Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Das Ende der Überfischung?

EU-Parlament hat abgestimmt - einschneidende Reform geplant

Verschwenderische Rückwürfe sollen verboten werden.
Verschwenderische Rückwürfe sollen verboten werden. (picture alliance / dpa / Landov Odeski)

Jahr für Jahr werfen Europas Fischer tausende Tonnen gefangene Fische zurück ins Meer - weil sie zu klein sind oder unerwünscht. Das soll sich bald ändern. Das EU-Parlament in Straßburg hat einen Stopp der Überfischung durchgesetzt. Dadurch sollen angeschlagene Bestände geschützt werden.

In der Europäischen Union soll der Überfischung der Meere ein Ende gesetzt werden. Die EU-Parlamentarier in Straßburg verabschiedeten eine entsprechende Verordnung mit breiter Mehrheit. Sie enthält auch das Verbot so genannter Rückwürfe. Derzeit werden im Durchschnitt 40 Prozent der Fische (1,9 Millionen Tonnen pro Jahr) wieder ins Meer zurückgeworfen, weil sie nicht den Quoten entsprechen oder keinen Handelswert haben. Oftmals sind sie schon tot, wenn sie wieder im Wasser landen.

Das Rückwurfverbot soll ab 2014 schrittweise für einzelne Fischarten und Fanggebiete eingeführt werden und bis 2017 vollständig umgesetzt sein. EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki begrüßte den Beschluss: Damit werde eine Richtlinie eingeführt, die verschwenderische Praktiken unterbinde, "die wir uns nicht mehr leisten können".

Überfischung tabu

Das Parlament sprach sich außerdem für ein Ende der Überfischung aus - ab 2015 sollen keine überhöhten Fangquoten mehr möglich sein. Auch in Gewässern von Drittländern darf die EU dann nicht mehr zur Überfischung beitragen. Wer gegen die Regeln verstößt, soll in Zukunft keine Fördermittel mehr aus Brüssel erhalten. So sollen sich die stark verringerten Fischbestände bis 2020 erholen können.

Das Europaparlament stimmte außerdem für eine Überarbeitung der Fischereiabkommen, die die EU mit Entwicklungsländern abgeschlossen hat. Auch in den Gewässern dieser Länder darf die EU nicht mehr zur Überfischung beitragen. Die EU-Staaten müssen der Reform des Fischereirechts noch zustimmen, bevor sie in Kraft treten kann.

5,1 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr

Nach Angaben der EU-Kommission gibt es in der EU rund 140.000 Fischer, die mit ihren rund 85.000 Schiffen jährlich an die 5,1 Millionen Tonnen Fisch fangen. Sie beziffert die Zahl der Beschäftigten in der fischverarbeitenden Industrie auf rund 120.000. Etwa 70 Prozent der in der EU verzehrten Fische stammen allerdings aus Drittländern.


Mehr zum Thema auf dradio.de:

"Wir werden in Zukunft keine Überfischung mehr haben" - SPD-Europaabgeordnete Ulrike Rodust: EU-Fischereipolitik war "desaströs"
"Ohne Fisch keine Fischerei und keine Arbeitsplätze" - WWF-Expertin fordert schnelle Reform von Fangmethoden
"Gebt das Fischereimanagement an die Umweltminister!" - Meeresbiologe fordert grundlegende Reform der EU-Fischrichtlinien



Mehr bei deutschlandradio.de

 

Externe Links:

Mitteilung EU-Parlament

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Abkommen gegen SteuerfluchtFDP trauert dem Bankgeheimnis nach

Für Steuerhinterzieher könnten deutlich härtere Zeiten anbrechen

Der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing begrüßt das neue Steuerabkommen zwischen 51 Ländern. Es sei richtig, auf internationaler Ebene gegen Steuerhinterziehung vorzugehen. Erstaunlich sei aber, "dass man sich so darüber freut, dass das Bankgeheimnis tot ist", sagte Wissing im DLF.

Modellprojekt mit KärcherEinsatz für das Welterbe

Rathaus von Quedlinburg

Die UNESCO lässt historische Gebäude von der Firma Kärcher reinigen, die zum Welterbe zählen. Stefan Rennicke von der Deutschen UNESCO-Kommission erklärt, warum er viel von solchen Kooperationen mit der Privatwirtschaft hält.

AlgorithmusTrollt euch!

Ein kleiner Shitstorm hier, ein paar hasserfüllte Kommentare da: Trolle können einem so richtig auf den Geist gehen, wenn man sich durch Kommentarspalten klickt. Ein Algorithmus könnte Trolle demnächst erkennen und ihre Posts automatisch unterdrücken.

Arbeitsrecht für Asylbewerber"Es geht um Entlastung der Kommunen"

Der SPD-Politiker Guntram Schneider, Minister für Arbeit, Integration und Soziales in der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, aufgenommen am 02.06.2013 in Köln.

Asylbewerber sollen künftig früher arbeiten dürfen als bisher. Der bessere Zugang zum Arbeitsmarkt ermögliche es ihnen, in Deutschland Fuß zu fassen, sagte der nordrhein-westfälische Sozialminister Guntram Schneider (SPD) im DLF.

Künstler und Krieg"Wie sieht der Feind aus?"

Die Fotografin Herlinde Koelbl

Für ihre Ausstellung "Targets" hat die Fotografin Herlinde Koelbl Truppenübungsplätze in fast 30 Ländern besucht, um landestypische Zielscheiben zu dokumentieren. Diese Objekte seien von ihr bewusst gewählt worden, um zu zeigen, wie Krieg aussehe und dass Krieg immer wieder stattfinde, sagte Koelbl im DLF.

DeutschlandSkepsis vor der Nation

Ein Passant läuft in der Regensburger Innenstadt an "Stolpersteinen" vorbei.

Auch wenn die Deutschen ihre Einheit verkraftet haben - mit ihrem Nationalgefühl seien sie noch nicht im Reinen, meint die Journalistin Katharina Döbler. Zu schwer laste auf ihnen die Schuld aus Weltkriegen und NS-Diktatur.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

SPD-Politiker Bartol: PKW-Maut  wird genau geprüft | mehr

Kulturnachrichten

Brüder-Grimm-Preis:  Auszeichnung für die Schriftstellerin Ruth Klüger | mehr

Wissensnachrichten

Umwelt  Kläranlagen sind mit Mikroplastik meist überfordert | mehr