Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Chronologie: Bürgerkrieg in Syrien

Eckpunkte des Aufstands

Seit zweieinhalb Jahren wütet der Konflikt (picture alliance / dpa/Syrian News Agency Sana / Handou)
Seit zweieinhalb Jahren wütet der Konflikt (picture alliance / dpa/Syrian News Agency Sana / Handou)

Seit Anfang 2011 kämpfen in Syrien Oppositionelle und Regierungstruppen gegeneinander. Eine Chronologie des Bürgerkriegs.

2011

4. Februar
Nach den Aufständen in Tunesien und Ägypten rufen Oppositionelle in Syrien zu einem "Tag des Zorns" auf, der aber weitgehend ohne Resonanz bleibt.

März
Ab Mitte des Monats kommt es in Damaskus und mehreren anderen Orten zu Aufständen gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad. In der südsyrischen Stadt Daraa gehen Zehntausende auf die Straße. Sicherheitskräfte schießen auf Demonstranten.

22. April
Am bis dahin blutigsten Tag der Aufstände kommen landesweit 72 Menschen ums Leben, viele davon in Daraa, wo Panzer und Scharfschützen in die Stadt eindringen.

8. Mai
Die Europäische Union beschließt Sanktionen gegen Syriens Regierung. Der Nutzen scheint zweifelhaft, sagen manche Beobachter.

Syrische Soldaten erreichen Istabraq nahe der Protesthochburg Dschisr al Schugur. (AP)In der Nähe von Dschisr al-Schugur (AP)Juni
Syriens Militär stürmt Dschisr al-Schughur, eine Protesthochburg. Die Zahl der Flüchtlinge wächst.

19. August
Erstmals fordert US-Präsident Barack Obama den Rücktritt Assads. Der UNO-Sicherheitsrat ist noch uneinig.

22. Dezember
Nach Berichten über Massaker an Zivilisten startet die Arabische Liga eine Beobachtermission. Die Anti-Assad-Proteste bringen Zehntausende auf die Straßen.

2012

Februar
Die drittgrößte syrische Stadt Homs, seit Monaten umkämpft, ist Ziel einer Großoffensive der Armee. Besonders blutig ist der 4. Februar, bei Bombardements sterben möglicherweise bis zu 200 Menschen.

27. Mai
Bei einem Massaker in Hula kommen mehr als 100 Menschen ums Leben, darunter Kinder. Diplomatische Proteste folgen. Die UNO schätzt, dass im bisherigen Verlauf des Konflikts mehr als 10.000 Menschen ihr Leben verloren haben.

23. Juni
Das syrische Militär schießt ein türkisches Kampfflugzeug ab. Syrien wirft dem Nachbarland vor, die Oppositionsbewegung von ihrem Gebiet aus zu unterstützen.

18. Juli
Bei einem Anschlag in Damaskus kommen Syriens Verteidigungsminister und dessen Stellvertreter, ein Verwandter Baschar al-Assads, ums Leben.

Ende Juli
In der Millionenstadt Aleppo startet die Armee eine Offensive.

17. August
Nachdem Kofi Annan vom Amt des UNO-Sondervermittlers zurückgetreten ist, soll ihm der Algerier Lakhdar Brahimi nachfolgen.

20. August
US-Präsident Barack Obama zieht die inzwischen immer wieder zitierte "rote Linie". Er droht mit Konsequenzen, sollte das Assad-Regime Chemiewaffen einsetzen.

November
Die Zahl der Flüchtlinge liegt Schätzungen zufolge schon über 400.000.

2013

Syriens Präsident Baschar al-Assad (picture alliance / dpa / Sana handout)Ansprache in der Oper von Damaskus (picture alliance / dpa / Sana handout)6. Januar
Präsident Assad spricht zum ersten Mal seit Monaten zu seinem Volk und ruft zur Mobilmachung gegen "Killer und Kriminelle" auf.

Ende Januar
Die NATO stellt im türkisch-syrischen Grenzgebiet Patriot-Abwehrraketen auf - zur Verteidigung der Türkei. Auch Deutschland beteiligt sich.

