Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Chodorkowski-Verhaftung erschüttert russische Finanzmärkte

Medien warnen vor Rückfall in sowjetische Zeit

Michail Chodorkowskij, russischer Öl-Produzent (AP)
Michail Chodorkowskij, russischer Öl-Produzent (AP)

Die Verhaftung des russischen Öl-Magnaten Chodorkowski hat die Finanzmärkte des Landes schwer erschüttert. Die Moskauer Börse setzte am Montag den Handel für eine Stunde aus, nachdem die Aktie des größten Ölunternehmens des Landes, Jukos, um rund 20 Prozent eingebrochen war. Auch der Aktienindex RTS hatte stark nachgegeben. Chodorkowski ist Vorstandsvorsitzender der Ölgesellschaft Jukos.

Der russische Präsident, Wladimir Putin, erklärte unterdessen, er werde sich nicht für eine Freilassung von Chodorkowski einsetzen, sondern die Angelegenheit der zuständigen Justiz überlassen. Zugleich erklärte Putin, die Verhaftung sei kein Indiz dafür, dass die Privatisierungen der neunziger Jahre wieder rückgängig gemacht werden sollten.

Die russischen Medien zeigten sich am Montag besorgt über die Verhaftung des prominenten Wirtschaftsmagnaten. In zahlreichen Kommentaren wurde die Sorge vor einer Rückkehr von Unterdrückungspraktiken aus sowjetischer Zeit ausgedrückt. Die "Novaja Gazeta" mutmaßte, das Ziel der Aktion sei, ein Klima der Angst zu erzeugen.

Auch das US-Außenministerium zeigt sich besorgt

Auch das US-Außenministerium zeigte sich besorgt über die Festnahme des Öl-Milliardärs. Außenamtssprecher Richard Boucher erklärte, man verfolge den Fall und dessen Auswirkungen auf das Justizsystem und das Wirtschaftsklima in Russland. Washington warnte vor negativen Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft.

Betrug und Steuerhinterziehung

Dem Öl-Manager Chodorkowski werden Betrug und Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Zurzeit befindet er sich in einem Moskauer Gefängnis. Chodorkowski war am Samstag von einer Spezialeinheit auf dem Flughafen von Nowosibirsk festgenommen worden. Die Behörden ermitteln seit einigen Monaten gegen den Konzern Jukos und seine führenden Mitarbeiter.

Chodorkowski gilt als der reichste Mann Russlands. Beobachter vermuten, dass hinter dem Vorgehen das Bemühen der Regierung steht, Chodorkowski von einer weiteren politischen Betätigung abzuhalten. Der Jukos-Chef unterstützt oppositionelle Gruppen. In der Öffentlichkeit wurde ferner über eine Präsidentschaftskandidatur von Chodorkowski im Jahr 2008 spekuliert.

Rückschlag für russische Wirtschaft

Der Chefökonom der Weltbank in Moskau, Christof Rühl, wertet die Verhaftung als Rückschlag für die wirtschaftliche Entwicklung Russlands.
Interview mit Christof Rühl Beiträge Interview - Nach der Chodorkowski-Verhaftung



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Chodorkowskij-Festnahme

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:35 Uhr Campus & Karriere

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Müllers "Marshall-Plan mit Afrika""Die Entwicklungskräfte der Länder stärken"

Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller, CSU (picture-alliance / dpa / Rainer Jensen)

Entwicklungsminister Gerd Müller will den ärmsten Ländern in Afrika helfen. Es gehe aber nicht darum, den Staaten Milliarden zu geben, sondern sie gezielt und stärker zu fördern, sagte der CSU-Politiker im Deutschlandfunk. Als Beispiel nannte er eine Stärkung der Wertschöpfungsketten.

Oscars und Politik"Hollywood hat die Künstler mobilisiert"

Die Gewinner in den Kategorien beste Haupt- und Nebendarsteller: Mahershala Ali, Emma Stone, Viola Davis und Casey Affleck (v.l.n.r.) (AFP / FREDERIC J. BROWN)

Die Oscar-Nacht sei "extrem politisch" verlaufen, beschreibt Kirsten Niehuus vom Medienboard Berlin Brandenburg die Stimmung in Hollywood. Die Academy habe die Künstler zu politischem Engagement aufgerufen - Kunst und Film komme eine wichtige Bedeutung zu.

Reformation"Luther war ein heiliger Krieger"

Der deutsche Reformator Martin Luther nach einem Gemälde von Lucas Cranach. (dpa/picture-alliance/Backhaus)

Michael Lösch ist DJ, Schriftsteller und Pfarrerssohn. Er kann nicht verstehen, warum der Thesenanschlag gefeiert wird. Luther war aggressiv und mittelalterlich, sagt er. In seinem neuen Buch träumt er von einer Welt ohne den Reformator.

Vor dem Raser-Urteil in Berlin "Wir brauchen eine deutliche Abschreckung"

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann  (imago / Metodi Popow )

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD im Bundestag, Kirsten Lühmann, hofft auf ein Gesetz gegen illegale Straßenrennen noch in dieser Legislaturperiode. Sie sagte im Deutschlandfunk, Differenzen gebe es lediglich darüber, ob die Regelungen im Strafgesetzbuch oder im Straßenverkehrsgesetz verankert werden sollen.

Mit Gruß von Orwell & HavelBig Brother still watching you!

Wandbild von "Big Brother": Szene aus der britischen Verfilmung von George Orwells "1984" in den 1950er-Jahren.  (imago / United Archives )

In den Zeiten von Trump und Putin können Bücher mehr als nur Trost spenden: George Orwells "1984" oder Václav Havels "Versuch in der Wahrheit zu leben" haben nichts von ihrer subversiven Aktualität eingebüßt, meint der Schriftsteller Marko Martin.

Staatsschutz und PressefreiheitDas "Cicero"-Urteil und seine Folgen

Im Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe wird bei der Urteilsverkündung in Sachen "Cicero" eine Ausgabe des Magazins in die Kamera des Fotografen gehalten. Das Bundesverfassungsgericht hat den Schutz der Presse gegen polizeiliche Durchsuchungen gestärkt.  (dpa / Uli Deck)

In letzter Instanz musste das Bundesverfassungsgericht entscheiden: War die Durchsuchung bei der Zeitschrift "Cicero" wegen möglichen Verrats von Dienstgeheimnissen rechtmäßig? Heute vor zehn Jahren fiel das Urteil - zugunsten der Pressefreiheit.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Krieg und Hunger  Zehntausende Südsudanesen auf der Flucht | mehr

Kulturnachrichten

Görlitz bleibt begehrter Drehort  | mehr

Wissensnachrichten

Cat content  Hauskatzen stecken voller Chemikalien | mehr