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Das Duell Künast-Wowereit

Berlin vor der Wahl: Endspurt für Rot und Grün

Von Günter Hellmich

Renate Künast und Klaus Wowereit sind sich nicht nur politisch grün (picture alliance / dpa /Maurizio Gambarini)
Renate Künast und Klaus Wowereit sind sich nicht nur politisch grün (picture alliance / dpa /Maurizio Gambarini)

Künast gegen Wowereit – das versprach vor einem Jahr, ein interessantes Rennen mit Vorteilen für Künast zu werden. Drei Tage vor der Wahl sieht es eher nach einer klaren Koalition der Duellisten aus - mit den Grünen als Juniorpartner.

"Also, Renate Künast ist ja von den Medien zur Kandidatin erklärt worden, bevor sie überhaupt was gesagt hat. Ich sage mal: Wir könnten uns darüber freuen, wenn Renate Künast die Bundesebene verlässt und sagt, ja, sie will hier in Berlin ihre Kraft einsetzen, damit die Grünen eine vernünftige Politik machen, meine lieben Genossinnen und Genossen."

Juni 2010. Landesparteitag der SPD. Klaus Wowereit reagiert auf ein Gerücht – positiv. Alle wissen, es stimmt – aber Renate Künast schweigt und genießt die Vorschusslorbeeren - alles Bestandteil einer erfolgreichen Inszenierung. Die Umfragewerte der Grünen Ende Oktober sind der Beweis: Mit 30 Prozent liegt Künasts Partei bei infratest-dimap sensationelle acht Prozentpunkte vor der SPD.

"Und ich setze auf Sieg und ich setze nur auf Sieg. Ich will mit Euch Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden."

Anfang November ist es soweit: Künast erklärt die offizielle Herausforderung. Auf Sieg setzen heißt: Sie kommt nur als Chefin in die Stadt – Senatorin reicht nicht. Da bleibt sie lieber im Bundestag. Das kommt nicht bei allen Wählern gut an. Wowereit dagegen dreht auf, zeigt unermüdlich Präsenz in den Medien.

Schon im Dezember liegen die Sozialdemokraten wieder vorn, und das bleibt auch so - von einem kurzen Fukushima-Hoch abgesehen. Jetzt im September ermittelt infratest-dimap 29,5 zu 20 Prozent. 61 zu 17 heißt es gar, wenn Wowereit und Künast direkt zur Wahl stünden. Interessant ist diese Entwicklung auch für die CDU. Da Renate Künast die Koalitionsfrage offenlässt, und nach Lage der Umfragen als zweite Siegerin nur mit der Union Regierungschefin werden kann, bereitet man sich auf dem Programmparteitag mit Heiner Geißler auf eine mögliche Allianz vor.

"Es gibt überhaupt keinen Grund, warum die CDU mit den Grünen nicht genau so eine Koalition eingehen könnte, wie mit jeder anderen Partei. Nicht einen einzigen Grund."

Während Duellgegner Wowereit im Wahlkampf konsequent auf die eigenen Sympathiewerte und das wir-haben-doch-was-erreicht-Gefühl der Berliner setzt, sucht Renate Künast ihr Heil im kompromisslosen Angriff. Von Wowereit weitgehend ignoriert.

"Ich bin ich. Ich habe mein Leben, meine Erfahrungen. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, wo ich um alles von Anfang an kämpfen musste. Ich bin meinen Weg gegangen, und deshalb bin ich so, wie ich bin."

Die offengehaltene Koalitionsfrage wird für die Grünen am Ende immer mehr zum Problem. Die Stammwähler murren, sie wollen nicht mit der Union. Renate Künast will die Wogen glätten:

"Wenn Sie mich fragen nach Koalitionsoptionen, wir gehen wirklich offen in diese Wahl rein, wie alle anderen es auch tun. Wir haben die inhaltlich größte Schnittmenge mit der CD … mit der SPD."

Beim Fernsehduell im rbb letzte Woche beendet Künast dann überraschenderweise alle Koalitionsspekulationen:

"Ich sage Ihnen hier jetzt mal ganz klar: Ich werde, ich werde meiner Partei nicht vorschlagen, eine Koalition mit der CDU einzugehen. Weil ich an der Stelle, aber auch bei der inneren Sicherheit, beim Thema Bildung, die CDU immer mehr, von Tag zu Tag, als rückwärtsgewandte Partei erlebe."

Wowereit lässt seinerseits die Koalitionsfrage weiter offen, betont nur die größeren Schnittmengen mit Grünen und Linken. Worauf er sich mental einstellt nach dem 18. September macht er - vermutlich versehentlich – Mittwochabend auf einer Wahlkundgebung deutlich:

"Und ich sehe schon, mein lieber Koalitionspartner hat gerade wieder Bedingungen gestellt und was mit ihnen alles nicht geht. Da sag ich mal, die sollen mal endlich mal aus ihrem Desaster mit Renate Künast mal lernen, bevor sie Bedingungen stellen für zukünftige Koalitionen, damit sie nicht ein böses Erwachen da haben."

Doch vor die Koalitionsverhandlungen ist erst einmal die Wahl gestellt. Das Problem der Duellanten scheint derzeit nicht der Gegner oder künftige Koalitionspartner zu sein. Es geht darum, die eigenen Wähler zur Wahlurne zu bringen. Überraschungen sind sonst gut möglich.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

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