Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Chodorkowski muss weitere sechs Jahre in Haft bleiben

Strafmaß in Moskau festgelegt

 Michail Chodorkowski (AP)
Michail Chodorkowski (AP)

Vorläufiger Schlusspunkt im russischen Schauprozess um den einstigen Ölmilliardär Michail Chodorkowski: Sein Moskauer Richter setzte das Strafmaß auf insgesamt 14 Jahre fest - inklusive der bisher abgesessenen acht Jahre.

Vor drei Tagen wurde das Urteil verkündet, erst heute reichte der Richter das Strafmaß nach tagelanger Begründung nach. Auch sein Geschäftsfpartner Platon Lebedew wurde verurteilt. Der Schuldspruch war zu erwarten gewesen - in Russland interessiert sich für den Fall Chodorkowski aber nur eine Minderheit.

Markus Löning, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, zeigte sich im Deutschlandfunk-Interview enttäuscht über die erneute Verurteilung Chodorkowskis. Vor Ort habe er den Eindruck gewonnen, dass die Staatsanwälte keine Leute seien, die "nach Ratio" verhandelten.

Michail Chodorkowski wird vorgeworfen, Milliarden von Litern Rohöl veruntreut zu haben. Der Prozess wurde international scharf kritisiert. Chodorkowski galt und gilt als Kreml-Kritiker, der insbesondere Wladimir Putin ein Dorn im Auge sein soll. Putin wies jüngst darauf hin, dass die Strafe für Chodorkowski im internationalen Vergleich noch human sei.

Zu gefährlich für Putin?

Wladimir Putin auf dem Weg zu einer Kabinettssitzung, 8.12.2003 (AP)Wladimir Putin 2003 (AP)Chodorkowski war 2003 unter dem damaligen Präsidenten Putin festgenommen worden, als er noch Besitzer des Öl-Unternehmens Jukos war. Chodorkowski galt damals als der reichste Mann Russlands. Beobachter vermuteten, dass hinter dem Vorgehen das Bemühen der Regierung stand, Chodorkowski von einer weiteren politischen Betätigung abzuhalten. Der Jukos-Chef unterstützte oppositionelle Gruppen. In der Öffentlichkeit wurde auch über eine Präsidentschaftskandidatur von Chodorkowski im Jahr 2008 spekuliert.

Die Festnahme markierte auch eine wirtschaftliche Zäsur im Verhältnis der alten Sowjetstrukturen mit den neuprivatisierten und außerordentlich erfolgreichen Unternehmen. Freilich betonte präsident Putin damals angesichts Kritik auch aus Russland, der Fall sei kein Indiz dafür, dass die Privatisierungen der 90er-Jahre wieder rückgängig gemacht werden sollten.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung zum Fall Chodorkowski

Chodorkowski: Russen interessieren sich kaum für den Fall

Zweiter Prozess gegen Kreml-Kritiker Chodorkowskij geht zu Ende

2003: Chodorkowski-Verhaftung erschüttert russische Finanzmärkte

"Ich werte es als ein tolles Theater" - Filmemacher Cyril Tuschi über den Fall Chodorkowski



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:30 Uhr Tag für Tag

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Verhältnis zwischen AfD und Christen"Das Christentum in Geiselhaft genommen"

Ein Mann mit einem AfD Poloshirt und einer Kette mit Kreuz um den Hals. (imago  /Jens Jeske)

Für manche konservative Christen ist die AfD attraktiv – etwa in der Abtreibungsfrage. Wiederum helfen die Kirchen Flüchtlingen, suspekt für die AfD. Ein Gespräch mit dem Publizisten Wolfgang Thielmann über sein Buch "Alternative für Christen?" und wie die Kirchen mit der Partei umgehen sollten.

Sommerreihe: Die Qual der Wahl"Heute ist es ohne Weiteres möglich, nicht gläubig zu sein"

Ein steinernes Kreuz an der Kreuzung der Calle de Toledo und der Calle de los Cuchilleros im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid. (imago / Mangold)

Wer heute gläubig sei, sei sich dessen voll bewusst, dass er oder sie genauso gut auch nicht gläubig sein könnte, meint der Sozialphilosoph Hans Joas. In die Attraktivität von Religionsgemeinschaften fließe auch immer ein, wie sie sich zu zentralen politischen Fragen wie sozialer Ungleichheit stellten.

Flüchtlinge aus Gambia in Oberschwaben"Die werden behandelt wie alle anderen auch"

Oberschwaben (Deutschlandradio / Ellen Häring)

Als Ende 2014 Flüchtlinge in ganz Deutschland verteilt wurden, kamen 24 Gambier ins schwäbische Oberzell. Heute arbeiten 19 von ihnen in Vollbeschäftigung und sozialversicherungspflichtig. Damit ist Oberzell Spitzenreiter bei der beruflichen Integration von Zuwanderern.

Der Fall Doğan Akhanlı Ein Missbrauch internationaler Verträge

Auftritt des türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Tempodrom in Berlin. Der Premier sprach 2014 vor tausenden Anhängern auf der von den European Turkish Democrats (UETD) organisierten Veranstaltung. (imago - Christian Mang)

Der eigentliche Grund für die Festnahme des türkischstämmigen Schriftstellers Doğan Akhanlı in Spanien dürfte dessen Beschäftigung mit dem türkischen Völkermord an den Armeniern sein, meint Kemal Hür. Dass der türkische Präsident Erdoğan aber inzwischen so weit gehe, Kritiker auch im europäischen Ausland zu verfolgen, sei ein Skandal.

Religion in ComputerspielenDaddeln und trauern

Logo von World of Warcraft. (imago / Ina Fassbender)

In World of Warcraft gibt es auf einer Insel einen Gedenk-Hain für den verstorbenen Schauspieler Robin Williams. Und auch in anderen virtuellen Welten wird immer öfter an real existierende Weggefährten erinnert oder religiöse Symbole tauchen auf.

Publizist Michael Naumann über Rassismus"Amerika hat sich seit Martin Luther King sehr langsam verbessert"

Michael Naumann (dpa / Robert Schlesinger)

In den USA gebe es noch immer einen "kulturellen Rassismus", sagt der Publizist und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das Hauptproblem des Landes aber sei, dass auch dem US-Präsidenten Donald Trump "rassistische Attitüden" nachgewiesen werden können.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Urlaubsinsel Ischia  Mindestens ein Toter bei Erdbeben, mehrere Vermisste | mehr

Kulturnachrichten

Keine Konföderierten-Denkmäler an Uni Texas | mehr

 

| mehr