25. April
Die USA haben angeblich Hinweise auf einen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien durch das Assad-Regime. Außenminister John Kerry zufolge gibt es aber noch keine eindeutigen Beweise.

16. Mai
Schon zum dritten Mal ruft die UNO-Vollversammlung zum Frieden auf - vergebens. In den vergangenen zwei Jahren sind 80.000 Tote zu beklagen.

15. Juli
Während einer Militäroffensive wollen Regierungstruppen bei Damaskus eine Chemiewaffenanlage der Rebellen entdeckt haben. Die weisen die Anschuldigungen zurück.

24. Juli
Die UNO-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane und der Giftgasexperte Åke Sellström treffen in Damaskus ein und verhandeln über die künftige Arbeit der UNO-Inspekteure.

1. August
Syriens Präsident Assad erlaubt der UNO unter Auflagen, den Einsatz von Giftgas im Land zu untersuchen.

Bewohner des Flüchtlingscamps Zaatari in Jordanien versorgen sich mit Wasser. (picture alliance / Kyodo)Im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien (picture alliance / Kyodo)19. August
Die UNO-Experten nehmen ihre Arbeit auf. Das Team soll drei Orte untersuchen, an denen Chemiewaffen eingesetzt worden sein sollen. - Die UNO schätzt, dass der Konflikt mittlerweile 6,8 Millionen Menschen vertrieben hat, darunter drei Millionen Kinder. Die Zahl der Todesopfer liege bei 100.000.

21. August
Oppositionelle, Augenzeugen und Hilfsorganisationen berichten von einem Angriff mit Giftgas in der Nähe von Damaskus, bei dem hunderte Menschen getötet worden sein sollen; einige Quellen sprechen von tausenden Toten. Regierung und Oppositionstruppen beschuldigen sich gegenseitig.

26. August
Die UNO-Inspektoren dürfen den mutmaßlichen Tatort untersuchen. Auf dem Weg dorthin werden sie von Heckenschützen beschossen, verletzt wird niemand.

27. August
Die USA, Großbritannien und die Arabische Liga beschuldigen das Assad-Regime, für den Giftgas-Angriff verantwortlich zu sein. Der britische Premierminister David Cameron und US-Präsident Barack Obama denken nach Medienberichten über einen Militärschlag nach. Syrien gibt sich kampfbereit.

28. August
Großbritannien will vor einem Militärschlag jetzt den Bericht der UNO-Chemiewaffenexperten abwarten. Der UNO-Sicherheitsrat hatte vorher nicht über einen Resolutionstext der britischen Regierung diskutiert. Damit wollte diese die Gewalt in Syrien verurteilen lassen und ein Mandat fordern, das "alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz von Zivilisten vor Chemiewaffen" erlaubt. - Unterdessen greifen Hacker, die sich als Assad-Unterstützer bezeichnen, den Internetauftritt der "New York Times" an.

29. August
US-Präsident Barack Obama sagt in einem Interview, noch keine Entscheidung über einen Militärschlag getroffen zu haben. Der britische Premierminister David Cameron verliert im Parlament die Abstimmung über seinen Vorstoß für einen Einsatz in Syrien. US-Präsident Obama zeigt sich davon unbeeindruckt und will seinen Kurs fortsetzen.

30. August
US-Außenminister John Kerry erklärte in Washington, die USA habe "klare und schlüssige" Beweise für Chemiewaffenangriff des Assad-Regimes. Darauf wiesen US-Geheimdienstberichte hin. Es seien 1429 Menschen, davon 426 Kinder, getötet worden.

31. August
Die UNO-Inspekteure beenden ihre Untersuchungen zum mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien. Ihre genommenen Proben sollen von mindestens zwei verschiedenen Labors in Europa analysiert werden. Die Tests werden mehrere Tage dauern.
US-Präsident Barack Obama verkündet, er habe sich für einen Militärschlag gegen Syrien entschieden. Diesen macht er aber von der Zustimmung des Kongresses abhängig.
Obama verliert vorerst einen möglichen Bündnispartner: Das britisches Unterhaus stimmt gegen ein militärisches Eingreifen, eine schwere Niederlage für Präsident David Cameron.
"Wenn sich Washington, London, Paris und Moskau nicht einigen, wird die Zerstörung Syriens weitergehen", <LI_ 2234529>kommentiert DKultur-Chefredakteur Peter Lange. Eine militärische Strafaktion mit vagen Zielen und unzureichender Legitimation werde daran nichts ändern.

