Neues entwickeln?

Integrationspolitik"Es ist nicht klar, welche Werte wir vertreten wollen"

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)

Der Islamismus-Experte Ahmad Mansour hat sich für einen Dialog über Werte in unserer Gesellschaft ausgesprochen. Erst dann könne Deutschland Zuwanderern klar machen, "was diese Gesellschaft tolerieren kann und was nicht", sagte der Programmdirektor der European Foundation for Democracy im DLF.

IntegrationVon der Sehnsucht nach Patentante und Butterbrotpapier

Türkisch singen diese deutschen und türkischen Kinder in einer Klasse. (dpa/ picture-alliance/ Rainer Jensen)

Sich integrieren, sich assimilieren innerhalb einer Mehrheitsgesellschaft – dazu ist Sprache besonders wichtig. Aber ist das alles? Die Publizistin Dilek Güngör denkt an ihre Kindheit zurück und beschreibt, was "Anders-Sein" eigentlich ausmacht.

Ein Jahr "Wir schaffen das"Ankommen in Deutschland

Vor einem Jahr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Credo ausgegeben: "Wir schaffen das!" Damit das am Ende wirklich funktioniert, packen viele Deutsche ehrenamtlich mit an. Das Wichtigste für die Flüchtlinge: Deutsch lernen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Phoenix  Trump kündigt harte Hand gegen illegale Migranten an | mehr

Kulturnachrichten

Neuer Film von Wim Wenders feiert Premiere in Venedig  | mehr

Wissensnachrichten

Sachsen  AfD-Politiker wünscht sich Merkels Terrortod | mehr