Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Chronologie: Unruhen in Ägypten

Eckpunkte der Revolution

Tausende Mursi-Anhänger hatten wochenlang in den Zeltstädten ausgeharrt. (picture alliance / dpa / EPA / Mohammed Saber)
Tausende Mursi-Anhänger hatten wochenlang in den Zeltstädten ausgeharrt. (picture alliance / dpa / EPA / Mohammed Saber)

Seit Januar 2011 demonstrieren die Ägypter immer wieder gegen ihre Regierung. Hosni Mubarak zwangen sie zum Rücktritt, ebenso den gewählten Präsidenten Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft. Nun hat die Übergangsregierung nach der gewaltsamen Räumung zweier Protestlager erneut den Ausnahmezustand ausgerufen.

2011

25. Januar
Beginn der Demonstrationen in verschiedenen ägyptischen Städten, inspiriert durch den Arabischen Frühling in Tunesien. Drei Tage später erreichen die Proteste am sogenannten "Tag des Zorns" (28. Januar) einen ersten Höhepunkt.

11. Februar
Hosni Mubarak tritt zurück und gibt die Macht ans Militär ab. Er flieht nach Scham el Scheich. Am Tag darauf wird der Ex-Präsident wegen einer Herzattacke von der Untersuchungshaft in ein Krankenhaus verlegt.

28. November bis 15. Februar 2012
In Ägypten finden Parlamentswahlen statt. Im Unterhaus gewinnt die islamistische Muslimbruderschaft nahezu die Hälfte der Sitze, die ultrakonservativen Salafisten kommen auf ein Viertel. Der Rest geht an liberale, unabhängige und säkulare Politiker. Im Oberhaus gewinnen die Islamisten fast 90 Prozent der Mandate.

29. Dezember
Sicherheitskräfte durchsuchen die Büros verschiedener Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen. Darunter ist auch das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung.

2012

23./24. Mai
Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen wird abgehalten, unter den 13 Kandidaten schneiden Mursi und Ahmed Schafik, der letzte Regierungschef unter Mubarak, am besten ab. Sie müssen sich einer Stichwahl stellen.

14. Juni
Das Oberste Verfassungsgericht ordnet die Auflösung des Unterhauses an. Die Zusammensetzung sei auf Grundlage eines fehlerhaften Wahlgesetzes zustande gekommen, hieß es zur Begründung.

24. Juni
Die Wahlkommission erklärt Mursi von der Muslimbruderschaft zum Sieger der Stichwahl zum Präsidenten. Am 30. Juni legt er seinen Amtseid ab.

12. August
Mursi setzt Verfassungszusätze außer Kraft, die seine Macht beschränken sollten. Juristen kritisieren, er habe damit seine Kompetenzen überschritten.

29. November
Im Eilverfahren peitscht die verfassunggebende Versammlung, dominiert von islamistischen Kräften, den Entwurf einer neuen Grundordnung durch. Vor allem Christen und liberale Ägypter kritisieren den Text. Es gibt neue Massenproteste.

25. Dezember
Die Wahlkommission gibt bekannt, dass 63,8 Prozent der Bevölkerung in einem Referendum für den Verfassungsentwurf gestimmt haben.

2013

11. Februar
Am zweiten Jahrestag des Mubarak-Rücktritts gehen mehr als zehntausend Ägypter gegen die Mursi-Regierung auf die Straße. In mehreren Städten kommt es in den folgenden Wochen immer wieder zu gewalttätigen Protesten.

4. Juni
Die beiden Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung aus dem Büro in Kairo werden zu Haftstrafen verurteilt. Sie befinden sich allerdings schon in Deutschland.

20. Juni
Eine Unterschriftenkampagne der Initiative "Tamarrud" (Rebellion) mit offenbar mehreren Millionen Unterzeichnern soll Mursi zum Rücktritt zwingen.

3. Juli
Mursi wird nach tagelangen Massenprotesten vom Militär abgesetzt und unter Arrest gestellt. Einen Tag später wird der Oberste Verfassungsrichter Adli Mansur Übergangspräsident. Mursi-Anhänger beginnen einen Dauerprotest. Es kommt immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen mit dem Militär, viele Menschen sterben.

26./27. Juli
Mursi wird des Landesverrats beschuldigt und kommt in Untersuchungshaft. Landesweit demonstrieren Hunderttausende für und gegen ihn. Seine Gegner folgen einem Aufruf der Armee, Kundgebungen zu organisieren, um der Militärführung ein "Mandat zur Bekämpfung des Terrors" zu geben. Bei einer Schießerei zwischen Islamisten und Sicherheitskräften sterben mindestens 80 Menschen.

7. August
Ägypten erklärt die Bemühungen internationaler Diplomaten zur Beilegung der politischen Krise für gescheitert. Die Übergangsregierung kündigt an, die Protestlager mit tausenden Mursi-Anhängern gewaltsam räumen zu lassen.

12. August
Die Untersuchungshaft für Mursi wird um weitere 15 Tage verlängert. Islamisten ziehen in einem Protestmarsch zum Justizgebäude in Kairo.

14. August
Bei der gewaltsamen Räumung der Protestlager gibt es Tote und Verletzte.

15. August
Das Innenministerium weist die Sicherheitsbehörden an, mit scharfer Munition auf Plünderer und Saboteure zu schießen.

