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Das linke Berlin und die rot-grüne Übermacht

Die Hauptstadt vor der Wahl: Ostberlin

Von Claudia van Laak

Im TV-Duell noch Gegner - nach der Wahl eine Koalition? (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
Im TV-Duell noch Gegner - nach der Wahl eine Koalition? (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Auch im 21. Jahr der Wiedervereinigung ist Berlin geteilt: CDU, Grüne und FDP sind eher im alten Westberlin stark, die Linken in Ostberlin. Die SPD scheint die einzige Gesamtberliner Partei zu sein: Spitzenkandidat Klaus Wowereit punktet auch in den Ostberliner Plattenbaubezirken.

Lila, bedruckt mit einer weißen Friedenstaube. So sehen die Luftballons aus, die am Wahlkampfstand der Linken im Plattenbaugebiet Marzahn verteilt werden. Der linke Spitzenkandidat und Wirtschaftssenator Harald Wolf ist vor Ort, berichtet von den Erfolgen seiner Partei in der rot-roten Koalition.

"Wir sind vorne bei der Zahl der neu geschaffenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, wir sind vorne beim Wachstum, also da haben wir sehr gute Zahlen."

Doch dieses Berlin, von dem der Wirtschaftssenator berichtet, ist nicht das Berlin der Marzahner Plattenbaubewohner. Denn die Erfolgreichen sind weggezogen. Geblieben sind Rentner, gekommen sind diejenigen, die auf preiswerte Wohnungen angewiesen sind. Nur jeder Zweite hier geht wählen. Das Interesse an Politik ist extrem gering, klagt auch der CDU-Abgeordnete Mario Czaja.

"Ich hab in der vergangenen Woche zwei Termine angesetzt für Gespräche mit Abgeordneten im Quartiersmanagement in Marzahn-Nord, da ist kein Einziger gekommen. Dann frage ich den Kollegen der Linkspartei, wie das bei ihm ist, und der sagt, ja, auch die letzten beiden Male ist kein Einziger gekommen."

Trotz Luftballons und der Einladung, eine knallrote Gartenbank mit dem Spitzenkandidaten Harald Wolf zu teilen, haben sich nur wenige Interessierte am Stand der Linken versammelt, die meisten sind Parteimitglieder. Die Stimmung: wenig kämpferisch, eher gedämpft.

"Der innerparteiliche Streit, das ist eigentlich das Problem.
Das ist für uns als Mitglieder an der Basis nicht verständlich, und ich meine, das zeugt doch nicht von besonders guter Intelligenz.
Ich nehme an, wir haben auch keinen solchen strahlenden Vordermann in der Partei im Moment. Es ist schwierig."

Nein, Spitzenkandidat Harald Wolf ist kein strahlender Vordermann wie Klaus Wowereit. Der Wirtschaftssenator ist ein bedächtiger Analytiker, ein fleißiger Arbeiter, verfügt aber über wenig Charisma. Sein Wahlziel: Rot-Rot fortsetzen, im Osten der Stadt wieder stärkste Partei werden. "Mieter vor Wild-West schützen" – lautet der Anti-Wessi-Slogan der Linken. Doch Spitzenkandidat Wolf bestreitet, mit Sprüchen gegen den Westen im Osten auf Stimmenfang zu gehen.

"Wir schüren kein Ressentiment, weil Wildwest-Methoden beziehen sich nicht auf Ostdeutschland oder Westdeutschland, sondern Wildwest-Methode ist eine bestimmte Art des rabiaten Vorgehens. Und das beobachten wir gegenwärtig auf dem Berliner Wohnungs- und Mietenmarkt, dass es hier zunehmend Verdrängung mit Menschen mit normalem oder niedrigem Einkommen gibt."

In aktuellen Umfragen liegt die Linke auf dem vierten Platz. Selbst in ihren traditionellen Hochburgen wie Marzahn oder Lichtenberg füllt nicht Harald Wolf die Marktplätze, sondern SPD-Mann Klaus Wowereit. Mit Spitzen gegen die Grünen gewinnt er die Sympathien der Plattenbaubewohner.

"Wie gefällt's Ihnen denn dort so im roten Rathaus?"

"Och, mir gefällt's da ganz gut. Also ich meine, da lass ich auch keine andere rein, so ohne Weiteres. Und mittlerweile gibt's auf dem Dach auch ein paar grüne Ecken. Da ist auch so eine Solaranlage, aber dominierend ist immer noch das Rote da im Rathaus. Und ich finde, das soll auch so bleiben."

Es scheint, als ob viele traditionelle Linkspartei-Wähler aus Ostberlin am Sonntag ihr Kreuzchen bei der SPD machen werden, um die grüne Spitzenfrau Renate Künast zu verhindern - und um Klaus Wowereit zu stärken.

"Weil er sympathisch ist und besser als die grüne Künast, dass die nicht rankommt."

"Also auf keinen Fall würde ich die Grünen favorisieren, und die Frau Künast mag ich einfach nicht. Sie gehört nicht nach Berlin. Das ist meine persönliche Meinung."

In Berlin stehen die Zeichen auf Rot-Grün, Klaus Wowereit könnte die Linke nach dem 18. September in die Opposition schicken. Vielleicht übernimmt die SPD sogar die traditionell links besetzten Rathäuser in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf – ein herber Schlag für die Linkspartei, die zehn Jahre lang mitregiert hat.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

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