Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Das ist ein gutes Urteil"

Die Norweger sind zufrieden mit dem Ausgang des Breivik-Prozesses

Von Tim Krohn, Stockholm

Menschen gedenken vor dem Dom in Oslo den Opfern des Anders Breivik
Menschen gedenken vor dem Dom in Oslo den Opfern des Anders Breivik (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)

Er ist schuldfähig und wird wohl nie wieder auf freien Fuß kommen: Das Urteil gegen den Massenmörder Anders Breivik sorgt in Norwegen für Erleichterung. Die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer wollen nun nach vorne schauen.

Anders Behring Breivik hatte sich lange auf diesen Auftritt vorbereitet. Zum Schluss, so sein Kalkül, müsse man ihm noch mal das Wort erteilen, so wie das in Norwegen üblich ist. Breivik fing also an zu reden, sagte wieder einmal, dass er das Gericht nicht anerkennt, das Urteil aber auch nicht anfechten wird. Dann wollte er sich an die Öffentlichkeit wenden. Aber Elizabeth Arntzen, die Richterin ging mit deutlichen Worten dazwischen.

"Das ist nicht die Zeit, sich an jemanden außerhalb des Saales zu wenden. Du sollst mir antworten Breivik! ... Du nimmst dir also Bedenkzeit?"

"Nein", antwortet Breivik.

"Dann gibt es nicht mehr zu behandeln. Die Verhandlung ist geschlossen."

Dieser Schlussdialog war symptomatisch für den ganzen Prozess. Auch nach 43 Verhandlungstagen und mehr als sieben Stunden akribischster Urteilsbegründung behielten die Richter alles im Griff. Das Strafverfahren ist geradezu mustergültig verlaufen. Das Ende gestern Abend hat gezeigt, dass Breiviks Versuche, den Gerichtssaal als Bühne zu nutzen, wieder mal gescheitert sind.

Eine der Überlebenden von Ütöya spricht aus, was heute Morgen so ziemlich alle denken.

"Ich glaube, jetzt ist ein Punkt gesetzt worden. Und ich glaube, für die allermeisten von uns ist es gut. Jetzt können wir endlich weiterkommen."

Die Zeitung Aftenposten hatte noch gestern Abend eine Blitzumfrage gestartet.
Die Norweger zeigten sich darin sehr zufrieden mit dem Urteil und auch beruhigt, weil das Rechtssystem so klare Worte gefunden hat und der Attentäter wohl nie mehr auf freien Fuß kommen wird.

Der Sprecher der Hinterbliebenen, Trond Blattmann, ist erleichtert.

"Wir finden, es ist ein gutes, ein einstimmiges Urteil. Breivik ist schuldfähig und muss jetzt Verantwortung übernehmen für seine Taten. Und das ist gut."

Wir hoffen, fügt Blattmann noch hinzu, dass wir ihn jetzt vergessen können – für den Rest seines Lebens. Das allerdings könne nur klappen, wenn auch die Medien mitspielen.

"Ich möchte der Presse sagen, dass es jetzt auch in ihr liegt, uns etwas Frieden zu gewähren. Seien Sie etwas zurückhaltender mit ihren Artikeln und Berichten. Und bitte schreiben Sie nichts mehr über diesen Mann. Er verdient nicht noch mehr Publizität. Die hat er schon massenhaft bekommen."

Inzwischen hat auch die Staatsanwaltschaft dem Richterspruch zugestimmt.
Blattmann und die anderen können also ab heute zurück in den Alltag. Breiviks Gesicht müssen sie nie wieder sehen.

Mehr zum Thema bei dradio.de:

Breivik zu 21 Jahren Haft verurteilt - Norwegischer Massenmörder zurechnungsfähig
"Wir müssen für schlimmste Fälle vorberereitet sein" - Nach dem Attentat von Anders Behring Breivik hat Norwegen Konsequenzen gezogen
Kommentar: Ein fairer Prozess mit einem gerechten Urteil - Norwegens demokratischer Rechtsstaat hat gesiegt

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Musikjournal

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Alte Musik

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Belgien"Gewährt mir Sterbehilfe"

Frank van den Bleeken

Belgien diskutiert über den Fall eines Sexualstraftäters, der in Sicherungsverwahrung sitzt. Weil er das nicht länger erträgt, hat er sich das Recht auf Sterbehilfe erstritten - doch hat er das wirklich freiwillig getan?

KlimazieleSind wir noch zu retten?

Es ist ein Negativ-Rekord: 2013 sind die weltweiten CO2-Emissionen weiter gestiegen. Und auch in diesem Jahr gibt es nach Angaben der Klimaforscher vom "Globalen Kohlenstoff-Projekt" keine Trendwende.

Erster WeltkriegMars-Männchen im Anflug

Eine Kompositfotografie von Frank Hurley mit dem Titel "Over the top" aus dem Jahre 1917, auf welche das Ausstellungslogo "Krieg und Propaganda" projiziert wird. Die Ausstellung "Krieg und Propaganda wird vom 20. Juni bis 2. November 2014 gezeigt wird. 

Der Erste Weltkrieg zog sich hin, die deutsche Militärführung versuchte mit ungewöhnlichen Mitteln, weiterhin Siegesgewissheit zu verbreiten. Dazu schufen sie 1916 den ersten Propagandafilm und setzten - auf Außerirdische.

Vor der UNO-KlimakonferenzEuropa soll mehr für das Klima tun

Eine Satellitenaufnahme der Erde zeigt den Verbleib der Ozonschicht über der Arktis (Foto vom Winter 1999/2000).

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, fordert vor dem heute beginnenden New Yorker Klimagipfel mehr Klima-Anstrengungen der osteuropäischen Staaten. Europa müsse sich ehrgeizigere Ziele setzen.

Neuer 10-Euro-Schein Die Visitenkarte des Landes

Am 23. September 2014 führte die Bundesbank neue 10-Euro-Scheine ein.

Der neue 10-Euro-Schein soll nicht nur schöner, sondern auch sicherer sein und schwerer zu fälschen, sagt der Währungsberater Josef Gerber. Für ihn ist Geld ein Kulturgut, das aber als solches kaum beachtet werde.

Sigmund FreudDer Seelenforscher

Der österreichische Psychoanalytiker Sigmund Freud kurz nach seiner Ankunft in London am 6. Juni 1938.

Sigmund Freud ist der Vater der Psychoanalyse. Die Freud'schen Begriffe Libido, Ödipuskomplex, Über-Ich oder Lustprinzip erhitzen bis heute die Gemüter. Freud starb am 23. September 1939 im Londoner Exil.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brandenburg  steht vor Neuauflage von rot-rotem Bündnis | mehr

Kulturnachrichten

Dieter Wedel neuer Intendant  der Bad Hersfelder Festspiele | mehr

Wissensnachrichten

Biologie  Langer Stoßzahn des Narwals könnte Statussymbol sein | mehr