16. August
Zehntausende demonstrieren nach den Freitagsgebeten gegen die Übergangsregierung, mehrere Dutzend Menschen werden getötet. Am Abend wird eine Ausgangssperre verhängt.

17. August
Die Polizei räumt die Al-Fath-Moschee am Ramses-Platz in Kairo, wo sich Hunderte Islamisten verschanzt hatten.

21. August
Die Europäische Union stoppt Waffenlieferungen nach Ägypten. Zivile Hilfsprogramme sollen vorerst weiterlaufen. Ein Gericht ordnet die Freilassung des Ex-Präsidenten Husni Mubarak an. Am nächsten Tag wird er in eine Militärkrankenhaus überführt und bleibt unter Hausarrest.

23. August
Die erneuten Proteste nach den Freitagsgebeten fallen kleiner aus, als in den Wochen zuvor.

25. August
Der Prozess gegen führende Mitglieder der Muslimbrüder startet und wird fast umgehend auf Oktober vertagt.


Mehr zum Thema auf dradio.de

"Es ist ihr verfassungsmäßiges Recht, friedlich zu protestieren"- Ägyptischer Botschafter fordert Muslimbrüder zur Teilnahme an Demokratisierung auf
Brantner: Gefahr eines Bürgerkriegs in Ägypten - Grüne EU-Parlamentarierin verurteilt Eskalation durch Regierung
"Wir hatten in Ägypten ohne jeden Zweifel eine demokratische Wahl" - FDP-Politiker Stinner sieht Absetzung Mursis kritisch

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Konzertdokument der Woche

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

PsychologieSei nicht so hart zu dir selbst!

Anderen können wir Fehler verzeihen - bei uns selbst tun wir uns damit schwer. Stress, Ängste, sogar Depressionen können die Folge sein, sagt die Psychotherapeutin Christine Brähler. Sie rät: Wir brauchen mehr Mitgefühl mit uns selbst!
      

Motivation von Attentätern und AmokläufernWir leben Aggressivität vor

Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, macht vor Beginn des Mannesmann-Prozesses im Landgericht in Düsseldorf das Victory-Zeichen. (dpa/ picture-alliance/ Oliver Berg)

Auch in modernen Gesellschaften sei Gewalt allgegenwärtig, meint der Soziologe Harald Welzer. Der "kampfbereite und siegerprobte Einzelkämpfer" werde in der Wirtschaft gefeiert und der "Ego-Shooter" zum Idealtypus erhoben. Bei der Suche nach den Ursachen von Terror und Amok werde das gern übersehen.

Wahl in Mecklenburg-VorpommernSPD und CDU profitieren nicht vom Wirtschaftsboom

Zwei Grossplakate zur Landtagswahl 2016 in Mecklenburg-Vorpommern mit den Spitzenkandidaten der SPD Erwin Sellering (links) und der CDU Lorenz Caffier stehen an einem Einkaufscenter in Rostock. Die Wahl zum 7. Landtag des Landes Mecklenburg-Vorpommern findet am 4. September 2016 statt. Schwerin (Imago / Frank Hormann / Nordlicht)

Die Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns hat in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung genommen: mehr Jobs, weniger Arbeitslose, eine gute Konjunktur - nicht nur im Tourismus-Sektor. Trotzdem könnte es bei der Landtagswahl am 4. September für die Regierungsparteien SPD und CDU eng werden.

Aus den FeuilletonsBurka - umkämpftes Kleidungsstück

Eine afghanische Frau in Herat trägt eine Burka.  (picture alliance / dpa / Jalil Rezayee)

Der Streit um das Verbot von Burka und Burkini hat in den vergangenen Tagen an Schärfe zugenommen. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Ist ein Verbot paternalistisch? Oder bedroht die Vollverschleierung das Fundament von Europas Kultur?

Märchen Europa?"Diese ewige Wettbewerberei macht die Menschen kaputt"

Gesine Schwan am 17. Januar 2016 in der ARD-Talksendung "Anne Will" (dpa / picture alliance / Karlheinz Schindler)

Aus Sicht der Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan hat die negative Stimmung in Europa seit der Bankenkrise stark zugenommen. Falsche politische Weichenstellungen und "Wahltaktiererei" in den Nationalstaaten hätten die Menschen gegeneinandergetrieben, sagte sie im Deutschlandfunk. Städte und Gemeinden müssten grenzüberschreitend "mehr machen können".

Daniel Fuhrhop: "Willkommensstadt"Flüchtlinge in unsere Häuser

Zimmer für Flüchtlinge in Hamburg-Harvestehude (Foto: Axel Schröder)

Für Flüchtlinge müssen keine neuen Wohnungen gebaut werden, schreibt der Architektur-Verleger und Blogger Daniel Fuhrhop. Neubauten würden die Integration sogar erschweren. In "Willkommensstadt" beschreibt er, wie es besser geht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundeskanzlerin  Merkel fordert von Deutschtürken mehr Beteiligung | mehr

Kulturnachrichten

Nigerianer Ogboh erhält den Bremer Kunstpreis der Böttcherstraße  | mehr

Wissensnachrichten

Rio de Janeiro  Selfies an der Lochte-Tankstelle | mehr