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Das Nationale Waffenregister kommt

Zentrale Erfassung am Beispiel Ludwigshafen

Von Ludger Fittkau

Eine Pistole Glock 26, Kaliber 9mm Para liegt auf Waffenbesitzkarten (AP)
Eine Pistole Glock 26, Kaliber 9mm Para liegt auf Waffenbesitzkarten (AP)

Das Nationale Waffenregister speichert ab 2013 zentral die Daten zu mehreren Millionen legaler Waffen in Deutschland, die bisher dezentral gesammelt wurden. Waffenexperten begrüßen die Neuregelung. Doch Amokläufe verhindern kann sie nicht - und auch nicht illegale Waffen.

Die erfahrene Sportschützin greift nach der Pistole, die im Regal ihres Ludwigshafener Waffengeschäftes liegt. Einen Moment wird mir mulmig, als ich in die Mündung blicke. Doch Juliane Zickgraf-Peters, mehrfache Teilnehmerin an Deutschen Schützenmeisterschaften, spricht beruhigende Worte. Die Waffe, die sie in der Hand hält, ist keine echte Pistole der Marke "Walther P 99", wie es auf dem schwarzen Pistolenlauf steht. Es handelt sich nämlich um eine sogenannte "Signalwaffe", die nicht mit scharfer Munition, sondern mit Schreckschuss – oder Gaspatronen gefüllt wird:

"Die Walther P 99 wurde – oder wird – von der Polizeibehörde teilweise noch geführt. Wenn ich ein paar Meter davor stehe – also sie ist garantiert leer – gucke in den Lauf von zwei Metern Entfernung, sehe ich nicht, dass es eine Signalwaffe ist."

Ein Problem, das durch das neue Nationale Waffenregister ab Januar nicht gelöst wird. Signalwaffen, wie Juliane Zickgraf-Peters sie an die über 1000 registrierten Ludwigshafener Waffenbesitzer verkauft, werden nicht zentral erfasst. Anders ist das mit rund vier Millionen legalen Waffen mit scharfer Munition in Deutschland, auch Jagdwaffen. Alle sogenannten waffenrechtlichen Daten werden künftig in Köln gesammelt. Beim dortigen Bundesverwaltungsamt. Diese Behörde ist für das neue Nationale Waffenregister zuständig.

"Geschossen werden Fasanenhähne, Hasen, Stockenten und Raubwild bevorzugt. Vor allem Nutzwild wird erst das Raubwild geschossen, im Zweifelsfalle."

Mit dem "Raubwild" meint Jürgen Ohlinger vor allem den Fuchs. Der wird bei der sogenannten "Niederwildjagd" in Frankenthal bei Ludwigshafen zum Abschuss freigegeben. Mit von der Partie ist Kurt Alexander Michael, Chef des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz. Er weiß, dass Jäger nicht in allen Bevölkerungskreisen ein gutes Image haben, bisweilen gar regelrecht für schießwütig gehalten werden:

"Was passiert denn, wenn Wild nicht bejagt wird? Was ist die Alternative zum Jäger? Ich sage mal vorsichtig: Da gibt es keine."

Und ein Jäger braucht nun mal eine scharfe Waffe. Jäger und Sportschützen stellen in Ludwigshafen und Umgebung das Gros der legalen Waffenbesitzer. Allein in den Stadtgrenzen der Chemiestadt sind mehr als 7000 Waffen registriert.

Ein Mann um die 60 betritt das Waffengeschäft von Juliane Zickgraf- Peters. Er fragt nach Munition für seine alte Jagdflinte. Dass die demnächst in einem nationalen Waffenregister aufgelistet ist, findet er in Ordnung:

"Ein nationales Waffenregister halte ich schon für sinnvoll, wenn es in ganz Europa ist, sollte man es hier auch machen. Fertig. Aber mehr kann ich dazu nicht sagen, weil ich die Interna nicht kenne."

