Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Chinas Wirtschaft schwächelt

Wachstum langsamer geworden, aber besser als erwartet

Chinas Wirtschaft wächst schwächer als vermutet (AP)
Chinas Wirtschaft wächst schwächer als vermutet (AP)

Steht China vor einer größeren wirtschaftlichen Krise? Einige Experten sehen deutliche Anzeichen für Schwierigkeiten der größten Volkswirtschaft der Welt. Andere meinen, China baue nur sein Wirtschaftssystem um, werde aber erfolgreich bleiben. Fakt ist, auch im zweiten Quartal ist die Wachstumsrate gesunken.

Lange hat China mit zweistelligen Wachstumsraten geglänzt, doch die Zeiten sind vorbei. Wie das chinesische Statistikamt mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um 7,5 Prozent. Das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als im ersten Quartal. So hoch wird laut Schätzungen des chinesischen Finanzministers Lou Jiwei in etwa auch das Gesamtwachstum in diesem Jahr liegen. Was für europäische Staaten ein Grund zum Jubeln wäre, das wäre für China der schlechteste Wert seit 13 Jahren.

Weltweites wirtschaftliches Umfeld ungünstig

Die Gründe für die sinkenden Wachstumsraten liegen in verschiedenen Bereichen. Zum einen erhole sich die US-Wirtschaft nur langsam, zum anderen sei die Situation in Europa weiter äußerst schwierig, was sich auch auf China auswirke, so die Behörden.

Darüber hinaus will die neue Führung unter Präsident Xi Jinping die Wirtschaft auf neue Beine stellen. Der Boom der vergangenen Jahre war vor allem das Ergebnis massiver Investitionen zum Bau von Immobilien und zum Ausbau von Infrastruktur. Aber damit soll nun Schluss sein, genauso wie mit den massiven Exporten. Der aus den Investitionen entstandene Schuldenberg soll abgebaut werden, China will deswegen mehr auf die Weiterentwicklung der vorhandenen Industrien setzen und versuchen, den Konsum im Inland anzuregen.

Chinas Wirtschaftsentwicklung seit 2012Zumindest bei letzterem zeichnen sich Erfolge ab. Laut Statistikamt hat der chinesische Einzelhandel im Juni deutlich zugelegt. Nach Einschätzung der VP-Bank in Liechtenstein liegt hier der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes. Für Deutschland sind das dagegen keine guten Nachrichten, schließlich ist China ein wichtiger Kunde der deutschen Exporteure. Steigt in China aber der Konsum einheimischer Waren, sind Produkte "made in Germany" weniger gefragt.

Experte: Statistiken nicht akkurat

Nach Einschätzung des Ostasien-Experten Thomas Heberer von der Universität Duisburg-Essen wird China aber weiter erfolgreich bleiben. Eine Wirtschaftskrise befürchtet er derzeit nicht. Allerdings haben einige Wirtschaftsexperten Zweifel an den offiziellen chinesischen Statistiken. Eine Analystin von IHS Global Insight nannte die Wachstumszahlen "ein deutliches Zeichen für Schwierigkeiten". Ebenso äußerte sich ein Finanzexperte aus Shanghai gegenüber unserem Korrespondenten Markus Rimmele. Die Regierung in China spiele die Situation herunter, das Wachstum habe sich viel stärker verlangsamt, als es die offiziellen Zahlen darstellten.

An den Börsen fiel die Reaktion auf die neuen Wirtschaftszahlen aus China gemischt aus. An den asiatischen Börsen gab es Gewinne, vor allem weil die Zahlen besser waren als erwartet. In Deutschland hielt die Freude nur kurz, der DAX sackte nach gutem Start wieder ab. "Die Wachstumsdaten aus China seien einfach nicht gut gewesen", erklärte ein Händler.


