Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Das Kosovo ist unabhängig

Die serbische Minderheit lehnt die Loslösung von Serbien ab

Umstrittenes Gebiet: Grenzposten Jarinje an der Grenze zwischen Serbien und Kosovo (AP / Zveki)
Umstrittenes Gebiet: Grenzposten Jarinje an der Grenze zwischen Serbien und Kosovo (AP / Zveki)

Mit einer Zeremonie im Parlament in Pristina hat das Kosovo die Entlassung in seine Unabhängigkeit feierlich begangen. Stabil ist die Lage in dem Balkanstaat auch 13 Jahre nach Ende des Krieges allerdings längst noch nicht.

Diplomatischer Großauflauf in Pristina: Die langjährigen Kosovo-Vermittler aus den USA und der EU sind zur Feier der vollen Souveränität Kosovos angereist. Chöre singen, Orchester spielen, das Parlament tagt in Festsitzung, der Staat verleiht Orden und lädt zum Galadinner.

Für die Internationale Lenkungsgruppe für das Kosovo (ISG) bedeutet die Entlassung in die uneingeschränkte Selbständigkeit, dass sie sich auflöst, zugleich schließt der Internationale Beauftragte, Pieter Feith, sein Büro. Damit hat das Ausland in politischen Fragen im Kosovo nicht mehr mitzubestimmen. .

Bereits 2008 hatte das Land seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt und eine demokratische Verfassung auf den Weg gebracht. 75 Staaten, darunter Deutschland, erkennen die Republik seitdem völkerrechtlich an, nicht jedoch Serbien, Russland und China - obwohl der Internationale Gerichtshof in Den Haag 2010 die kosovarische Unabhängigkeitserklärung als rechtmäßig bezeichnete.

Serbische Minderheit lehnt Unabhängigkeit ab

Die Souveränität des Kosovos blieb nach der Unabhängigkeitserklärung eingeschränkt. Über die ISG nahmen 25 Staaten, darunter mehrere EU-Staaten und die USA, Einfluss auf die Entwicklung des Balkanstaates. Ihr Aufgabe war es, den vom UN-Vermittler für Kosovo Martti Ahtisaari vorgelegten Plan einer "überwachten Unabhängigkeit" umzusetzen - dabei spielten der Aufbau eines Rechtsstaats und der Minderheitenschutz eine zentrale Rolle.

Es geht vor allem um die serbische Minderheit. Von den rund 1,7 Millionen Kosovaren sind sieben Prozent serbischen Ursprungs. Sie leben vor allem im Norden des Landes, wo es immer wieder zu Konflikten mit der albanischen Bevölkerungsmehrheit kommt. 2004 starben mindestens 19 Menschen, über 1000 wurden verletzt, als radikale kosovo-albanische Gruppen Angehörige der Kosovo-Serben angriffen und Häuser und Kirchen in Brand steckten - angeblich, nachdem serbische Kosovaren zwei albanische Kinder in einen See gehetzt hatten.

Demütigungen auf beiden Seiten

Der Hass auf die Serben sitzt bei vielen Kosovo-Albanern tief. Nach dem Tod des kommunistischen Diktators Tito litten sie im Jugoslawien der 80er- und 90er-Jahre massiv unter Benachteiligungen gegenüber Serben. Schüler und Studenten wurden aus dem Bildungssystem ausgeschlossen, Arbeiter aus der Verwaltung entlassen. Während des Kosovo-Kriegs Ende der 1990er Jahre wurden kosovarische Zivilisten Opfer von Überfällen, Vertreibungen und Massenmorden durch serbische Streitkräfte in ihrer Auseiandersetzung mit der Befreiungsarmee UCK. Den Kosovo-Krieg beendete 1999 eine NATO-Operation. Mit der UNO-Resolution 1244 kam das Gebiet unter Verwaltungshoheit einer UNO-Mission (UNMIK).

Heute ist es vor allem die serbische Minderheit, die unter geringen Aufstiegschancen im Kosovo leidet - obwohl die Regierung in Pristina Subventionen und vergleichweise hohe Beamtengehälter in den Norden des Landes leitet. In einem Referendum sprachen sich die Serben im Nordkosovo im Februar klar für ihren Verbleib in Serbien und gegen die kosovo-albanisch kontrollierte Regierung aus. Im November lehnten sie alle Kompromisse ab, die die Regierungen in Belgrad und Pristina unter Vermittlung der Europäischen Union erzielt hatten.

