Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

Das größte Journalistengefängnis der Welt

Deutsche Reporter im Iran bleiben vorerst in Haft

Zwei Journalisten der "Bild am Sonntag" sitzen in Täbris in Haft.
Zwei Journalisten der "Bild am Sonntag" sitzen in Täbris in Haft. (AP)

Seit dem 10. Oktober sitzen zwei deutsche Reporter im Iran hinter Gittern, weil sie gegen Visa-Vorschriften verstoßen haben sollen. Jetzt durften erstmals Angehörige die beiden Inhaftierten besuchen. Die Hoffnungen auf eine baldige Freilassung allerdings sind weiter eher gering.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin konnten die beiden in Iran inhaftierten Deutschen in einem Hotel in Täbris in der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember mit ihren Angehörigen zusammenkommen.

Das Treffen zwischen den beiden Reportern der "Bild am Sonntag" und ihren Angehörigen hätte normalerweise, wegen der hohen Symbolkraft des Datums, schon an Weihnachten stattfinden sollen. Doch es dürften nicht zuletzt Machtspiele innerhalb der iranischen Regierung gewesen sein, die dies vereitelten, wie ARD-Korrespondent Ulrich Pick kommentierte.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte heute, die Angehörigen seien inzwischen auf dem Weg zurück nach Deutschland und müssten in Kürze eintreffen. "Wir versuchen unabhängig von allen möglichen Verflechtungen innerhalb des Iran auf allen uns möglichen Kanälen und Schienen in eine Richtung zu wirken, die eine Lösung des Falls ermöglicht", sagte der Sprecher. Die Stimmen der iranischen Politik verwiesen jedoch immer wieder auf die Justiz.

Journalisten als Faustpfand

Der iranische Außenministeriumssprecher Ramin Mehmanparast hatte gesagt, der Fall sei in den Händen der Justiz, die auch bestimmen werde, ob die beiden Journalisten schuldig oder unschuldig seien. Allerdings kündigte der Staatsanwalt der Stadt Täbris an, dass die Überprüfungen in dem Fall bald abgeschlossen werden könnten. "Die Überprüfungen neigen sich dem Ende zu", sagte Mussa Chalil-Elahi in einem Interview mit der Webseite des staatlichen Senders "IRIB". Auch der Staatsanwalt betonte, dass die Angelegenheit wie jeder anderer Rechtsfall behandelt werde.

Michael Rediske weist jedoch darauf hin, dass ein Gerichtsverfahren im Iran definitiv politisch gesteuert wäre. Der deutsche Vorstandssprecher der Organisation "Reporter ohne Grenzen" sagte im Deutschlandfunk, es gehe de facto um eine politische Geiselnahme durch eine diktatorische Regierung. "Deutschland spielt ja eine nicht unwichtige Rolle in diesen Atomverhandlungen zwischen dem Westen und Iran, und vermutlich dienen die beiden Journalisten da als eine Art Faustpfand", so Rediske. Der Iran sei zudem das derzeit größte Journalistengefängnis der Welt, noch vor China.

Reporter recherchierten zum "Fall Aschtiani"

Fotos des staatlichen iranischen Fernsehsenders Press TV. Sakineh Aschtiani in ihrem Haus in Osku, wo ihr Mann getötet wurde.Sakineh Aschtiani in ihrem Haus in Osku (AP) Die beiden Reporter der "Bild am Sonntag" hatten versucht, ohne ausreichende Akkreditierung über den Fall der zum Tod durch Steinigung verurteilten Iranerin Sakineh Aschtiani zu recherchieren. In der Stadt Täbris wurden sie verhaftet, als sie den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani interviewen wollten. Der Fall Aschtiani löst seit Monaten heftige internationale Proteste aus.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:38 Uhr Kulturtipps

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Ukraine-Konflikt"Putin ist der Verursacher der Eskalation"

Werner Schulz, Europaabgeordneter Bündnis90/Die Grünen

Der Grünen-Europapolitiker Werner Schulz geht mit Russlands Präsident Wladimir Putin hart ins Gericht. Im Ukraine-Konflikt entlarve sich eine "zynische Doppelmoral" des Kremlchefs, sagte Schulz. 

Ukraine-KriseIT-Unternehmer: Krim-Annexion wiederholt sich

Ein bewaffneter prorussischer Aktivist vor einer Barrikade in Slawjansk.

Der Heidelberger IT-Unternehmer Albrecht Metter, mit Niederlassungen auf der Krim und in Kiew, fordert angesichts der aktuellen Entwicklung in der Ukraine scharfe wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland.

Ukraine-Konflikt"Russland hat sich jetzt schon geschadet"

Hans-Dieter Heumann, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik

Die Lage in der Ukraine sei nicht im russischen Interesse, sagt dagegen Hans-Dieter Heumann, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Er fordert, auch die Anliegen der russischsprachigen Bevölkerung im Osten des Landes zu berücksichtigen.

Ökonomie ist nicht allesDu musst Dein Leben ändern!

Ein griechischer Journalist hält eine Tageszeitung in der Hand, auf der Bundeskanzlerin Merkel auf einem Thron sitzt.

In der EU müssen manche – wenn nicht ihr Leben – so doch ihre Haltung verändern. Das findet die Theologin Gesine Palmer. Sie ist empört darüber, dass die wirtschaftlich starken Staaten den schwachen Vorschriften machen.

Völkermord in RuandaDer Weltsicherheitsrat wollte nicht eingreifen

Porträtbilder der Opfer des ruandischen Völkermords.

Vor 20 Jahren wurden bei einem Massaker in der ruandischen Stadt Nyarubuye Menschen regelrecht geschlachtet. Das Massaker war Teil des Völkermords in Ruanda, bei dem extremistische Hutu mindestens 800.000 Tutsi und deren Sympathisanten ermordeten.

Online-ShoppingSweatshirts im Riechtest

Pakete auf einem Fließband

Bestellen, anprobieren, kostenfrei zurückschicken: Bis zu 60 Prozent der im Internet gekauften Kleidung landet heute wieder bei den Online-Händlern. Die Bearbeitung der Retouren wird zum Wirtschaftsfaktor.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

3,5 Jahre Gefängnis  für Ex-Minister Deubel in Nürburgring-Prozess | mehr

Kulturnachrichten

Springer-Chef Döpfner  warnt vor Macht von Google | mehr

Wissensnachrichten

USA  USA: Neue Karten, die vor Sturmfluten durch Hurrikans warnen | mehr