Mehr zum Thema auf dradio.de

Chinas Wirtschaft wächst langsamer als bisher - Niedrigste Wachstumsrate seit mehr als 20 Jahren
"Es macht Sinn, wenn sich die westlichen Volkswirtschaften enger abstimmen" - CDU-Politiker Daniel Caspary über Chancen und Risiken des freien Handels der EU mit den USA
Warum wir zu wenig über China wissen - Historiker rügt mangelnde interkulturelle Kompetenz europäischer Manager
"Märkte Asiens, Nordeuropas und Westeuropas verschmelzen" - Friedolin Strack sieht Chancen für nachhaltiges Wirtschaftsw

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Müllers "Marshall-Plan mit Afrika""Die Entwicklungskräfte der Länder stärken"

Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller, CSU (picture-alliance / dpa / Rainer Jensen)

Entwicklungsminister Gerd Müller will den ärmsten Ländern in Afrika helfen. Es gehe aber nicht darum, den Staaten Milliarden zu geben, sondern sie gezielt und stärker zu fördern, sagte der CSU-Politiker im Deutschlandfunk. Als Beispiel nannte er eine Stärkung der Wertschöpfungsketten.

Oscars und Politik"Hollywood hat die Künstler mobilisiert"

Die Gewinner in den Kategorien beste Haupt- und Nebendarsteller: Mahershala Ali, Emma Stone, Viola Davis und Casey Affleck (v.l.n.r.) (AFP / FREDERIC J. BROWN)

Die Oscar-Nacht sei "extrem politisch" verlaufen, beschreibt Kirsten Niehuus vom Medienboard Berlin Brandenburg die Stimmung in Hollywood. Die Academy habe die Künstler zu politischem Engagement aufgerufen - Kunst und Film komme eine wichtige Bedeutung zu.

Reformation"Luther war ein heiliger Krieger"

Der deutsche Reformator Martin Luther nach einem Gemälde von Lucas Cranach. (dpa/picture-alliance/Backhaus)

Michael Lösch ist DJ, Schriftsteller und Pfarrerssohn. Er kann nicht verstehen, warum der Thesenanschlag gefeiert wird. Luther war aggressiv und mittelalterlich, sagt er. In seinem neuen Buch träumt er von einer Welt ohne den Reformator.

Vor dem Raser-Urteil in Berlin "Wir brauchen eine deutliche Abschreckung"

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann  (imago / Metodi Popow )

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD im Bundestag, Kirsten Lühmann, hofft auf ein Gesetz gegen illegale Straßenrennen noch in dieser Legislaturperiode. Sie sagte im Deutschlandfunk, Differenzen gebe es lediglich darüber, ob die Regelungen im Strafgesetzbuch oder im Straßenverkehrsgesetz verankert werden sollen.

Mit Gruß von Orwell & HavelBig Brother still watching you!

Wandbild von "Big Brother": Szene aus der britischen Verfilmung von George Orwells "1984" in den 1950er-Jahren.  (imago / United Archives )

In den Zeiten von Trump und Putin können Bücher mehr als nur Trost spenden: George Orwells "1984" oder Václav Havels "Versuch in der Wahrheit zu leben" haben nichts von ihrer subversiven Aktualität eingebüßt, meint der Schriftsteller Marko Martin.

Staatsschutz und PressefreiheitDas "Cicero"-Urteil und seine Folgen

Im Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe wird bei der Urteilsverkündung in Sachen "Cicero" eine Ausgabe des Magazins in die Kamera des Fotografen gehalten. Das Bundesverfassungsgericht hat den Schutz der Presse gegen polizeiliche Durchsuchungen gestärkt.  (dpa / Uli Deck)

In letzter Instanz musste das Bundesverfassungsgericht entscheiden: War die Durchsuchung bei der Zeitschrift "Cicero" wegen möglichen Verrats von Dienstgeheimnissen rechtmäßig? Heute vor zehn Jahren fiel das Urteil - zugunsten der Pressefreiheit.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Untersuchungshaft für Yücel - Merkel: "Bitter und enttäuschend" | mehr

Kulturnachrichten

Schauspieler Martin Lüttge gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Namensforschung  Du siehst aus, wie du heißt | mehr