Die Interna zum neuen "Nationalen Waffenregister" kennt Dieter Feid. Sein Büro liegt Luftlinie etwa zwei Kilometer vom Zickgraf'schen Waffengeschäft entfernt im neunten Stock des Ludwigshafener Rathauses. Der Sozialdemokrat Dieter Feid ist nicht nur Kämmerer der Stadt, sondern auch Chef der Ludwigshafener Waffenbehörde. Einer von bisher rund 550 Waffenbehörden in Deutschland:

"Wir haben auch jetzt ein lokales Programm, wo das alles abgespeichert ist. Der Unterschied zu später ist nur der, dass es bisher 550 Waffenbehörden gibt, ungefähr, und die werden eben vernetzt. Das heißt, die Sicherheitsbehörden müssen nicht bei allen anfragen, können dann bundesweit ermitteln, ob diese Waffe registriert ist beziehungsweise wem sie gehört oder eben nicht. Und wichtig sind natürlich nur die legalen Waffen. Über illegale Waffen liegen uns natürlich keine Erkenntnisse vor."

Wie viele illegale Waffen aber gibt es in Ludwigshafen? Bei der Beantwortung dieser Frage ist der Leiter der lokalen Waffenbehörde vorsichtig:

"Mein Vorgänger hat mal geschätzt, dass es genauso viele illegale Waffen geben könnte als es legale gibt. Ich will das weder bestätigen noch dementieren, wie gesagt, wir haben keine Erkenntnisse, wir wissen nur eins: Natürlich gibt es eine ganze Menge illegale Waffen, das ist natürlich nicht gut und da wird alles dafür getan, um aus der Sicht der Ordnungs- und Polizeibehörden diese illegalen Waffen zu identifizieren und aus dem Verkehr zu ziehen."

Über die genaue Zahl der illegalen Waffen, die im Umlauf sind, kann nur spekuliert werden. Das Bundesverwaltungsamt in Köln, zuständig für das neue nationale Waffenregister, sagt: "Auf welchem Weg legale Waffen in die Illegalität gelangen, kann nicht pauschal beantwortet werden." Von bis zu zehn Millionen illegalen Waffen in Deutschland ist die Rede – überprüfen kann das niemand. Doch wenige sind es nicht, glaubt auch die Ludwigshafener Waffenhändlerin Juliane Zickgraf-Peters:

"Woher illegale Waffen kommen? Es sind sehr viele nach dem Mauerfall, russische Waffen, die in und um Berlin waren, die in und um Berlin waren, sind nach Deutschland gekommen. Es kommen heute noch viele aus den Ostblockstaaten – seit Öffnung der Grenze ist es ja kein Problem mehr, illegale Waffen ins Land zu schaffen."

Die illegalen Waffen, die man sicherstelle, kommen tatsächlich überwiegend aus Osteuropa, bestätigt der Ludwigshafener Waffenbehördenleiter Dieter Feid.

Er weist darauf hin, dass man jederzeit im Rathaus Waffen abgeben kann, die man beispielsweise in den Hinterlassenschaften eines verstorbenen Verwandten findet. Was gar nicht so selten vorkommt. Auch diese sogenannten "Erbwaffen" sollen im neuen "Nationalen Waffenregister" nun lückenlos erfasst werden.

Doch auch das wird Amokläufe wie im baden-württembergischen Winnenden im März 2009 wohl nicht verhindern, glaubt Dieter Feid, der Chef der Ludwigshafener Waffenbehörde.

"Winnenden wäre vermutlich auch dann passiert, wenn es das Waffenregister gibt. Also, da kann man zwar im Nachhinein die Waffe identifizieren. Aber man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass ein Register nennenswert viel Sicherheit schafft. Allerdings, an einem Punkt schon: Wenn Polizisten zu Nachbarschaftsstreitereien gerufen werden, kann es mitunter sehr sinnvoll sein, je nachdem, wie intensiv die Auseinandersetzungen sind, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, ob eine Waffe im Haus ist oder nicht. Und dann die Einsatztaktik danach auswählen, um da keine Überraschungen zu erleben."

Ohne große Überraschungen geht der Jagdeinsatz auf den Gemüseäckern am Stadtrand von Ludwigshafen zu ende. Hase tot – so heißt das Hornsignal, das die Jäger am Ende der Jagd blasen. Rund ein Dutzend Hasen sind mit den registrierten Waffen erlegt worden. Die Füchse haben überlebt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

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