EU: Vermittlung in einem der ärmsten Länder Europas

Die Europäische Union setzt weiterhin auf Vermittlung. Die EU-Rechtsstaatsmission EULEX bleibt bis auf weiteres im Land, und auch die NATO-Schutztruppe KFOR ist angesichts der angespannten Sicherheitslage weiterhin mit über 6000 Soldaten vertreten - vor allem um die fragile Sicherheit an der kosovarisch-serbischen Grenze zu gewährleisten.

Das Kosovo gilt als eines der ärmsten Länder Europas. Der Bundeszentrale für Politische Bildung zufolge leben 47 Prozent der Bevölkerung in Armut, 13 Prozent in extremer Armut. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 60 Prozent.

Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:

<strong>Hintergrund "Nichts ist umsonst"</strong><br> Das Millionenspiel Korruption im Kosovo (DLF) *

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:10 Uhr Sport am Sonntag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:30 Uhr Hörspiel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Wenn Pferde beim Rennsport verunglückenKein Requiem für Simply Jonathan

Der "Crabbies 2015 Grand National" in Liverpool (picture alliance / dpa / Peter Powell)

In Südtirol verunglückt ein Pferd auf der Rennbahn und stirbt. Auch in Deutschland kommen regelmäßig Pferde bei Rennen zu Schaden, im Vergleich zu Skandinavien sinkt hier aber die Popularität. Pferderennen – ein Sport der Begeisterung auslöst und Leid hinnimmt.

Keith HaringPlötzlich politisch?

Besucherinnen schauen sich die Ausstellung "Keith Haring - Gegen den Strich" in München (Bayern) an. (picture-alliance / dpa/Peter Kneffel)

Die Ausstellung "Gegen den Strich" in der Hypo-Kunsthalle in München zeigt Keith Haring als ernsthaften, politischen Künstler, ja als Kunstaktivist. Man fragte sich, wie dieser Aspekt im Oeuvre Harings so lange übersehen beziehungsweise übergangen werden konnte, meint unser Kritiker Julian Ignatowitsch.

Jack Garratt"It´s all me"

Jack Garrett tourt durch Europa und er war auch in Köln. Sonja Meschkat traf ihn kurz vor seinem Konzert in einem kleinen Raum, in dem auch ein Klavier stand. Und bevor Sonja ihre erste Frage loswerden konnte, stürzte sich Jack auf das Klavier. Reinhauen und abreagieren nach derr langen Autofahrt. 

KZ Dachau"Erinnerung, die der Zukunft verpflichtet ist"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (r, CDDU) geht am 03.05.2015 mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster (l), und der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zur Zentralen Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau auf dem ehemaligen KZ-Gelände in Dachau (Bayern). (dpa / Andreas Gebert)

Der Name Dachau steht als Synonym für die massenhafte Vernichtung von Juden, unbequemen Geistlichen, Sinti und Roma sowie politischen Gegnern. Am 29. April 1945 befreiten die Amerikaner das Konzentrationslager. Heute - gut 70 Jahre später - erinnern die Bundeskanzlerin und Bayerns Ministerpräsident an die Gräueltaten.

Ruhe bitte!Lärm entsteht im Kopf

Lärm ist für jeden anders. Der eine kann das schreiende Baby nicht ertragen, die andere wird wahnsinnig, weil die Amsel vor dem Fenster singt. Ein tropfender Wasserhahn, ein tickender Wecker, Fingerknacken - jedes Geräusch, egal wie leise, können wir als Lärm empfinden. Selbst die absolute Stille der Wüste kann zum Tosen im Kopf werden.

Kritik an OptimierungVon der Kunst, unvollkommen zu sein

Computergrafik zur Genforschung (imago/Sciepro/Science Photo Library)

In China sollen Wissenschaftler das Erbgut menschlicher Embryonen verändert haben. Und die Forschung wird weiter voranschreiten, sagt Katharina Doebler. Durch die "Optimierung" der Gene könne die menschliche Vielfalt aber verloren gehen. Eine grauenhafte Vorstellung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Lokführer wollen sechs Tage  den Personenverkehr bestreiken | mehr

Kulturnachrichten

Tagesschau-App muss neu geprüft werden  | mehr

Wissensnachrichten

Süddeutsche Zeitung  Strengere Regeln für die Feststellung des Hirntods | mehr