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"Das kann schnell zur Hexenjagd werden"

Der Fall der Olympia-Ruderin Nadja Drygalla beschäftigt Innenpolitiker und Sportfunktionäre

Die Ruderin Nadja Drygalla hat die Olympischen Spiele verlassen
Die Ruderin Nadja Drygalla hat die Olympischen Spiele verlassen

Während der SPD-Rechtspolitiker Sebastian Edathy den Schutz der Privatsphäre auch für Sportler fordert, erwägt das Bundesinnenministerium offenbar eine Änderung seiner Förderrichtlinien.

Nach der Debatte über die politische Gesinnung des Partners der Olympia-Teilnehmerin Nadja Drygalla will das Bundesinnenministerium bei der Mittelzuweisung für Spitzensportverbände eine explizite Extremismusklausel abfragen. Das berichtet die "Leipziger Volkszeitung". Bislang würden lediglich sportpolitische Grundsätze behandelt, zu denen auch eine Absage an Fremdenfeindlichkeit zähle.

Die Ruderin Drygalla war vergangene Woche von den Olympischen Spielen in London abgereist, nachdem bekannt geworden war, dass ihr Freund Michael Fischer aktives Mitglied in der rechtsextremen Partei NPD war. Fischer war Ende Mai aus der NPD ausgetreten.

Drygalla selbst hatte 2011 vorzeitig ihre Ausbildung zur Polizistin abgebrochen. Zuvor war sie von Mecklenburg-Vorpommerns Innenministerium auf ihre Beziehung zu dem NPD-Funktionär angesprochen worden. Sowohl Drygalla als auch ihr Freund haben sich inzwischen öffentlich von rechtsextremem Gedankengut distanziert.

Edathy (SPD) bezeichnet Debatte als Hysterie

Sebastian Edathy (dpa / picture alliance / Sebastian Kahnert)Sebastian Edathy, Bundestagsabgeordneter der SPD (dpa / picture alliance / Sebastian Kahnert)Im Deutschlandfunk forderte der SPD-Bundestagsabgeordnete und Rechtspolitiker Sebastian Edathy zu Mäßigung auf. Die Debatte um Drygalla bezeichnete er als "Hysterie", die es ebenso zu vermeiden gelte wie das "Unterschätzen der Gefährdung unserer Republik durch Rechtsextremisten". Edathy forderte einen größeren Respekt für das Persönlichkeitsschutzrecht und warnte: "Das kann schnell zur Hexenjagd werden".

"Es ist, glaube ich, ein Unterschied ob jemand sozusagen ein Schlafzimmer teilt mit einem Extremisten, oder ob er selber einer ist", sagte der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Deutschen Bundestag. Dies gelte für die Sportlerin wie für die Polizistin Drygalla.

"Kein sportinterner Geheimdienst"

Bedarf für eine noch strengere Prüfung des Athletenumfeldes sieht auch der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, nicht. "Wir wollen keinen sportinternen Geheimdienst und keine Gesinnungsprüfung", sagte der Spitzenfunktionär. Der DOSB hatte erklärt, dass er keine Mitteilungen über die Beziehung der Athletin zu Michael Fischer, einem Direktkandidaten der rechtsextremen NPD bei den Landtagswahlen 2011 in Mecklenburg-Vorpommern, erhalten habe.

Mecklenburg-Vorpommerns Innen- und Sportminister Lorenz Caffier sagte vor einer Kabinettssitzung der Landesregierung, er lehne eine Regelung ab, mit der "wir wieder in das System der Gesinnungsschnüffelei zurückfallen". Bei der Sitzung soll er über den Fall Drygalla Auskunft geben. Zu dem Verdacht, sein Ressort habe wichtige Informationen über mögliche NPD-Verbindungen nicht weitergegeben, wollte er sich vorher nicht äußern.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

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