2. September
Immer mehr westliche Geheimdienste sehen in Präsident Baschar al-Assad den Schuldigen für den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Laut einem Medienbericht hat auch der deutsche Bundesnachrichtendienst entsprechende Informationen abgefangen.

3. September
Nach der französischen Verfassung kann Präsident Francois Hollande ohne Zustimmung des Parlaments die Armee in einen Einsatz schicken. Doch im Fall Syriens ist alles anders. Die Mehrheit der Bevölkerung ist gegen diesen Einsatz. Der Druck auf Hollande steigt, die Nationalversammlung abstimmen zu lassen, schreibt Korrespondentin Ursula Welter.

4. September
Der Außenausschuss im US-Senat stimmt einem Militärschlag ohne Bodentruppen zu. Die Koalition gegen Streubomben wirft der syrischen Armee vor, mindestens viermal seit Mitte 2012 Streubomben eingesetzt zu haben.

6. September
Auch bei einem persönlichen Gespräch zwischen Wladimir Putin und Barack Obama beim G20-Gipfel in Sankt Petersburg können sich Russland und die USA nicht auf eine Linie im Konflikt einigen. Zehn Mitgliedsländer, darunter Großbritannien, Frankreich und Spanien, stellen sich in einer am Rande des Gipfels verabschiedeten Erklärung hinter die Angriffspläne der USA. Deutschland unterschreibt die Erklärung nicht.

7. September:
Außenminister Guido Westerwelle teilt mit, dass Deutschland die G20-Erklärung zum Chemiewaffeneinsatz nun doch mittragen will. Die 28 EU-Außenminister verurteilen den Einsatz von Giftgas in Syrien als "einen ernsthaften Bruch des Völkerrechts, der eine angemessene Antwort erfordert".

8. September:
Einem Medienbericht zufolge sollen Funkgespräche, die die deutsche Marine abgehört hat, belegen, dass syrische Kommandeure in den vergangenen Monaten immer wieder Giftgas-Angriffe bei Assad gefordert haben.

9. September:
Im Interview mit dem US-Sender CBS bestreitet Assad den Einsatz von Giftgas. Russland fordert die syrische Führung auf, ihre Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen. Syrien begrüßt den Vorschlag, US-Präsident Obama spricht von einem "möglichen Durchbruch".

10. September:
Syriens Außenminister Walid al-Mualim verkündet, dass das Land der internationalen Chemiewaffenkonvention beitreten will. Eine geplante Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats wird abgesagt. Der französische Resolutionsentwurf sei "unannehmbar", sagt Russlands Außenminister Lawrow. US-Präsident Obama erklärt in seiner Rede an die Nation, dass er den Konflikt gemeinsam mit Russland lösen wolle. Gleichzeitig will er aber auch den militärischen Druck auf Assad aufrechterhalten.

14. September:
US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow vereinbaren, dass Syriens Führung binnen einer Woche ihre Chemiewaffenbestände offenlegen soll. Bis Mitte 2014 sollen alle Bestände vernichtet werden.

16. September:
Die UNO-Inspekteure legen ihren Bericht vor, der Giftgas-Einsätze in Syrien bestätigt. Verantwortliche werden nicht genannt.

18. September:
Stammen die Grundlagen für in Syrien eingesetztes Giftgas aus Deutschland? Deutsche Regierungen haben jedenfalls zwischen 2002 und 2006 die Ausfuhr von Chemikalien nach Syrien genehmigt, mit denen auch Chemiewaffen hergestellt werden können.

26. September:
Mehrere Rebellengruppen distanzieren sich von der Syrischen Nationalen Koalition. Die wird vom Westen unterstützt - und der zeigt sich besorgt.

27. September:
Die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat erreichen einen Durchbruch im Streit um die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen. Sie einigen sich auf eine Resolution. Einen Sanktionsautomatismus sowie die Nennung von Verantwortlichen der Giftgasangriffe spart der Entwurf aus.

