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Costa Concordia: Sechstes Opfer tot geborgen

Kapitän wollte mit Manöver möglicherweise Mitarbeiter Gefallen tun

Von Tillmann Kleinjung

Das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" liegt in Schräglage nahe der Insel Giglio vor der toskanischen Küste. (picture alliance / dpa / Peter Mayer)
Das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" liegt in Schräglage nahe der Insel Giglio vor der toskanischen Küste. (picture alliance / dpa / Peter Mayer)

Langsam schwinden die Hoffnungen, im Wrack der gesunkenen Concordia noch Überlebende zu finden. Inzwischen wurde ein weiteres Todesopfer geborgen. Damit erhöht sich die Zahl der Menschen, die bei diesem Unglück ihr Leben verloren haben, auf sechs.

Über die Identität des Mannes gibt es noch keine Informationen. Es soll sich um einen Passagier handeln. Er wurde in dem Schiffsteil gefunden, das noch aus dem Wasser ragt. Hier hatten die Retter noch am ehesten Überlebende vermutet. Der Bürgermeister der kleinen Insel Giglio Sergio Ortelli:

"Leider ist die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, sehr gering. Ich hoffe dennoch. Jetzt läuft gerade die wichtigste Phase. Wir versuchen diejenigen zu retten, die im Schiffsinneren sind. Wir hoffen, dass es Hohlräume gibt, in denen man einige Tage überleben kann."

Wellengang und starker Wind machen den Rettungskräften zu Schaffen. Es besteht die Gefahr, dass dadurch halb gesunkene Schiff abrutscht in tiefere Gewässer, sagt Luca Cari, Sprecher der Feuerwehr:

"Die Bergungsarbeiten sind durch das schlechte Wetter erschwert. Das Meer ist bewegt. Heute Nacht haben unsere Leute daran gearbeitet, einen alternativen Zugang zu dem, den wir bisher benutzt haben, zu schaffen."

Dennoch werden die Bergungsarbeiten fortgesetzt, wir untersuchen weiter das Wrack, sagt Filippo Marini von der Küstenwache im italienischen Fernsehen.:

"Die Bergungsarbeiten laufen auf vollen Touren, die Taucher der Küstenwache suchen in dem Teil des Schiffes, der unter Wasser liegt, einem sehr schwer zugänglichen Teil im Heck, sie klopfen an die Kabinentüren, kontrollieren die Flure und horchen, ob man irgendwelche Geräusche vernehmen kann."

Die italienischen Medien gehen weiter von 16 Vermissten aus, darunter werden keine Deutschen aufgeführt. Doch allein in Hessen gingen fünf Vermisstenanzeigen ein. In Nordrheinwestfalen meldete ein Sohn seine Eltern vermisst. Außerdem fehlt noch von zwei Frauen aus Baden-Württemberg jede Spur.

Zur Unglücksursache gibt es nun eine plausible Theorie. Möglicherweise hat der Kapitän die Concordia deshalb so nah ans Ufer der Insel Giglio manövriert, um einem Besatzungsmitglied einen Gefallen zu tun, dessen Eltern auf der Insel leben. Gegen den Kapitän wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Er soll durch einen zu späten Hilferuf die Rettungsarbeiten zusätzlich erschwert haben. Ein Angehöriger der Besatzung nimmt seinen Kapitän und das Schiffspersonal gegen Vorwürfe in Schutz:

" Es wurden sehr viele Leute gerettet! Da hat doch die Mannschaft gut reagiert. Wäre es anderes gewesen, wären 2000, 3000 Leute gestorben."

Doch mittlerweile geht auch der Arbeitgeber auf Distanz zum Kapitän: Der inzwischen festgenommene Francesco Schettino habe offenbar «menschliche Fehlentscheidungen» getroffen, teilte die Reederei Costa Crociere mit.

Weiterführende Informationen bei dradio.de:

"Die häufigste Ursache sind in der Tat menschliche Fehler" - Schifffahrtsexperte analysiert Kreuzfahrthavarie vor italienischer Küste



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

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