Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

China - Retter in der Not

Peking erwägt größere Beteiligung an Euro-Rettungsschirmen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird mit militärischen Ehren vom Ministerpräsidenten der Volksrepublik China, Wen Jiabao, begrüßt. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird mit militärischen Ehren vom Ministerpräsidenten der Volksrepublik China, Wen Jiabao, begrüßt. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Chinas Regierungschef Wen Jiabao hat nach einem Treffen mit Kanzlerin Merkel zugesagt, sich für eine stabile Weltwirtschaft und einen stabilen Euro einzusetzen. Allerdings müssten die Europäer ihre Bemühungen zur Lösung der Euro-Krise verstärken.

Europa sei von strategischer Bedeutung, sagte Wen nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel in Peking. Sein Land unterstütze deshalb die Bemühungen, den Euro zu stabilisieren. Als mögliche Maßnahmen nannte er eine stärkere Beteiligung an den Euro-Rettungsschirmen EFSF und ESM, sowie eine Aufstockung der Mittel beim Internationalen Währungsfonds IWF. Allerdings müsse die Europäische Union Schulden abbauen und Reformen umsetzen, betonte Wen.

Damit bestätigte Wen die Vermutungen deutscher Experten, wie zum Beispiel Eberhard Sandschneider von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der davon ausgeht, dass Peking Investitionen in den Euro-Rettungsfonds an politische Bedingungen knüpfen wird.

Merkel fordert "faire" und "freie" Wirtschaftsbeziehungen

Merkel war von Wen in der großen Halle des Volkes mit militärischen Ehren empfangen worden. Sie erklärte, Europa werde geschlossen die Krise bekämpfen. Zuvor hatte die Regierungschefin in einer Rede vor der "Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften" (CASS) für einen freien Zugang deutscher Unternehmen in der Volksrepublik plädiert. "Wir wollen in China gleich behandelt werden mit inländischen Bewerbern." Voraussetzung für eine dauerhafte Wirtschaftsbeziehung sei ein freier Markt und der Schutz geistigen Eigentums, sagte die Kanzlerin. CASS ist die bedeutendste "Denkfabrik" der chinesischen Regierung.

China lehnt UNO-Resolution gegen Iran ab

Merkel äußerte die Erwartung, dass der UNO-Sicherheitsrat angesichts der Übergriffe in Syrien eine Resolution verabschiedet. Mit Blick auf den Atomstreit im Iran appellierte sie an die chinesische Führung, ihren Einfluss geltend zu machen. Peking lehnt jedoch Strafmaßnahmen gegen das Regime in Teheran ab. "Sanktionen lösen die Probleme nicht", sagte Wen Jiabao. China setze vielmehr auf Dialog und bemühe sich, dass die internationalen Verhandlungen wieder aufgenommen werden.

"Menschenrechte sind unveräußerlich"

Bei der Pressekonferenz mit Wen Jiabao wurde das Thema Menschenrechte zunächst nicht angesprochen. Im Vorfeld der Beratungen hatte Merkel mehr soziale Teilhabe in China angemahnt. "Wirtschaftlicher Wohlstand kann langfristig nur auf der Basis einer ausgewogenen inneren Entwicklung aufgebaut werden kann", sagte Merkel. Wachstum beruhe auf "sozialem Frieden". Sie lobte dabei den "freundschaftlichen Dialog" und ehrlichen Meinungsaustausch mit China auch in strittigen Fragen. Merkel sagte, man rede auch viel über die unveräußerlichen Menschenrechte. Dies werde auch bei diesem Besuch so sein.

Der Mitbegründer der Tibet Initiative Deutschland, Tsewang Norbu, forderte die Kanzlerin auf, auch die Lage in Tibet anzusprechen. Man dürfe dieses Thema nicht aus Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen verschweigen.


Mehr zum Thema bei dradio.de:

"Peking wird an Hilfen auch politische Bedingungen knüpft" - Interview mit dem China-Experten Eberhard Sandschneider

China: FDP-Menschenrechtler sieht Wirtschaft in der Verantwortung - Löning: Auch deutsche Unternehmen sollten auf Einhaltung der Menschenrechte achten

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Wirtschaft und Gesellschaft

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Atomkatastrophe vor 32 JahrenDie Kinder von Tschernobyl

Kinder winken auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen (Niedersachsen) zur Begrüßung, nachdem sie zuvor aus der Republik Belarus (Weissrussland) eingetroffen sind (picture alliance/ dpa/ Holger Hollemann)

Nach der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl gründeten sich Hilfsvereine, die Kinder in deutsche, österreichische und Schweizer Gastfamilien holten. Noch heute reisen Jungen und Mädchen aus dem verstrahlten Gebiet regelmäßig nach Deutschland. In der Heimat haben sie mit den Folgen des GAUs zu kämpfen.

Frank Schätzing über künstliche Intelligenz"Sie kann uns das Paradies bereiten oder uns alle abmurksen"

Ein Porträt von Bestsellerautor Frank Schätzing (imago / Future Image)

In seinem neuen Buch "Die Tyrannei des Schmetterlings" beschäftigt sich Frank Schätzing mit künstlicher Intelligenz. Schätzing hält KI für das derzeit interessanteste Forschungsfeld überhaupt - und fragt sich, was noch vom Menschen bleibt, wenn die von ihm gebauten Maschinen Bewusstsein entwickeln.

Aus für den EchoGut für die Glaubwürdigkeit, schlecht für den Jazz

Die Echo-Trophäe (Bild aus dem Jahr 2015) (dpa-Bildfunk / Matthias Balk)

Der Echo ist Geschichte. Politisch wird das begrüßt, doch es sind auch andere Töne zu hören: Martin Krüger, Präsident des Deutschen Musikrats, bedauert das Aus für den Musikpreis.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Verhandlungen über US-Strafzölle  Kompromiss scheint möglich | mehr

Kulturnachrichten

Hölderlin-Preis für Daniel Kehlmann  | mehr

 

| mehr