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Chronik einer Bruchlandung

Ein Rückblick auf die Geschichte des Berliner Großflughafens, die vor mehr als 20 Jahren begann

Auch der vierte geplante Starttermin für den Berliner Großflughafen "Willy Brandt" ist inzwischen Makulatur (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Auch der vierte geplante Starttermin für den Berliner Großflughafen "Willy Brandt" ist inzwischen Makulatur (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Der Berliner Großflughafen erhitzt die Gemüter. Immer wieder werden neue Planungsfehler und Baumängel bekannt. Seit dem Wochenende ist klar: Auch der vierte geplante Starttermin im Herbst 2013 ist nicht mehr zu halten. Die Chronik einer bewegten Geschichte, die vor mehreren Jahrzehnten begann:

Dezember 1991: Gründung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF). Gesellschafter sind die Länder Berlin und Brandenburg.

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.

Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.

April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp. Bis zum Urteil sind nur Bauvorbereitungen gestattet.

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.

Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.

Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

Oktober 2009: Das Brandenburger Verkehrsministerium erlässt eine neue Nachtflugregelung: Keine Starts und Landungen von Mitternacht bis 5.00 Uhr. Ausnahmen gelten für Post- und Regierungsmaschinen, sowie für Notfälle. In den Randzeiten davor und danach ist die Zahl begrenzt.

Weiterhin kein Betrieb: Absperrband vor einem Gebäude am Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg (BER) (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)Weiterhin kein Betrieb: Absperrband vor einem Gebäude am Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg (BER) (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf den 3. Juni 2012 verschoben.

September 2010: Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Tausende Betroffene gehen dagegen auf die Straße. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.

Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.

Januar 2012: Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die Flugrouten fest und folgt im wesentlichen einem Vorschlag der Fluglärmkommission aus Gemeinde- und Airline-Vertretern.

Mai 2012: Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chef-Planer Manfred Körtgen entlassen.

Juni 2012: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg spricht den Anwohnern das Recht auf besseren Schallschutz zu.

22. Juni 2012: Der Aufsichtsrat entscheidet, den neuen Starttermin 17. März 2013 erneut zu überprüfen und am 16. August darüber zu entscheiden.

31. Juli 2012: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig weist die Klage von Anwohnern ab, das Genehmigungsverfahren für den neuen Hauptstadtflughafen neu aufzurollen. Jetzt steht der Eröffnung des Airports zumindest juristisch nichts mehr im Weg.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) tritt als Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens BER zurück (picture alliance / dpa / Paul Zinken)Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gerät wegen der vielen Pannen immer mehr in die Kritik (picture alliance / dpa / Paul Zinken)16. August 2012: Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung auf den 14. September. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

7. September 2012: Auf Vorschlag von Technikchef Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert.

Dezember 2012: Mehrere Gutachten werden bekannt, laut denen der Flughafen für die Zahl der erwarteten Passagiere zu klein geplant ist. Sowohl die Check-in-Schalter als auch die Gepäckbänder sollen schon bei der Inbetriebnahme des Flughafens voll ausgelastet sein.

Januar 2013: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kündigt an, das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafengesellschaft an den Brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) abzugeben, nachdem Technikchef Horst Amann den Eröffnungstermin im Oktober 2013 als nicht mehr haltbar bezeichnet hat. Auf einer vorgezogenen Aufsichtsratssitzung am 16. Januar soll auch über eine mögliche Ablösung von Flughafen-Chef Rainer Schwarz beraten werden. Grund für die neuen Verzögerungen sollen Medienberichten zufolge Baufehler insbesondere beim Brandschutz sein.

Mehr zu dem Thema:
"Der kann es nicht, der muss gehen" - Grünen-MdB Ströbele fordert Rücktritt Wowereits
Wowereit nicht mehr Flughafen-Aufsichtsratschef - Platzeck will Brandenburger Parlament Vertrauensfrage stellen
Rücktrittsforderungen gegen Wowereit - SPD und CDU beraten Debakel beim Hauptstadt-Flughafen
"Rücktritt von Klaus Wowereit ist nicht mehr ausgeschlossen"- Martin Delius (Piraten) hat kein Vertrauen mehr in Berlins Regierenden Bürgermeister.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr

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