1. Oktober:
Die UNO beginnt mit der Chemiewaffenzerstörung: Die internationalen Inspektoren haben eine gewaltige Aufgabe vor sich. Das Land verfügt nach Schätzungen über 1000 Tonnen chemischer Kampfstoffe. Alle sollen zerstört werden, genauso wie die Produktionsanlagen. Bis Mitte 2014 soll der Einsatz dauern.

6. Oktober:
Bundesaußenminister Guido Westerwelle lehnt es ab, dass Deutschland im Syrien-Konflikt eine Vermittlerrolle einnimmt. Am nächsten Tag wird eine Friedenskonferenz für November angesetzt.

14. Oktober:
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft Rebellengruppen vor, ein Massaker an 190 Alawiten begangen zu haben.

 

Letzte Änderung: 26.11.2013 14:02 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr On Stage

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Deutschland und Visegrad-Gruppe"In der Flüchtlingspolitik treffen zwei Ansätze aufeinander"

Treffen in Warschau: Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo (von rechts), Bundeskanzlerin Angela Merkel und der slowakische Ministerpräsident Robert Fico. (PAP)

Der Osteuropa-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Kai-Olaf Lang, wertet es als sinnvolles Signal, dass Bundeskanzlerin Merkel in Warschau mit der sogenannten Visegrad-Gruppe zusammenkommt. In der Flüchtlingspolitik wollten diese Länder ebenso wie Deutschland eine europäische Lösung, sagte Lang im Deutschlandfunk. Ihr Ansatz sei allerdings ein anderer.

ErnährungDick und krank durch Sojaöl

Eine dicke Frau sitzt am Strand. (Matt Cardy / Getty Images)

Soja ist gesund, das Öl aus der "Wunderbohne" gilt als "gutes Fett". Doch eine US-Studie legt nun den Verdacht nahe, dass Sojaöl womöglich viel schädlicher für die Gesundheit ist als andere Fette.

TextverarbeitungDrucker aus: Word ist tot

Druckt ihr noch - und nutzt ihr dafür Word? Wir glauben, Word ist tot. Wenn wir lange Texte schreiben, dann wollen wir die doch online veröffentlichen. Und genau dann macht uns Word irre.

Französischer Abgeordneter ApparuBurkiniverbot ist "gerechtfertigt"

Der französische Parlamentsabgeordnete Benoist Apparu von der Partei Les Républicains. (AFP / Francois Guillot)

Der französische Parlamentsabgeordnete Benoist Apparu von der Partei Les Républicains hat Verständnis für ein Burkini-Verbot. Er sagte im Deutschlandfunk, mit Blick auf die aktuellen Spannungen in Frankreich bestehe das Risiko, dass Burkinis die öffentliche Ordnung störten. 

Aus den FeuilletonsErzwungener Striptease für die Freiheit?

Eine Frau mit Kopftuch und T-Shirt badet am 21.07.2016 am Strand von Norddeich (Niedersachsen) in der Nordsee.  (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)

Vier bewaffnete Männer umstehen am Strand von Nizza eine Frau – und zwingen sie einen Teil ihrer Verhüllung abzulegen. Ein schreckliches Bild, schreibt darüber Andreas Rosenfelder in der "Welt": Darin ein Symbol unserer Freiheit zu sehen, will ihm nicht gelingen.

KonfliktforscherKaum Chancen für Frieden in Syrien

Eine große Rauchwolke über einigen Gebäuden in einer Wüstengegend.  (AFP / BULENT KILIC)

Nach dem Willen der internationalen Gemeinschaft sollen Verhandlungen den Krieg in Syrien beenden. Deren Aussichten schätzt der Konfliktforscher Wolfgang Schreiber skeptisch ein: Derzeit seien die Bedingungen für einen Frieden in Syrien einfach nicht gegeben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Daraja  UNO und Rotes Kreuz schicken Teams - Putin und Erdogan reden über Aleppo | mehr

Kulturnachrichten

"Lied der Deutschen" feiert Jubiläum  | mehr

Wissensnachrichten

Urheberrecht  Streit um Affen-Selfie geht in zweite Runde | mehr